Lehrkräftemangel wirklich beendet? „Wer Bedarf weg kürzt, löst das Problem nicht!“
Die Hamburger Schulbehörde erklärt den Lehrkräftemangel für beendet und verweist auf sinkende Schüler:innenzahlen. Natürlich beeinflusst die Zahl der Schüler:innen, wie viele Lehrkräfte Hamburg braucht. Sie ist aber nur ein Teil der Rechnung.
06.10.2026 Hamburg Pressemeldung GEW HamburgWie hoch der Personalbedarf ist, hängt auch davon ab, von welchen Klassengrößen bei der Berechnung der Personalausstattung ausgegangen wird.
Genau deshalb ist die Erfolgsmeldung fragwürdig. Denn durch die Erhöhung der Klassengrößen (Basisfrequenzen) bekommt allein ein durchschnittlich vierzügiges Gymnasium 2,5 Lehrkräftestellen weniger zugewiesen. Das macht bei den 66 Gymnasien insgesamt eine Einsparung von ca. 165 Stellen aus.
Wer den Personalbedarf senkt, hat damit noch keinen Lehrkräftemangel behoben. Die Arbeitszeit- und Belastungsstudie zeigte Ende 2025 allein an den Gymnasien und Stadtteilschulen einen Mehrbedarf von 350 Vollzeitstellen, um die geleistete Mehrarbeit und die regelhaften Überschreitungen der Wochenhöchstarbeitszeit auszugleichen. Der Einstellungsbedarf wird nicht aufgrund der demografischen Entwicklung gesenkt, sondern weil Lehrkräfte durch die größeren Klassen und die Erhöhung der Arbeitszeit noch mehr arbeiten müssen, um die Bedarfe zu decken und den Schüler*innen eine gute Bildung zu bieten.
„Jahrelang wurde um Lehrkräfte geworben, doch jetzt werden sie sogar weggebeten. In Hamburg stehen gut ausgebildete Lehrkräfte vor verschlossenen Schultüren. Den im System verbleibenden Lehrkräften werden weitere Belastungen und Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen auferlegt. Wer aufgrund von sinkenden Schüler:innenzahlen so radikal handelt, betreibt kurzsichtige Sparpolitik auf deren Rücken und verspielt zugleich das Potential für eine zukunftsfähige Bildung. Die entscheidende Frage ist nicht, wie wenige Lehrkräfte Hamburg künftig einstellen muss, sondern wie viel Personal für gute Bildung und gute Arbeitsbedingungen benötigt wird. Sinkende Schüler:innenzahlen sollten für bessere Bildung und Entlastung genutzt werden – nicht für Kürzungen“, so Yvonne Heimbüchel, stellvertretende Vorsitzende der GEW Hamburg.
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