Nordrhein-Westfalen

Ministerin Löhrmann: Dynamische Schulentwicklung durch Politik der Ermöglichung

Rede der Ministerin für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen, Sylvia Löhrmann auf der Schuljahresauftaktpressekonferenz am Freitag, 30. August 2013 / Es gilt das gesprochene Wort!

30.08.2013 Pressemeldung Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen

Schulentwicklung braucht klare Ziele, geordnete Verfahren und Zeit. Schulen lassen sich nicht auf Knopfdruck verändern. Nach diesen Grundsätzen arbeiten wir, und dabei setzen wir auf eine breite Beteiligung aller am Schulleben Mitwirkenden.

Unser Ziel ist eine leistungsstarke und gerechte Schule, in der alle Schülerinnen und Schüler bestmöglich gefördert werden und ihre Potenziale voll entfalten können. Es geht darum, die Abhängigkeit des Bildungserfolgs von der sozialen Herkunft weiter zu verringern. Wir wollen mehr Schülerinnen und Schüler zu besseren Abschlüssen der Sekundarstufen I und II führen.

Das neue Schuljahr zeigt, dass sich die nach der Bildungskonferenz und dem Schulkonsens beschlossenen Reformen verstetigen. Pragmatismus ist an die Stelle von Ideologie getreten. Eine Politik der Ermöglichung hat vor Ort eine innovative Schulentwicklung in Gang gesetzt.

Bevor ich ins Detail gehe, möchte ich Ihnen zum Schulanfang einige wesentliche Daten kurz vorstellen. Sie kennen das aus den vergangenen Jahren. Das übliche Datenmaterial finden Sie in Ihren Unterlagen.

Schülerzahl sinkt erneut: Demografische Entwicklung wird sich fortsetzen

Die Zahl der Schülerinnen und Schüler an öffentlichen Schulen und privaten Ersatzschulen wird auch im kommenden Schuljahr erneut sinken. Nach unserer Prognose geht die Zahl der Schülerinnen und Schüler um 2,6 Prozent auf rund 2,6 Millionen zurück. Das sind 69.000 Schülerinnen und Schüler weniger als im Schuljahr 2012/13. Diese demografische Entwicklung wird sich in den kommenden Jahren fortsetzen. Die Zahl der I-Dötzchen liegt in etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Laut Prognose werden an den Grundschulen etwa 151.000 Kinder eingeschult.

Es gibt keine nennenswerten Abweichungen bei der Zahl der durchschnittlichen Klassengrößen und der Zahl der Wiederholerinnen und Wiederholer. Die Übergangsquoten in den 5. Jahrgang haben sich wie folgt entwickelt. Bei Gymnasien, Gesamtschulen, Sekundar- und Gemeinschaftsschulen gab es einen Anstieg, bei Haupt- und Realschulen gab es einen Rückgang.

Auf hohem Niveau: Etwa 5.400 Lehrereinstellungen in diesem Jahr

Das Land Nordrhein-Westfalen ist für Lehrerinnen und Lehrer nach wie vor ein attraktiver Arbeitgeber. Bisher konnten in diesem Jahr mehr als 5.400 Lehrerinnen und Lehrer in den Schuldienst eingestellt werden. Lediglich 217 Stellen konnten zum jetzigen Zeitpunkt nach Abschluss des Bewerbungsverfahrens noch nicht besetzt werden. Bei einer Gesamtstellenzahl von 153.761 Lehrerstellen liegt die Quote der unbesetzten Stellen im Einstellungsverfahren damit bei 0,14 Prozent. Das ist ein herausragend guter Wert. Mein Dank richtet sich an alle Beteiligten in den Behörden und Schulen, die zu diesem Ergebnis beigetragen haben.

