Lehrerverband: "Sehr sinnvoll, aber: Das Europäische Geschichtsbuch gibt es bereits in sieben EU-Ländern, die Kultusminister haben es nur versäumt, es als Schulbuch einzuführen!"

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes (DL), Josef Kraus, nimmt nachfolgend Stellung zum Vorstoß der Bundesbildungsministerin Annette Schavan und des Schweizer Schriftstellers Adolf Muschg für ein Europäisches Geschichtsbuch:

02.03.2007 Pressemeldung Deutscher Lehrerverband (DL)

"Diese Vorstoß ist grundsätzlich zu begrüßen. Ärgerlich aber ist es, wenn die Politik in ihrer Vergesslichkeit das Rad ständig neu erfindet. Dieses Europäische Geschichtsbuch gibt es nämlich in höchster Qualität seit 1992. Es ist entstanden nach einer Initiative des Deutschen Lehrerverbandes und des Verbandes der Geschichtslehrer Deutschlands aus dem Jahr 1989. Erarbeitet wurde das 384 Seiten umfassende und für Deutschland im Klett-Verlag erschienene Buch von Historikern aus zwölf europäischen Ländern. Zugleich wurde es in Frankreich, Belgien, Griechenland, Italien, Portugal und in den Niederlanden verlegt. Wenn dieses Buch in Deutschland noch nicht zum schulischen Grundbestand gehört, dann liegt dies an den 16 Kultusministern, die diesem Buch bislang nicht den Rang eines Schulbuches zuerkannt haben. Zu diesen Kultusministern gehörte in den Jahren 1995 bis 2005 auch Frau Schavan als zuständige Ministerin in Baden-Württemberg. Hier wurde insgesamt viel verschlafen, was für die historische Grundbildung gerade auch im Zuge der EU-Ost-Erweiterung wichtig gewesen wäre.

Ein Europäisches Geschichtsbuch ist deshalb notwendig, weil die Jugend erfahren muss, dass Europa mehr ist als ein wirtschaftliches Konstrukt, und weil Europas Gesellschaften kulturell immer aufeinander bezogen waren. Leitidee könnte dabei das Bekenntnis des spanischen Philosophen Ortega y Gasset sein, dass wir zum Großteil unserer geistigen Habe Europäer, zu nur einem geringeren Teil Deutsche, Briten, Franzosen usw. sind.

Unser Geschichtsunterricht war zu lange provinziell, weil er nationalgeschichtlich, zeitgeschichtlich, geographisch und wirtschaftspolitisch verengt war. Unsere Jugend aber muss lernen, Europa, auch Osteuropa, als gemeinsames Erbe zu betrachten, als Bedingungsgröße eigener Identität zu verstehen und als Beitrag zu einer freiheitlichen Friedensordnung zu sehen."


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