Kultusministerin Karin Wolff richtet hessenweit Intensivklassen und -kurse "Deutsch für Seiteneinsteiger" zum Schuljahr 2006/07 ein

"Ich möchte, dass alle Kinder und Jugendlichen im Unterricht mitreden können und in Hessen künftig auch Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger vermehrte Chancen haben, einen Schulabschluss zu machen", so die Hessische Kultusministerin Karin Wolff bei einer Pressekonferenz im Vorfeld des Berliner Integrationsgipfels heute in Wiesbaden. Für Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger ohne Deutschkenntnisse will sie daher "vom neuen Schuljahr an ein Netz von Intensivklassen und Intensivkursen schaffen, um diesen Schülerinnen und Schülern vor Eintritt in eine Schulform Gelegenheit zu geben, erst einmal richtig Deutsch zu lernen."

11.07.2006 Hessen Pressemeldung Hessisches Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen

Intensivklassen und Intensivkurse im ganzen Land seien alles andere als ein leichtes Unterfangen, so Karin Wolff, und in Städten leichter realisierbar als im ländlichen Raum: "Grundsätzlich ist zu Schuljahresbeginn nicht absehbar, wie viele Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger, welcher Altersstufe, mit welchen Deutschkenntnissen wann in welchen Städten und Dörfern eintreffen. Wir werden jedoch versuchen, so flexibel wie möglich zu reagieren und aufgrund bisheriger Erfahrungen so gut wie möglich vorausplanen."

Bei einer größeren Zahl von Neuankömmlingen in einer Region biete sich das Einrichten von Intensivklassen an, in denen Schülerinnen und Schüler vor Eintritt in den Regelunterricht einer Schulform erst einmal Deutsch lernen. Bei einer geringeren Anzahl von Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteigern werde das eher in Intensivkursen geschehen. Für entlegene Landesteile plant die Ministerin gegebenenfalls Kleingruppen-Förderung: "Dann eben nicht zwölf Stunden Intensivkurs für zwölf Schüler, sondern drei bis vier Schüler mit drei oder vier intensiven Förderstunden." Selbstverständlich nähmen alle Kinder und Jugendlichen in Intensivklassen und -kursen am kompletten Schulleben teil, etwa bei Sport und Musik gemeinsam mit den Mitschülerinnen und Mitschülern.

Als Vorteile der Intensivklassen und Intensivkurse für Schülerinnen und Schüler nannte die Hessische Kultusministerin:

  • Die Schülerinnen und Schüler werden nicht einfach Hauptschulen zugewiesen, nur weil sie kein Deutsch können.

 

  • Sie lernen die deutsche Sprache schneller und systematischer.

 

  • Sie haben in kleinen Gruppen mehr Möglichkeiten der sprachlichen Äußerung.

 

  • Sie werden nicht schulmüde, weil ihnen Frustrationen, sich nicht am Unterricht beteiligen zu können, erspart bleiben.

 

  • Sie werden Erfolge verzeichnen können und dadurch motiviert, auch in schwierigem und fremdem sprachlichen Umfeld nicht so leicht aufzugeben.

 

  • Sie merken, dass auch andere um den sprachlichen Erfolg kämpfen müssen.

 

  • Sie lernen, wie man sich auch im Konfliktfall verbal angemessen wehren kann.

 

  • Sie lernen schneller, mit der hiesigen Kultur und den Gepflogenheiten umzugehen.

 

  • Sie erhalten sehr individuelle Unterstützung.

 

  • Sie werden in die Lage versetzt, nach dem Besuch der Intensivklasse bzw. des Intensivkurses tatsächlich gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern deutscher Muttersprache zu lernen und sich aktiv am Unterrichtsgeschehen zu beteiligen.

 

  • Sie haben eher die Chance, hierzulande einen Bildungsabschluss zu erreichen.

Auch für Hessens Schulen insgesamt sieht Karin Wolff nur Vorteile:

  • Die Lehrkraft hat mehr Zeit für alle Schülerinnen und Schüler einer Klasse.

 

  • Es müssen nicht viele auf einen zügigen Fortgang im Unterrichtsstoff verzichten, weil einzelne Schüler aufgrund von Sprachproblemen – wenn überhaupt – nur langsam mitarbeiten können.

 

  • Sprachkompetenz eröffnet ein besseres Verständnis untereinander – weniger Gewalt, weniger Missverständnisse etc.

 

  • Lehrkräfte werden es einfacher haben, wenn sie in ihrer ohnehin schwierigen Aufgabe, allen Schülerinnen und Schülern gerecht zu werden, einzelnen Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteigern nicht auch noch im Fachunterricht nebenbei Deutsch beibringen müssen.

Die Staatsministerin wartete mit einer weiteren guten Nachricht auf: "Hessen finanziert seit März 2006 im Kultusministerium einen Landeskoordinator für das START-Schülerstipendien-Programm der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung für begabte und engagierte Zuwandererkinder."


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