G8 Bayern

Mehr als 43% der bayerischen Schüler erwerben das Abitur nicht am Gymnasium - und das ist auch gut so!

Ein gezielt eingerichtetes Brückenjahr am Gymnasium für bestimmte Schüler kann durchaus ein Mehr an Flexibilität bedeuten und ist mit dem Ziel der individuellen Förderung in besonderen Fällen auch sinnvoll, z. B. in Form einer Einführungsklasse pro Landkreis. Realschullehrerverbandsvorsitzender Anton Huber gibt jedoch zu bedenken, dass mit der Forderung nach einem Brückenjahr als G9-Brückenpfeiler erneut an den Strukturen des Gymnasiums herumgebastelt werde, statt endlich Ruhe an den Schulen einkehren zu lassen.

09.03.2012 Pressemeldung Verband Reale Bildung

Huber: "Bei der Diskussion um die Einführung eines Brückenjahres sollte auch bedacht und aufgezeigt werden, welche anderen Möglichkeiten bestehen – abgesehen vom Gymnasium – sehr erfolgreich zum Abitur zu kommen."

"Für viele Kinder und Jugendliche", meint Huber, "ist zum Beispiel der Weg über die Realschule und im Anschluss daran an die Fachoberschule, die richtige Entscheidung. Dieser alternative Weg zum Abitur berücksichtigt das individuelle Lerntempo, die schulische und berufliche Orientierung und bietet Kindern mit Migrationshintergrund die Chance, innerhalb von neun Jahren sehr erfolgversprechend die Hochschulreife zu erwerben und sich auf ein mögliches Studium vorzubereiten."

Huber betont: "Wir müssen die Gesellschaft, insbesondere Eltern von Grundschülern, noch besser darüber informieren, dass es in Bayern vielfältige Möglichkeiten gibt, das Abitur zu erreichen – ohne am Gymnasium eine Jahr Zusatzförderung in Anspruch nehmen zu müssen. Mehr als 43 % der Schülerinnen und Schüler erreichen die Hochschulreife eben nicht über das Gymnasium – und das ist auch gut so. Für viele Schüler ist das Konzept anderer Schularten die bessere Entscheidung, weil gerade Mittelschule oder Realschule auf die individuellen Entwicklungsmöglichkeiten eines Kindes, wie z. B. das Lerntempo oder ein schwierigeres familiäres Umfeld oder aber auch ein anderes Begabungsspektrum, Rücksicht nehmen. Die Vielfältigkeit der Bildungsangebote braucht mit dem Ziel hoher Durchlässigkeit Brückenangebote. Diese dürfen jedoch nicht für einen Systemwechsel zum G9 sozusagen als G9-Schwarzbau missverstanden werden. Bayern bietet seinen Kindern vielfältige Möglichkeiten, zum Abitur zu kommen – auch jenseits des Gymnasiums – und das sollte so auch in aller Deutlichkeit und mit Selbstbewusstsein in der Öffentlichkeit vertreten werden. Und weiterhin gilt: Der Mensch beginnt nicht erst beim Abitur!".

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