Minister Zöllner: Gute Lehrer sind fachwissenschaftlich kompetent und pädagogisch qualifiziert

Als erstes Bundesland hat Rheinland-Pfalz so genannte Curriculare Standards für die Lehrerbildung in allen fachwissenschaftlichen und bildungswissenschaftlichen Studienbereichen entworfen.

08.12.2005 Rheinland-Pfalz Pressemeldung Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung, Forschung und Kultur, Rheinland-Pfalz (bis 11/06)

Sie beschreiben, welche Kompetenzen die angehenden Lehrerinnen und Lehrer in die Schule mitbringen müssen und was das Lehrerausbildungssystem hierfür leisten soll.

"Die Qualifikationen, die für einen guten Unterricht tatsächlich hilfreich sind und deren Beherrschung wir von allen Lehrkräften erwarten, bestimmen die Ausbildung. Auf diese Qualifikationen sollen sich Eltern, Schülerinnen und Schüler sowie Schulbehörden verlassen können", sagte Professor Dr. E. Jürgen Zöllner, Minister für Wissenschaft, Weiterbildung, Forschung und Kultur, bei einer Fachtagung, die sein Ministerium heute gemeinsam mit dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft im Campus Koblenz der Universität Koblenz-Landau veranstaltete.

Unter der Überschrift "Was müssen Lehrer können - was sollen Lehrer lernen?" diskutierten Fachleute einen Tag lang über den Systemwechsel in der Lehrerbildung und über die Entwicklung der Curricularen Standards in den Bildungs- und Fachwissenschaften.

Dass kein Zweifel an der Notwendigkeit einer Reform der Ausbildung künftiger Lehrerinnen und Lehrer bestehen könne, unterstrich Wissenschaftsminister Zöllner mit Nachdruck. Lehrerbildung sei in Rheinland-Pfalz derzeit keineswegs schlechter als in anderen Ländern, aber ein grundlegender Reformbedarf könne weder im Land noch bundesweit verneint werden. Erfahrungsberichte von "Praktikern" in Hochschule, Wirtschaft oder Schule würden dies ebenso ausweisen wie Forderungen von Eltern und wissenschaftliche Analysen und Empfehlungen. Rheinland-Pfalz habe deshalb mit einem ambitionierten Programm die bundesweite Schrittmacher-Rolle in dieser Reform-Frage übernommen.

"Lehrerbildung ist kein Selbstzweck, genauso wenig ist sie das Hobby von Professoren, Lehrkräften oder Ministerialbeamten. Lehrerbildung dient nur einem Zweck: Dem guten Unterricht, also dem, was den Schülerinnen und Schülern am besten gerecht wird, um sie optimal zu fördern und zu fordern, zu erziehen und auszubilden", lautet dabei Zöllners Credo.

Der Erarbeitung eines pädagogischen Profils, also der Curricularen Standards, fällt für ihn dabei eine Schlüsselrolle zu. Eine gute Lehrkraft zeichne nämlich nicht nur ihre fachwissenschaftliche Qualifikation aus, sondern vor allem auch ihre Fähigkeit, den Unterrichtsstoff gut vermitteln zu können. "Durch die Intensivierung der Bildungswissenschaften und der Fachdidaktiken zielen wir darauf, dass eine gute Fachwissenschaftlerin beziehungsweise Fachwissenschaftler noch lange keine gute Lehrkraft sein muss. Es kommt auf beides an: Auf die Fachwissenschaften und auf die Vermittlungswissenschaften - und vor allem auch auf die Freude und auf das Interesse an der Berufstätigkeit in der Schule, am Umgang mit Schülerinnen und Schülern", sagte Zöllner in Koblenz.

Unter der Leitung des renommierten Bildungswissenschaftlers Professor Dr. Jürgen Oelkers von der Universität Zürich habe eine Arbeitsgruppe bereits im April des vergangenen Jahres Curriculare Standards für die Bildungswissenschaften vorgelegt. Bildungswissenschaften sind fester Bestandteil jedes Lehramtsstudiums. Sie führen verschiedene Disziplinen zusammen, die sich mit Bildungs- und Erziehungsprozessen befassen, beispielsweise Pädagogik, Psychologie und Soziologie.

Inzwischen hätten die rund 300 Fachleute im Land, die aktiv an der Reform der Lehrerbildung arbeiteten, ihre Empfehlungen für Curriculare Standards in allen Schulfächern und Schularten vorgelegt. Eine Leistung, die dem Minister Respekt abnötigte: "Wir sind somit punktgenau in unserem Zeitplan geblieben, der uns ursprünglich selbst als sehr ehrgeizig erschienen ist. Erinnern Sie sich nur daran, wie lange in früheren Zeiten um Anhänge zu Prüfungsordnungen und Studienordnungen gerungen wurde."

In den Arbeitsgruppen hätten Vertreterinnen und Vertreter der Universitäten, der Studienseminare, der Schulen und der beiden beteiligten Ministerien für Wissenschaft und für Bildung äußerst produktiv und kollegial zusammengearbeitet. "Dieses Höchstmaß an Miteinander stimmt mich in besonderem Maße zuversichtlich für das, was wir zukünftig in der Lehrerbildung gemeinsam im Sinne von Verzahnung erreichen wollen. Wir wollen das Nebeneinander innerhalb des Lehrerausbildungssystems in ein aktives Miteinander verwandeln", erklärte der Minister.

Mit der Vorlage aller Empfehlungen für Curriculare Standards habe der Reformprozess eine entscheidende Stufte erreicht. Der Umsetzungsprozess könne im Rahmen der zeitlichen Planung konsequent weiter vorangetrieben werden. Dies sei das Ergebnis einer beeindruckenden Gemeinschaftsleistung, resümierte Zöllner.


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