Wissenschaftler fordern

Mehr Europa in der Schule

(red/idw) Aktuell steht Europa verstärkt im Fokus der Medien, schließlich wird gegenwärtig nach einer Lösung für die Eurokrise gesucht. In den deutschen Klassenzimmern gibt es dagegen wenig Information zu Europa und der EU.

06.06.2012 Artikel

Europabezogene Gegenstände sind in den Lehrplänen der verschiedenen Schularten weit über den sozialkundlichen Unterricht hinaus breit verankert. Für seine Bearbeitung im Unterrichtsalltag steht eine beinahe unüberschaubare Menge an Unterrichtsmaterialien zur Verfügung und an Informationen für Lehrkräfte besteht ebenfalls kein Mangel. Trotzdem sei Europa sowohl bei Lehrern als auch bei Schülern laut wissenschaftlicher Untersuchungen ein ungeliebtes Thema und werde gern bei der Unterrichtsplanung außen vor gelassen, erklärt Prof. Dr. Helmar Schöne von der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd

Jetzt haben sich unter der Leitung von Prof. Dr. Stefan Immerfall und Prof. Dr. Helmar Schöne Referenten aus ganz Deutschland an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd im Rahmen eines Workshops gefragt, warum Europa in den Schulen nicht ankommt.

"Scheinbar scheuen sich Lehrern dieses Thema zu unterrichten, da die Zusammenhänge oftmals komplex und schwierig zu erfassen sind und sie selbst oft nicht ausreichend informiert sind. Eine Ursache dafür ist, dass Lehrern Gemeinschaftskunde oft fachfremd unterrichten und nicht dafür ausgebildet sind", so Helmar Schöne. Werde Europa und die EU dann doch zum Unterrichtsthema, stehe meistens das institutionenkundliche Lernen im Vordergrund – eine für die Schülern sehr trockene Art des Lernens. Das erleichtere ihnen nicht unbedingt den Zugang zu Europa.

Während des Workshops haben die Referenten jedoch deutlich aufgezeigt, dass es interessante Angebote gibt, mit denen Lehrer das Interesse der Schüler für Europa wecken können. Ein interkultureller Austausch mit Partnerschulen, verschiedene Projekte, Planspiele oder Exkursionen lockern den Unterricht auf, motivieren Schüler und vermitteln politische Zusammenhänge lebensnah. Alfons Scholten, Lehrer am Theodor- Fliedner-Gymnasium in Düsseldorf, bestätigt: "Meine Schüler fühlen sich nach dem Austausch mit Schülern unserer Partnerschulen in Polen und den Niederlanden als Europäer". Deswegen plant Alfons Scholten auch schon das nächste Comeniusprojekt. Diesmal soll die EU im Mittelpunkt stehen, damit sich die Schüler stärker damit auseinander setzten können.

Wenn Schüler sich im Unterricht mit dem Thema Europa befassen, setzen sie damit nachhaltig einen Grundstein für ihre weitere politische Teilhabe als Bürger in der EU, weiß Prof. Dr. Monika Oberle von der Universität Göttingen: "Wer sich in der Schule mit Europa beschäftigt hat, weiß auch als Erwachsener besser Bescheid und setzt sich mit Politik auseinander." Erwachsene greifen nachhaltig auf politisches Wissen aus dem Schulunterricht zurück. Was Schüler im Unterricht über Europa und die EU lernen, hat damit einen Einfluss darauf, ob und wie sie als Erwachsene ihre Bürgerrechte in der EU wahrnehmen und nutzen.

Wichtig seien jedoch auch Angebote für Lehrer, die ihnen helfen, sich besser in das Thema einzuarbeiten und sich so ein fundiertes Wissen über Europa aneignen zu können. Denn werde ein Thema durch Lehrer interessant und lebhaft vermittelt, steige auch das Interesse bei den Schülern. t Europa und die EU ist zum Beispiel fester Bestandteil der Lehrer-Ausbildung in der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd. "Leider ist das in Deutschland nicht überall der Fall", berichtet Monika Oberle.

Mit dem Workshop startete die Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd das Projekt "EU unterrichten: Wissensbestände sichern, Schulpraxis reflektieren, Verständnis wecken", in dem Europa und die EU verstärkt als Thema in der Lehrer-Ausbildung und -Fortbildung eingebunden werden soll, auch über Schwäbisch Gmünd hinaus. Das Projekt wird über ein Jahr durch das Jean-Monnet-Programm "Learning EU at school" der Europäischen Kommission gefördert.


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