Neue Meldestelle für Lehrkräfte? VLWN warnt vor Kultur des Misstrauens
Der niedersächsische Landeselternrat und der Landesschülerrat fordern die Einrichtung einer unabhängigen, niedrigschwelligen Meldestelle, über die Schüler:innen und Eltern Fehlverhalten von Lehrkräften melden können. Der Verband der Lehrkräfte an Wirtschaftsschulen in Niedersachsen (VLWN) sieht diese Forderung mit großer Skepsis.
10.08.2026 Niedersachsen Pressemeldung Verband der Lehrerinnen und Lehrer an Wirtschaftsschulen Landesverband NiedersachsenDer Verband weist darauf hin, dass in Niedersachsen bereits funktionierende Meldewege bestehen. Über die Anlauf- und Antidiskriminierungsstellen der Regionalen Landesämter für Schule und Bildung steht Schülerinnen, Schülern und Eltern schon heute eine vertrauliche, kostenfreie und auf Wunsch anonyme Beratung durch Psychologinnen und Psychologen zur Verfügung. Hinzu kommen Vertrauenslehrkräfte und Schulleitungen, die an jeder Schule vor Ort ansprechbar sind. Aus Sicht des VLWN schafft eine weitere zusätzliche Stelle keinen echten Mehrwert, sondern vor allem zusätzliche Bürokratie.
Der Verband verweist zudem darauf, dass die geäußerte Kritik, die bestehenden Angebote seien zu wenig bekannt und der Zugang zu kompliziert, aus unserer Sicht eher ein Kommunikationsproblem als ein strukturelles Defizit ist. Wenn Schülerinnen und Schüler die bestehenden Anlaufstellen nicht kennen, müsse man sie besser bekannt machen; eine zusätzliche neue Stelle daneben sei dafür nicht zwingend nötig.
Besonders kritisch bewertet der Verband den Zeitpunkt der Debatte. Lehrkräfte stehen ohnehin schon seit Monaten im Zentrum einer öffentlichen Diskussion, z. B. um das Berufsbeamtentum, in der Kolleginnen und Kollegen zunehmend frustriert sind und immer häufiger über einen Ausstieg aus dem Beruf nachdenken. Aus Sicht des VLWN sendet die Einrichtung einer weiteren Meldestelle in dieser Situation das falsche Signal an einen ganzen Berufsstand: grundsätzliches Misstrauen statt Anerkennung für die tägliche Arbeit an den Schulen.
Der VLWN betont ausdrücklich, dass Fehlverhalten von Lehrkräften – von verbalen Grenzüberschreitungen bis hin zu schwerwiegenden Übergriffen – niemals verharmlost oder gedeckt werden darf und jeder Einzelfall konsequent aufgeklärt werden muss. Einzelfälle dürften jedoch nicht dazu führen, dass die weit überwiegende Mehrheit engagierter und verantwortungsbewusster Lehrkräfte unter einen Generalverdacht gestellt wird. Dies schade dem Vertrauensverhältnis zwischen Lehrkräften, Schülerinnen, Schülern, Eltern und Betrieben nachhaltig, und damit am Ende auch der Qualität des Unterrichts.
Der VLWN spricht sich zusammenfassend dafür aus, die bestehenden Strukturen zu stärken und bekannter zu machen, statt neue Parallelstrukturen zu schaffen.
Ansprechpartner
Verband der Lehrerinnen und Lehrer an Wirtschaftsschulen Landesverband Niedersachsen- LER und LSR Niedersachsen fordern unabhängige Meldestelle
- Niedersachsen: Schulen entwickeln Perspektiven für die Schulentwicklung
- Die Kraft – oder das Verschwinden des Lehrers
Keine Kommentare vorhanden