Schleswig-Holstein

Lehrerstellen: Ministerin macht Schluss mit Täuschen, Tricksen und Tarnen

Neue Zahlen der Bildungsministerin bestätigen ziemlich genau, was die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) schon im März 2011 vorgerechnet hatte: In Schleswig-Holstein fehlen zwischen 1600 (Ministerin) und 1835 (neue GEW-Berechnungen) Lehrerinnen und Lehrer. Das entspricht rund zwei Lehrkräften pro Schule. Leidtragende des Stellenlochs sind auf der einen Seite Kinder und Jugendliche, die nicht den eigentlich nach der Stundentafel vorgesehenen Unterricht erhalten, auf der anderen Seite Lehrkräfte, die im Schulalltag über Gebühr beansprucht werden.

16.11.2012 Pressemeldung GEW Schleswig-Holstein

"Für ihre ehrliche Eröffnungsbilanz verdient die Bildungsministerin große Anerkennung. Sie macht damit endlich Schluss mit dem jahrelangen Täuschen, Tricksen und Tarnen des Bildungsministeriums", sagte der GEW-Landesvorsitzende Matthias Heidn zu den heutigen (16.11.2012) Ausführungen von Bildungsministerin Waltraud "Wara" Wende im Landtag.

Der Gewerkschafter schob dem Lob die Aufforderung hinterher, das strukturelle Defizit Schritt für Schritt vollständig auszugleichen. Der Verzicht auf die Streichung von 750 Stellen sei richtig. Die Konsequenz aus den neuen Zahlen könne aber laut Heidn nur lauten: "Keine Stellenstreichungen im Schulbereich!".

Als Beispiele für die bisherige Verschleierung der Unterversorgung nannte der GEW-Landesvorsitzende:

  • Grundschulen: die Verlässlichkeit der Unterrichtszeiten könne oft nur durch die Zusammenlegung von Klassen gewährleistet werden, Förderunterricht sei in vielen Grundschulen gar ein Fremdwort geworden;
  • Gemeinschafts- und Regionalschulen: Differenzierungsstunden würden nicht in dem vorgesehenen Maß erteilt, weil sonst der "normale" Unterricht nicht gegeben werden könne;
  • Förderzentren: die sonderpädagogische Unterstützung der Kinder mit sonderpädagogischen Förderbedarf in den Regelschulen sei in den vergangenen Jahren immer weiter reduziert worden, mancherorts solle eine Sonderpädagogin mit nur 12 Lehrerstunden 20 Kinder in 6 verschiedenen Klassen sonderpädagogisch unterstützen;
  • Gymnasien: Immer größere Klassen; die Grenze von dreißig Schülerinnen und Schüler pro Klasse werde oft überschritten;
  • Berufliche Schulen: die Versorgungsquote mit Unterricht liegt bei unter 90 Prozent.

Matthias Heidn wies noch darauf hin, dass in den Berechnungen der GEW keine Stellen für die allseits als notwendig erachtete Verbesserung des inklusiven Unterrichts befänden. Bessere Arbeitsbedingungen für die Lehrerinnen und Lehrer seien bisher ebenfalls nicht mit einberechnet.

Ansprechpartner

GEW Schleswig-Holstein

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