Länderreport Frühkindliche Bildungssysteme befasst sich mit der Ganztagsbetreuung von Grundschulkindern
03.01.2012 Artikel
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Mit dem am 19.12.2011 vorlegten Länderreport "Frühkindliche Bildungssysteme" wird die Ganztagsbetreuung von Schulkinder in der Bundesrepublik durch die Bertelsmann Stiftung in den Mittelpunkt stellt.
In der Pressemitteilung der Stiftung wird dabei die zentrale Feststellung getroffen: "Während eine flächendeckende Ganztagsbetreuung von Grundschulkindern in fast ganz Europa Standard ist, herrscht in Deutschland noch immer Aufholbedarf - insbesondere im Westen."**
Differenzierter weist der Länderreport darauf hin, dass in Westdeutschland nicht nur jedes 5. Kind = 21,4 %, ein Angebot nutzen können, während es in Ostdeutschland 75,4 % sind, sondern er geht auf auf die unterschiedlichen Qualitäten der Angebote ein. Dazu stellt er fest, dass in Ostdeutschland die Grundschulkinder überwiegend in Horten begleitet werden, in denen verbindliche Mindeststandards für die Qualifikation und Anzahl des Personals gelten, werden in Westdeutschland Kinder überwiegend in der "offenen Ganztagsschule" begleitet. Für diese Angebotsform gelten nur in der Hälfte der Bundesländer Regelungen zur Personalausstattung. Es wird festgestellt, dass "die in Horten bereits etablierten Qualitätsstandards erfreulich" seien.
In den differenzierten Ergebnissen für jedes Bundesland wird für NRW festgestellt, dass immer noch "Aufholbedarf" besteht, zumal nur 29 % der Grundschüler (Anfang 2010) ein Angebot nutzen konnten. Mit diesem Anteil liege NRW zwar über dem Durchschnittswert der westdeutschen Länder (21,4 %), aber weit unter denen in Ostdeutschland (75,4 %). Bezogen auf die qualitativen Bedingungen gilt in NRW, dass nur noch 7.000 Kinder in Horten (Anteil 3,6 %), jedoch rd. 184.000 in der offenen Ganztagsschule (94,7 %) begleitet werden, für die auch in NRW keine hinlänglichen qualitativen Anforderungen bestehen, wie dies für Horte als Angebote der Jugendhilfe gelten.
Kommentar:
Aus dem Länderbericht wird insbesondere für NRW deutlich, dass nicht nur ein erheblicher Ausbaubedarf besteht, sondern dass vor allem die qualitativen Bedingungen für die Begleitung der Kinder "außerhalb des Unterrichts" deutlich verbessert werden müssen. Erstaunlich ist die Entwicklung, dass in NRW die qualitativ besser ausgestatteten Horte - auch schon durch die rot-grüne Landesregierung abgebaut und entgegen der ursprünglichen Erklärung der schwarz-gelben Landesregierung ab 2005 nicht wieder gesichert wurden, abgeschafft wurden, während in den östlichen Bundesländern sogar mit einem Ausbau von Hortangeboten eine qualitativ bessere Begleitung der Grundschulkinder gesichert wurde.
Dass in NRW die qualitativen Bedingungen für die Angebote der "offenen Ganztagsschule" grundsätzlich schlechter als das Hortangebot ausfallen musste, wurde bei der Einführung allein dadurch deutlich, zumal mit der finanziellen Substanz von 40.000 Hortplätzen 160.000 Plätze der "offenen Ganztagsschule" finanziert werden sollten.
Auf zu erwartende Unzulänglichkeiten wurde bei Einführung der offenen Ganztagsgrundschule im Jahr 2003 hingewiesen und dafür plädiert, die Zuständigkeit der Jugendhilfe, in der die qualitative Anforderungen für die Begleitung von Kindern galten, beizubehalten. Mit der Verlagerung in die Zuständigkeit der Schule wurde die Möglichkeit geschaffen, die geltenden Standards zu verlassen und das Angebot zu "verbilligen".
Im übrigen ist die finanzielle Ausstattung der offenen Ganztagsschule in NRW auch aufgrund eines im Schulministerium begangenen - und bei einer Landtagsanhörung eingeräumten - Rechenfehlers um rd. 25 % zu gering. Bei einer Referenzberechnung für eine Pauschale wurde anstelle der Brutto-Personalkosten für eine durchschnittliche Lehrerstelle von dem Nettoaufwand ausgegangen wurde. Dieser Rechenfehler besteht in NRW seit dem Jahr 2003 und bisher nicht korrigiert worden.
So wie auch im Elementarbereich des Bildungswesens die qualitativen Bedingungen und die Anzahl der Angebote unzureichend ist, haben, und dies macht der Länderreport sehr deutlich, auch Kinder im Grundschulbereich in NRW bessere Bedingungen "verdient"!
Informationen zu dem Länderreport sind ausgewiesen.
Weiterführende Links
- Informationen zum Projekt: Ländermonitoring Frühkindliche Bildungssysteme
- Zur Webseite Ländermonitor
- Ergebnisse des Länderreports Frühkindliche Bildungssysteme
- NRW-Berichtsteil
- Länderreport-Bestell-Seite
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