Erwartungen übertroffen: 155 neue Schulen des längeren gemeinsamen Lernens in nur drei Jahren

Vor zwei Jahren haben SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU in NordrheinWestfalen eine Zeitenwende in der Schulpolitik eingeläutet. Der Schulkonsens vom 19. Juli 2011 hat hierzulande eine außerordentlich dynamische und nachhaltige Schulentwicklung in Gang gesetzt. Heute, zwei Jahre später, können wir feststellen: Der Schulkonsens übertrifft unsere Erwartungen deutlich. Das Interesse von Kommunen und Eltern an neuen Schulen des längeren gemeinsamen Lernens ist ungebrochen. Und alles deutet darauf hin, dass sich diese Entwicklung in den nächsten Jahren auf gleichem Niveau fortsetzen wird.

Zum neuen Schuljahr gehen 42 neue Sekundarschulen und 30 neue Gesamtschulen an den Start. Hinzu kommt die erste PRIMUS-Schule. Seit dem Schuljahr 2011/12 wurden somit innerhalb von nur drei Jahren insgesamt 155 neue Schulen des längeren gemeinsamen Lernens gegründet. Im Einzelnen sind es

  • 84 Sekundarschulen,
  • 58 neue Gesamtschulen,
  • die PRIMUS-Schule und die zwölf Gemeinschaftsschulen.

Damit steigt die Zahl der Schulen des längeren gemeinsamen Lernens in NordrheinWestfalen auf 379. Innerhalb von nur drei Schuljahren ist das ein Zuwachs von über 40 Prozent.

Zu den neuen Schulen im Einzelnen:

An den 42 neuen Sekundarschulen werden nach unserer Prognose im kommenden Schuljahr etwa 5.700 Schülerinnen und Schüler eingeschult. An den 30 neuen Gesamtschulen sind es etwa 4.000. Insgesamt werden im kommenden Schuljahr an den 84 Sekundarschulen rund 17.800 Schülerinnen und Schüler unterrichtet. An den 58 neuen Gesamtschulen liegt die Gesamtschülerzahl bei etwa 12.000.

Nach Errichtung der 42 neuen Sekundarschulen und 30 neuen Gesamtschulen laufen 139 Schulen schrittweise aus, d.h. diese Schulen nehmen in der 5. Jahrgangsstufe keine neuen Schülerinnen und Schüler mehr auf. Davon sind 74 Hauptschulen, 58 Realschulen, fünf Verbundschulen und zwei Gymnasien betroffen.

Besonders erfreulich ist, dass drei Viertel der neuen Sekundarschulen und mehr als zwei Drittel der neuen Gesamtschulen bereits im ersten Jahr integrative Lerngruppen einrichten werden. – Das ist bemerkenswert, schließlich ist das Gesetz zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention noch gar nicht verabschiedet.

Die erste PRIMUS-Schule in Nordrhein-Westfalen wird im kommenden Schuljahr mit über 180 Schülerinnen und Schülern in Minden starten und den Unterricht in der ersten und in der fünften Klasse aufnehmen. Die Schule entsteht in einem Schulzentrum, das aus einer auslaufenden Grundschule und dem ebenfalls auslaufenden Teilstandort einer Gesamtschule entsteht.

Ein Blick auf die Landkarte von Nordrhein-Westfalen zeigt ein beeindruckendes Bild: Mit Beginn des neuen Schuljahres haben 45 von 53 Kreisen und kreisfreien Städten in Nordrhein-Westfalen neue Schulen des längeren gemeinsamen Lernens errichtet. Das unterstreicht noch einmal sehr deutlich, dass der Schulkonsens die richtige Antwort auf die Herausforderungen unserer Zeit ist. Eine pragmatische Politik der Ermöglichung hat die Schullandschaft in Nordrhein-Westfalen innerhalb kürzester Zeit nachhaltig verändert.

Ich danke allen, die dazu beigetragen haben. Hauptgewinner sind die Kinder, für die wir ein wohnortnahes, umfassendes Schulangebot vor Ort gestalten.

