Kultusminister Rau äußert Unverständnis an Kritik des Landeselternbeirats am Fremdsprachenkonzept

Kultusminister Helmut Rau MdL hat mit Unverständnis auf die heutige Kritik des Landeselternbeirats (LEB) am Fremdsprachenkonzept der Landesregierung reagiert. Dieses beinhaltet die Einführung der Grundschulfremdsprache Französisch entlang der Rheinschiene und deren Fortsetzung als erste Fremdsprache an den Gymnasien. „Die Entscheidung für Französisch als erster Fremdsprache im badischen Landesteil bedeutet keine Entscheidung gegen Englisch. Jeder Gymnasiast im Land kann bereits ab der fünften Klasse Englisch lernen, wenn das Gymnasium seiner Wahl dies anbietet. Es ist deshalb unverantwortlich, den Eindruck zu erwecken, dass badische Gymnasiasten den Anschluss an die führende Welt- und Wissenschaftssprache Englisch verlieren", sagte Rau.

17.01.2007 Baden-Württemberg Pressemeldung Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg

Ab dem Schuljahr 2007/08 steht den Gymnasien die Möglichkeit offen, mit der zweiten Fremdsprache in Klasse 5 oder erst am Anfang von Klasse 6 zu beginnen. Damit hätten die Schulen die Chance, auf lokale Besonderheiten und die Zusammensetzung der Schülerschaft einzugehen. Das so genannte "Biberacher Modell" (Englisch-Latein ab Klasse 5 und dritte Fremdsprache ab Klasse 7) kann in der Variante Französisch-Latein ab der fünften Klasse (Englisch ab Klasse 7) an jedem Gymnasium in Baden-Württemberg angeboten werden. „Damit ist auch die Behauptung, dass Latein durch die geplante Sprachenfolge benachteiligt wird, völlig unbegründet“, so Rau. Bei Umzügen vom Oberrhein in den württembergischen Landesteil (mit Grundschulfremdsprache Englisch) entstehen Rau zufolge den Kindern bzw. Jugendlichen keine Nachteile. Schulwechsel seien individuelle Prozesse, die pädagogisch begleitet werden müssen, beispielsweise durch individuell gestaltete Nachlernprogramme und Nachlernfristen. Auch besondere Stütz- und Förderkurse seien möglich.

Der Kultusminister gab außerdem zu bedenken, dass die in den letzten Tagen häufig verwendete Bezeichnung "Französisch-Zwang" gezielt in die Irre führe. Ein verbindlicher Fächerkanon, zu dem Deutsch, Mathematik und eine Fremdsprache gehören, sei Ausdruck des Bildungsauftrags der Schule und bedeute keine Einschränkung der Wahlmöglichkeiten von Eltern. „Gerade an den Gymnasien gibt es viele Möglichkeiten, die Schullaufbahn an den individuellen Talenten und Begabungen der Schülerinnen und Schüler auszurichten“, sagte Rau. Er appelliert an die Eltern, sich von Behauptungen und Gerüchten nicht verunsichern zu lassen. Französisch biete den Kindern und Jugendlichen entlang der Rheinschiene zusätzliche berufliche und persönliche Perspektiven. Die Entscheidung für Französisch werde er deshalb nicht rückgängig machen, betonte der Kultusminister. „Angesichts eines zunehmend grenzüberschreiten-den Wirtschaftsraums eröffnen Französisch-Kenntnisse am Oberrhein attraktive Chancen. Die Sprache des Nachbarn zu erlernen fördert die kulturellen Beziehungen zu Frankreich. Eine gelebte Nachbarschaft im Alltag ist ohne Sprachkenntnisse nicht denkbar.“


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