Bayern

Messlattenpädagogik macht Schule nicht besser

Der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, hat die am Wochenende bekannt gewordenen Pläne des Kultusministerium zur Einführung einer "Individuellen Lernzeit am Gymnasium" kritisiert: "Sie zeigen, wie aktionistisch das Kultusministerium agiert und wie zielsicher die wesentlichen Fragen ausgeklammert werden." Er forderte durchdachte Reformen, die dazu führen, dass Kinder und Jugendliche wieder in Ruhe anspruchsvolle Bildungsprozesse durchlaufen dürfen. "Schüler, Lehrer und Eltern brauchen mehr Muße. Monitorings und Messlattenpädagogik machen Schule nicht besser", sagte er heute in München. Zielführender wäre eine ehrliche Bestandsaufnahme der Probleme. Nun würden aber wieder in einem Landtagswahlkampf Tatsachen geschaffen, die zu Lasten der Lehrer und der Schüler gingen.

11.03.2013 Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.

Wenzel bezeichnete dies als "keine sinnvolle Reformpolitik." Stattdessen würden mit Schnellschüssen das Wohl einer ganzen Schülergeneration und das Wohl der Lehrerschaft aufs Spiel gesetzt. "Es geht hier um junge Menschen und es geht um eine Berufsgruppe, die mit Idealismus und Leidenschaft angetreten ist, um junge Menschen bestmöglich zu erziehen und auszubilden. Seit Jahren können sie nicht vernünftig arbeiten, sondern sehen sich der Flickschusterei eines überforderten Ministeriums ausgeliefert, das es geschafft hat, Lehrerinnen und Lehrer einer traditionsreichen und erfolgreichen Schulart binnen weniger Jahre zu verunsichern."

Aus Sicht des BLLV muss der dem Gymnasium zugrundeliegende Bildungsbegriff neu definiert und ein neues Lern- und Leistungsverständnis etabliert werden. "Es begreift die wachsende Heterogenität der Schülerschaft als Chance und lässt ein neues Bewertungssystem zu. Ins Zentrum rücken Diagnose- und Fördermöglichkeiten. Lernen wird als individueller Prozess verstanden, bei dem es um die Erarbeitung von Kompetenzen geht. Das Erstellen von Förderplänen sowie deren regelmäßige Evaluation werden selbstverständlich, ebenso fest integrierte Fördermaßnahmen." Der BLLV-Präsident bedauerte, dass sich das Kultusministerium erneut verweigere, sich notweniger und überfälliger Reformen zu stellen. Mit "Frühwarnsystemen" und einem "Flexibilisierungsjahr" würden mehr Probleme geschaffen als gelöst. Sämtliche Änderungen verfolgten offenbar nur ein Ziel: "Im Wesentlichen alles so zu belassen, wie es ist." Das bayerische Gymnasium gerate deshalb mehr und mehr in die Krise.


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