Lernst du nur oder denkst du schon?

(bikl/hf) Wie aus Wissen Bildung wird – das versuchte eine Podiumsrunde auf der Bildungsmesse didacta 2007 in Köln zu erörtern. Gaby Miketta, Chefredakteurin von Focus-Schule, moderierte die Expertenrunde. Mit von der Partie waren Prof. Dr. Stefan Aufenanger, Medienpädagoge an der Universität Mainz; Heinz-Wilhelm Brockmann vom Niedersächsischen Kultusministerium; Prof. Dr. Martin Korte, Hirnforscher am Zoologischen Institut der TU Braunschweig und Swantje Rosenboom-Lehmann, von Microsoft Deutschland.

28.02.2007 Artikel

"Schule muss Lernen lernen", fordert Prof. Stefan Aufenanger. Dass Schule nicht nur Aufgaben der Wissensvermittlung wahrzunehmen hat, sondern mit der Bildung von Personen und Persönlichkeiten konfrontiert ist, darin war sich die Expertenrunde einig. In diesem Spannungsfeld gingen die Einschätzungen dann aber schon auseinander. Welchen Stellenwert haben etwa die neuen Medien in der heutigen Bildungslandschaft? "Schule muss wahrnehmen", fordert Swantje Rosenboom-Lehmann, "was Kinder nutzen – auch Handy und Gewalt gehören zu diesem Thema". Und Aufenanger verlangt radikal: "Probleme, die es in der Schule gibt, muss Schule auch lösen." Während Heinz-Wilhelm Brockmann vom niedersächsischen Kultusministerium einige Erziehungs-Verantwortung doch auch den Eltern abgeben möchte.

Trotz Stimmen aus dem Publikum, den Einsatz von Computern in der Schule etwas zu drosseln, erinnerte Prof. Martin Korte an das Verbot von Alkohol für Jugendliche in den USA – in Deutschland wären die 18jährigen viel reifer und souveräner im Umgang mit Alkohol, weil sie sich mit dem Problem auseinander setzen müssen und nicht davon ferngehalten werden.

Entsprechend verlangt er eine Beschäftigung mit Neuen Medien auch an Schulen. Was muss in den nächsten fünf Jahren im deutschen Bildungssystem geschehen, welche dringlichen Veränderungen stehen an? Heinz-Wilhelm Brockmann möchte "eine Form des individuellen Förderns aller Altersstufen" entwickeln. Stefan Aufenanger möchte "das dreigliedrige Schulsystem abschaffen" und forderte einen Gesamtbildungsplan für Kinder ab drei Jahren. Martin Korte schloss sich dem an und fordert einen solchen Plan. Und Swantje Rosenboom-Lehmann erinnerte an Problemschulen, sie schätzte den Anteil perspektivloser, teilweise gewaltbereiter Kinder auf ein gutes Drittel und forderte den Bildungsauftrag in eben diesen Problemkreisen ein. Eine große Aufgabe für Kultusbehörden und Schulen.


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