Positionspapier

Gute Schulbildung durch Lehrkräfteausbildung und Elternarbeit

Die Pandemie hat nicht nur Probleme aufgezeigt, sondern auch die Chance für eine Potentialentfaltung im Bildungssystem gegeben. Neue Wege wurden beschritten, innovative Lehrmethoden wurden entwickelt und die Zusammenarbeit zwischen Lehrkräften, Schüler/innen und Eltern wurde intensiviert.

12.12.2023 Bundesweit Pressemeldung Bundeselternrat
  • Kleine Kinder spielen am Tablet. © Africa Studio - stock.adobe.com

Diese positiven Veränderungen gilt es zu erkennen und weiter zu nutzen. Es ist erforderlich, das gesamte Bildungssystem zu überdenken und zu überprüfen, um die positiven Erfahrungen aus der Pandemie dauerhaft zu integrieren. Dies umfasst sowohl die Lehrkräfteausbildung als auch die stärkere Einbindung der Eltern in die Bildungsarbeit. Ziel ist es, eine ganzheitliche, zukunftsorientierte Bildung zu gewährleisten, die den Bedürfnissen der Schüler/innen gerecht wird.

Wir sind überzeugt davon, dass einige der während der Pandemie eingeführten Veränderungen positiv zu bewerten sind und daher auch über die Pandemie hinaus beibehalten werden sollten. Dazu gehören unter anderem innovative Lehr- und Lernmethoden sowie eine verstärkte Einbindung der Eltern in den Bildungsprozess ihrer Kinder.

Förderung von psychosozialen Unterstützungsmaßnahmen im Schulalltag:

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Fachausschusses Förderschulen im Bundeselternrat erkennen an, dass psychosoziale Unterstützung im Schulalltag eine grundlegende Notwendigkeit für Schülerinnen und Schüler mit und ohne sonderpädagogischem Förderbedarf darstellt. Insbesondere in Zeiten der Pandemie haben wir beobachtet, wie die psychosozialen Belastungen für alle Schüler/innen zugenommen haben.

  1. Bereitstellung von Fachkräften: Der Fachausschuss fordert die verstärkte Anstellung von qualifizierten Schulpsychologen und Sozialarbeitern an Förderschulen. Diese Fachkräfte sollen regelmäßige psychosoziale Unterstützung für Schülerinnen und Schüler mit besonderen Bedürfnissen bieten und als Ansprechpartner für Lehrkräfte, Eltern und Schüler dienen.
  2. Sensibilisierung und Schulung: Es ist notwendig, Lehrkräfte und Schulpersonal im Umgang mit psychosozialen Belastungen und mentalen Gesundheitsproblemen zu sensibilisieren und zu schulen. Durch gezielte Fortbildungsmaßnahmen sollen sie in der Lage sein, frühzeitig Anzeichen von psychosozialen Herausforderungen zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren.
  3. Schaffung eines ganzheitlichen Unterstützungsnetzwerks: Der Fachausschuss plädiert für die Entwicklung eines ganzheitlichen Unterstützungsnetzwerks, das neben Schulpsychologen und Sozialarbeitern auch Therapeuten, Beratungsstellen und andere externe Fachkräfte einschließt. Diese sollen eng mit den Schulen zusammenarbeiten, um Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf die bestmögliche psychosoziale Unterstützung zu bieten.

Diese Position unterstreicht die Bedeutung einer umfassenden psychosozialen Unterstützung im schulischen Umfeld und appelliert an Bildungsträger, Schulen und politische Entscheidungsträger, die notwendigen Ressourcen bereitzustellen, um sicherzustellen, dass Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf eine unterstützende und inklusive Lernumgebung erfahren.

Inklusive Lehrerausbildung für eine vielfältige und chancengerechte Bildung:

In Anbetracht der steigenden Diversität in unseren Bildungseinrichtungen und der wachsenden Zahl von Schülerinnen und Schülern mit unterschiedlichen Bedürfnissen ist es von entscheidender Bedeutung, dass zukünftige Lehrkräfte angemessen auf diese Vielfalt vorbereitet werden.