Ausbau geht weiter: Islamischer Religionsunterricht startet an weiterführenden Schulen

Nordrhein-Westfalen war vor einem Jahr das erste Bundesland, das einen bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterricht eingeführt hat. Das war und ist ein wichtiges Zeichen der Anerkennung und Wertschätzung für die 1,5 Millionen Muslime in unserem Land. Der islamische Religionsunterricht ist jetzt ein rechtlich abgesichertes reguläres Unterrichtsfach. Die Leistungen werden benotet und sind versetzungsrelevant – wie in anderen Fächern auch.

Bei meinen Besuchen vor Ort konnte ich erleben, mit wie viel Freude Kinder dieses Angebot annehmen. Schülerinnen und Schüler können sich in deutscher Sprache über ihre religiösen Werte und Traditionen austauschen. Das wirkt bis in die Familien hinein und leistet einen wichtigen Beitrag zur Integration.

Ich habe immer betont, dass wir bei der Einführung des islamischen Religionsunterrichts schrittweise vorgehen. Nach den Sommerferien werden wir das Fach auch an den weiterführenden Schulen einführen, und an den Grundschulen wird das Angebot weiter ausgebaut. Insgesamt ergeben sich Stand heute für das kommende Schuljahr folgende Zahlen.

  • 21 Lehrerinnen und Lehrer unterrichten an 25 weiterführenden Schulen aller Schulformen etwa 2.500 Schülerinnen und Schüler.
  • 29 Lehrerinnen und Lehrer unterrichten das Fach an 36 Grundschulen. Das sind drei Schulen mehr als vor einem Jahr. Im vergangenen Schuljahr hatten etwa 2.000 Grundschülerinnen und Grundschüler am Unterricht teilgenommen. Die Schülerzahl wird im kommenden Schuljahr steigen. Genaue Zahlen werden mit den Amtlichen Schuldaten vorliegen.

Die Lehrerinnen und Lehrer für den islamischen Religionsunterricht haben bereits das Fach Islamkunde unterrichtet. Im Rahmen einer "dienstlichen Unterweisung" wurden ihnen die theologischen und religionspädagogischen Inhalte des Fachs vermittelt. Die Universität Münster hat im vergangenen Wintersemester damit begonnen, die ersten Lehrerinnen und Lehrer für den islamischen Religionsunterricht auszubilden. Damit werden uns langfristig auch grundständig ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer zur Verfügung stehen.

Der Lehrplan für den islamischen Religionsunterricht in der Grundschule wird zu Beginn des kommenden Schuljahres in Kraft gesetzt. Dann kann auch die Zulassung von Schulbüchern erfolgen. Der Lehrplan für die weiterführende Schule folgt ein Jahr später zum Schuljahr 2014/15. Die Lehrkräfte können bis dahin auf der Grundlage des Lehrplans für das Fach Islamkunde arbeiten. Das ist ein übliches Verfahren. In der Grundschule hat das im vergangenen Schuljahr reibungslos geklappt.

Der nordrhein-westfälische Landtag hat 2011 mit breiter Mehrheit beschlossen, dass das Schulministerium bei der Einführung des islamischen Religionsunterrichts übergangsweise mit einem Beirat zusammenarbeiten soll. Diese pragmatische Vorgehensweise – die ja auf eine Empfehlung der Deutschen Islam Konferenz von 2008 zurückgeht und in einer öffentlichen Landtagsanhörung 2011 von der großen Mehrheit der Sachverständigen als verfassungskonform erachtet wurde – hat sich bewährt. Der islamische Religionsunterricht wird Schritt für Schritt zu einem festen Bestandteil unseres Schulalltags.

Im vergangenen Schuljahr habe ich zahlreiche Schulen besucht, um mir selbst ein Bild von der Arbeit vor Ort zu machen. Ich habe dabei immer wieder eine sehr große Bereitschaft erleben können, den eingeschlagenen Weg mitzugehen. Unsere Schulpolitik der Ermöglichung beschleunigt eine dynamische Schulentwicklung. Die Aufbruchsstimmung, die ich vielerorts wahrgenommen habe, ist ermutigend.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!


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