Lehrer- und Schülerpraktika sind zwei verschiedene Schuhe

Verfolgt man die aktuelle Debatte um das Vorhaben, Lehrerinnen und Lehrern mittels Praktika einen "Kleinen Blick ins wahre Leben" (Titel einer Leserzuschrift in der TA vom 24.05.05) zu vermitteln, werden oft zwei Dinge vermischt: Lehrer- und Schülerpraktika.

24.05.2005 Thüringen Pressemeldung GEW Thüringen

"Unbestritten, für beide Personengruppen sind solche Praxiserfahrungen in Industrie und Handwerk wichtig, aber man sollte nicht so tun, als seien die Thüringer Lehrerinnen und Lehrer weltfremde Traumtänzer", sagte der GEW Landesvorsitzende als Reaktion auf die laufende Diskussion zu Lehrerpraktika. "Durch ihren täglichen Umgang mit Schülern, ihre vielfältigen Erfahrungen und Begegnungen mit der "Praxis" bei Praktikanbetreuung, Berufsberatung, Unterstützung bei der, leider oft vergeblichen, Lehrstellensuche erfahren sie schon, was "draußen" los ist."

Betriebspraktika für Lehrer

Betriebspraktika für Lehrer sind ein sinnvoller Bestandteil der Fort- und Weiterbildung. Sie gehören deshalb auch in ein solches Gesamtkonzept. Dabei ist die klare Forderung der GEW: Betriebspraktika von Lehrern gehören zu deren Arbeitszeit und führen damit zur Verringerung der Unterrichtsverpflichtung. Als zusätzliche Aufgaben, die den Lehrer bereits jetzt zugewiesen sind und offenbar noch zugewiesen werden sollen, wie z.B. die Kassierung der Lernmittelgebühren, sind vernünftige, sinnvolle Praktika nicht drin. In diesem Zusammenhang ist auch zu klären, wie die entsprechende Freistellungen vom Unterricht zu regeln sind und wer dann diesen Unterricht übernimmt. Es dürfte doch wohl eine Illusion sein, dass die rund 24.500 Lehrerinnen und Lehrer dies alles in der Ferienzeit erledigen können. Eine Form von Lehrerpraktika könnte die Betreuung von Schülerpraktika sein. Dazu muss man den Lehrern aber auch die Zeit und die Gelegenheit geben.

Betriebe, müssen sich darüber im Klaren sein, dass es sich nicht um ein Praktikum handelt, bei dem mal ein Archiv aufgeräumt wird oder dass nun staatlich finanzierte Erntehelfer kommen. Es kann nur um solche Angebote gehen, bei denen Lehrer mit Technologien, Produktionsabläufen und wirtschaftlichen Zusammenhängen vertraut gemacht werden bzw. sich vertraut machen, die wiederum für ihre pädagogische Tätigkeit nützlich sind. "Man begeistert sich für eine Sache, wenn man deren Sinn und Nützlichkeit einsieht, nicht wenn sie in Gesetzen und Verordnungen steht. Das gilt bei diesem Thema sicher für Lehrer und Betriebe", so Röhreich weiter.

Das Bibelwort: Ich habe dir geboten, dass du getrost und freudig seist! (Josua 1,9) greift hier nicht.

Betriebspraktika für Schüler

Für die Schülerinnen und Schüler von Regelschulen, Gymnasien und Förderschulen sind sie ein entscheidender Bestandteil der Berufswahlvorbereitung, besser: Sie sollten es sein. Nicht zuletzt deshalb hat die GEW Thüringen eine "Polytechnische Regelschule" in den Mittelpunkt ihres Bildungspolitischen Programms von 2002 gestellt.
Es reicht aber nicht aus, dass Kammern und Wirtschaftsverbände nur fordern und von Unterrichtstagen im Mittelstand" reden, sie müssen handeln. Handeln heißt hier anspruchsvolle Praktikumsplätze für Schülerinnen und Schüler bereitstellen und für die Betreuung während des Praktikums zu sorgen.

Natürlich gehört aber auch in der Konsequenz die Bereitstellung von Ausbildungsplätzen dazu.
In diesem Zusammenhang sei auch daran erinnert, dass es einmal Lehrerinnen und Lehrer gab und auch noch einige gibt, die speziell für diese Art Unterricht ausgebildet wurden, die Lehrer für Polytechnik. Da aber im Namen eines ihrer Unterrichtsfächer, das Wort "sozialistische" vorkam (ESP-Einführung in die sozialistische Produktion) und man angeblich im Thüringer Schulsystem nichts Rechtes anzufangen wusste, wurden sie zu "Null-Fach-Lehrern".

Vielleicht erinnert man sich nun an sie, denn in der Bibel steht: Wer aber beharrt bis ans Ende, der wird selig werden. (Matthäus 24,13)

Ansprechpartner

GEW Thüringen

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