Kultusministerin Wolff nimmt Änderungen bei G8 vor: Nachmittagsunterricht wird deutlich eingeschränkt
"Eine Abkehr von G8 kommt für Hessen nicht in Frage. Wir haben die Sorgen der Eltern aber verstanden und wissen, dass es bei der Umsetzung der gymnasialen Schulzeitverkürzung Nachbesserungsbedarf gibt." Mit diesen Worten hat Kultusministerin Karin Wolff heute in einer Pressekonferenz im Landtag eine Rückkehr zum Abitur nach 13 Jahren abgelehnt und gleichzeitig deutliche Änderungen bei G8 angekündigt.
21.11.2007 Hessen Pressemeldung Hessisches Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen"Hessen hat als 13. von 16 Bundesländern die gymnasiale Schulzeitverkürzung eingeführt. Das Abitur nach 12 Jahren ist nicht nur im Vergleich mit den anderen Bundesländern, sondern auch im internationalen Wettbewerb längst Standard", betonte Wolff. Man werde deshalb keinesfalls G8 aufgeben, Hessen sei kein "Geisterfahrer". "Ich weiß aber aus vielen Gesprächen mit Eltern um die schulische Belastungssituation ihrer Kinder und dass G8 nicht überall so umgesetzt wird, wie es wünschenswert wäre", erklärte die Ministerin weiter. Aus diesem Grund habe sie eine Arbeitsgruppe aus Vertretern des Landeselternbeirats, des Kultusministeriums sowie Schulleiterinnen und Schulleitern eingesetzt, mit der als erster Schritt ein Katalog von Verbesserungen festgelegt worden sei, um die Schülerinnen und Schüler so schnell wie möglich zu entlasten.
Bereits zum zweiten Schulhalbjahr 2008 wird der Umfang des Nachmittagsunterrichts für die Klassen 5 bis 7 deutlich eingeschränkt: Ab Februar werden Kinder der Klassen 5 und 6 nur einmal in der Woche und Schüler der Klasse 7 höchstens zweimal pro Woche nachmittags Pflichtunterricht haben. "Damit stellen wir sicher, dass Schülerinnen und Schüler an den übrigen Nachmittagen mehr Zeit fürs Spielen, für ihre Freunde, ihre Hobbys, Sport und auch für sich selbst haben", unterstrich Wolff. Ein entsprechender Erlass gehe den Schulen heute zu. Zudem seien die Schulen aufgefordert, die Zahl der Unterrichtsfächer an einem Tag auf maximal fünf zu begrenzen, da mit einer Verstärkung der Doppelstunden auch unmittelbar eine stärkere Rhythmisierung verbunden sei. "Dies wird neben einer spürbaren Beruhigung im Schulalltag auch zu einer geringeren Anzahl von Unterrichtsfächern führen, für die nachmittags noch Hausaufgaben zu erledigen sind", erläuterte die Ministerin. Auch das oft beklagte "Bücherschleppen" wird dadurch eingeschränkt. Beim Thema Hausaufgaben sei darüber hinaus eine noch stärker Absprache innerhalb der Schule und eine regelmäßigere Verteilung auf die gesamte Schulwoche geboten, um Überlastungen der Schülerinnen und Schüler zu vermeiden.
Man werde aber nicht nur durch Änderungen der Unterrichtsorganisation und bessere Verteilung der Hausaufgaben Druck von den Kindern nehmen, sondern auch die Stofffülle ein weiteres Mal überprüfen. "Mein Eindruck ist, dass trotz der bisherigen Kürzungen noch zuviel in die Lehrpläne hineingepackt wurde", sagte Wolff. Hier müsse sorgfältig hinterfragt werden, an welchen Stellen eine Lehrstoffverschlankung möglich sei, an der im Rahmen der bevorstehenden Umstellung auf Bildungsstandards und Kerncurricula ohnehin gearbeitet werde. Schon jetzt müssen nicht verbindliche Lehrplaninhalte (freiwillige Themen) auf ein vertretbares Maß eingeschränkt werden.
"G8 und die steigende Belastung der Kinder in der Schule sind aber keine Themen, die an der hessischen Landesgrenze enden. Deshalb wird Hessen Mitte Dezember einen Antrag in die Kultusministerkonferenz einbringen, der sich mit den Erfahrungen aus der gymnasialen Schulzeitverkürzung und den Auswirkungen der Festlegung auf 265 Wochenstunden im verkürzten gymnasialen Bildungsgang beschäftigt. Es ist wichtig, dass auch länderübergreifend gehandelt wird, damit die aktuellen G8-Problemlagen im Sinne der Kinder und Jugendlichen gelöst werden. Die Qualität des Abiturs muss dabei klar erhalten bleiben", so die Ministerin abschließend.
Hintergrund:
Die Einführung von G8 erfolgte in Hessen in drei Etappen in den Schuljahren 2004/05 bis 2006/07. Hessen hat als einziges Bundesland diese schülerfreundliche Etappenlösung gewählt, um im Schuljahr 2013/14 einen kompletten doppelten Abiturjahrgang zu vermeiden und eine Verteilung der zusätzlichen Absolventinnen und Absolventen auf mehrere Jahre zu ermöglichen. Vor der Umstellung hatte eine Lehrplankommission die Lehrpläne grundlegend überarbeitet und den Unterrichtsstoff an die verkürzte Schulzeit angepasst. Trotz einer umfangreichen Stoffreduzierung hat sich durch die höhere Wochenstundenzahl und die daraus resultierenden Konsequenzen eine steigende Belastungssituation für die Schülerinnen und Schüler entwickelt. Um dem entgegenzuwirken, wurde durch Kultusministerin Karin Wolff im Oktober 2007 eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die sich mit den die verkürzte gymnasiale Schulzeit betreffenden Themen auseinandersetzt.
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