  1. Integrative Lehrpläne und Curriculumgestaltung: Wir fordern die Integration von inklusiven Lehrplänen und praxisorientierten Lehrmethoden in die Ausbildungsprogramme für angehende Lehrkräfte. Diese Lehrpläne sollten die verschiedenen Aspekte inklusiver Bildung umfassen, einschließlich differenzierter Unterrichtsstrategien, Unterstützung für Schülerinnen und Schüler mit besonderen Bedürfnissen und die Förderung einer positiven Lernumgebung für alle.
  2. Praxisorientierte Ausbildung und Hospitation: Es ist von entscheidender Bedeutung, dass angehende Lehrkräfte während ihrer Ausbildung praktische Erfahrungen in inklusiven Klassen sammeln. Dazu gehören verpflichtende Hospitationen an inklusiven Schulen und die Möglichkeit, unter Anleitung erfahrener Lehrkräfte zu unterrichten. Dies ermöglicht den Studierenden einen realistischen Einblick in die Herausforderungen und Chancen inklusiver Bildung.
  3. Sensibilisierung und Empathietraining: Die Lehrerausbildung sollte verpflichtende Schulungen zur Sensibilisierung und zum Empathietraining für angehende Lehrkräfte umfassen. Dies umfasst Themen wie Vielfalt, Diskriminierungsfreiheit, Inklusion und den angemessenen Umgang mit unterschiedlichen kulturellen und sozialen Hintergründen der Schülerinnen und Schüler.
  4. Kontinuierliche Fortbildung für erfahrene Lehrkräfte: Die inklusive Lehrerausbildung sollte nicht mit dem Abschluss enden, sondern sich kontinuierlich durch Fortbildungsprogramme für bereits im Beruf stehende Lehrkräfte fortsetzen. Diese Fortbildungen sollten neueste Erkenntnisse und bewährte Praktiken im Bereich der inklusiven Bildung vermitteln und den Lehrkräften helfen, ihre Fähigkeiten ständig zu verbessern.
  5. Forschungsförderung und Datenerhebung: Wir appellieren an Bildungsbehörden und Forschungseinrichtungen, verstärkt in Forschungsprojekte zu investieren, die sich mit inklusiver Bildung und der Wirksamkeit inklusiver Lehrerausbildung befassen. Durch fundierte Erkenntnisse können Lehrerausbildungsprogramme kontinuierlich verbessert und den sich verändernden Anforderungen angepasst werden.

Diese Position betont die Notwendigkeit einer umfassenden, inklusiven Lehrerausbildung und fordert Bildungseinrichtungen, politische Entscheidungsträger und Bildungsbehörden auf, die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, um sicherzustellen, dass zukünftige Lehrkräfte für die Herausforderungen und Chancen inklusiver Bildung angemessen vorbereitet sind.

Stärkung der Zusammenarbeit zwischen Eltern, Lehrkräften und Schulen für eine ganzheitliche Bildung

Um die Bildungschancen zu verbessern und eine inklusive Lernumgebung zu fördern, ist eine verstärkte Elternbeteiligung von entscheidender Bedeutung. Die effektive Einbindung von Eltern erfordert einen ganzheitlichen Ansatz, der die Bedürfnisse und Erwartungen der Eltern berücksichtigt und eine offene, unterstützende Kommunikation zwischen allen Beteiligten fördert.

Informationsaustausch zwischen Schulen und Eltern. Schulen sollten Eltern frühzeitig über schulische Entwicklungen, Veranstaltungen und Bildungsziele informieren, um eine kontinuierliche Zusammenarbeit zu gewährleisten.

  1. Schulungen und Workshops für Eltern: Wir befürworten die Bereitstellung von Schulungen und Workshops für Eltern, um ihre Fähigkeiten im Umgang mit schulischen Herausforderungen zu stärken. Diese Schulungen sollten Themen wie Bildungspolitik, unterstützendes Lernen zu Hause und den Umgang mit schulischen Konflikten abdecken.
  2. Kultursensible Kommunikation: Schulen sollten sicherstellen, dass ihre Kommunikation kultursensibel ist und die Vielfalt der Elternschaft berücksichtigt. Dies kann bedeuten, Informationen in verschiedenen Sprachen bereitzustellen oder kulturelle Sensibilitätsschulungen für Lehrkräfte und Schulpersonal anzubieten.
  3. Förderung von Eltern-Lehrer-Kooperationen: Wir appellieren an Schulen und Bildungsbehörden, Programme zu entwickeln, die die Zusammenarbeit zwischen Eltern und Lehrkräften fördern. Regelmäßige Eltern-Lehrer-Treffen, individuelle Gespräche und gemeinsame Veranstaltungen können den Austausch fördern und das Verständnis füreinander vertiefen.
  4. Wertschätzung und Anerkennung der Elternarbeit: Wir betonen die Wichtigkeit der Wertschätzung und Anerkennung der ehrenamtlichen Arbeit von Eltern in Schulen. Schulen sollten die engagierte Mitarbeit der Eltern würdigen und Möglichkeiten schaffen, ihre Beiträge und Ideen aktiv in den schulischen Alltag einzubringen.
  5. Nutzung von Technologie: Schulen könnten Online-Plattformen oder Apps nutzen, um die Kommunikation zwischen Lehrkräften und Eltern zu erleichtern. Durch regelmäßige Updates, E-Mail-Benachrichtigungen oder Online-Sprechstunden können Eltern leichter in Kontakt mit Lehrkräften treten.

Diese Position fordert Schulen, Bildungsbehörden und politische Entscheidungsträger auf, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um eine stärkere Elternbeteiligung zu fördern. Durch eine enge Zusammenarbeit zwischen Eltern, Lehrkräften und Schulen können wir eine unterstützende Bildungsumgebung schaffen, die die individuellen Bedürfnisse aller Schülerinnen und Schüler besser erfüllt und ihre Bildungschancen maximiert.

Diese Resolution dient als Ausdruck unseres Engagements für eine inklusive und zukunftsorientierte Bildung. Wir sind bereit, mit Bildungseinrichtungen, politischen Entscheidungsträgern und der Gesellschaft als Ganzes zusammenzuarbeiten, um diese Forderungen umzusetzen und eine Bildungslandschaft zu schaffen, die allen Schülerinnen und Schülern gerecht wird.

Ansprechpartner

Bundeselternrat

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