Livestream ins All
Astronauten, die im Weltall Experimente durchführen, Raumstationen, die mit 28.000 Kilometern pro Stunde über unsere Erde hinwegsausen. Lehrkräfte können solche Themen nutzen, um das Interesse ihrer Schülerinnen und Schüler für MINT zu wecken.
Von Silvia Schumacher
"Station, this is Houston, are you ready for the event?“, sagt eine männliche Stimme im Raumfahrt-Kontrollzent rum in Texas. „Houston, this is Luca in Columbus, I’m ready for the event“, antwortet Luca Parmitano. Der italienische Astronaut, Kommandant der Internationalen
Raumstation ISS, ist auf einer großen Leinwand zu sehen. Er schwebt schwerelos zwischen Apparaturen, Knöpfen, Kabeln und Bildschirmen.
„Hello, guten Morgen, hola y ciao à tutti, it’s a good opportunity to have you guys here“, begrüßt er seine Gesprächspartner – heute sind das zwölf Lehrkräfte, die ihm aus Deutschland, Spanien und Italien zugeschaltet sind.
Seit Juli 2019 befndet sich Parmitano im Weltall. Im ISS-Raumlabor Columbus führt er mit seinem Team Experimente zur Schwerelosigkeit durch und testet, wie Astronauten Roboter fernsteuern könnten, um den Mond zu erforschen. Am 15. Oktober, um 15 Uhr Mitteleuropäischer Zeit, befndet sich die Raumstation über den USA. Denn von dort aus kann das Telefonsignal über die ESA – die European Space Agency – in Noordwijk in den Niederladen nach Bochum in den Hörsaal der RuhrUniversität, wo die deutschen Lehrkräfte und ihre Schülerinnen und Schüler versammelt sind, sowie nach Spanien und Italien übertragen werden.
Dr. Andreas Rienow ist Leiter solcher Projekte, die vom European Space Education Resource Offce Germany, kurz ESERO Germany, organisiert werden. „Mit solchen Events wollen wir Interesse für MINT-Themen in der Schule wecken“, erklärt er. Das ESERO-Büro Deutschland wurde 2018 von der ESA am Geographischen Institut der Ruhr-Universität Bochum eingerichtet. Europaweit gibt es bereits 15 solcher Büros. „Deutschland war relativ spät dran, da wir mit den School Labs des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt bereits eine starke Bildungsschiene im Bereich Weltraum hatten“, sagt Rienow. Im Gegensatz zu diesen Workshops für Schüler liegt der Schwerpunkt von ESERO auf Fortbildungen für Lehrkräfte, Zugang zu Projekten – wie der Videokonferenz mit Astronaut Luca Parmitano – und Materialien für den Unterricht.
Raumfahrt und Erdbeobachtung in der Schule
Die von ESERO entwickelten Arbeitsblätter, Erklärvideos und Apps drehen sich um Planetenerkundung, Navigation oder Erdbeobachtung durch Satelliten. „Der Blick auf die Erde aus dem Weltraum ist einfach faszinierend, darüber kann man die Schüler catchen“, ist Rienow überzeugt. Mit der App „Aralkum – Vom See zur Wüste“ finden die Schüler beispielsweise mit ISS-Videos, Satellitendaten und Augmented Reality heraus, wie die Aralkum in Zentralasien, die jüngste Wüste der Erde, entstanden ist. „Wir legen Wert auf Hands On-Activities – die Schüler sollen selbst aktiv werden und können ganz einfach mit ihren Handys die Inhalte abrufen, es muss nur die kostenlose App installiert werden“, sagt Rienow. In Fortbildungen lernen Lehrkräfte, wie sie Themen aus der Raumfahrt in den MINT-Unterrichtsfächern einsetzen können. Ein Luftbild könne man in Mathematik beispielsweise nutzen, um lineare Funktionen anzuwenden.
Bei der Erstellung des Materials arbeiten Rienow und sein Team eng mit Schulen in NordrheinWestfalen zusammen. „Das Gymnasium Siegburg Alleestraße ist unsere Partnerschule im Bereich Erdbeobachtung“, erzählt er. In der 8. und 9. Jahrgangsstufe wurde dort vor drei Jahren das Fach Geografe-Physik eingeführt. Schülerinnen und Schülern lernen in dem Fach die Grundlagen der satellitengestützten Fernerkundung kennen. Lehrerin Christina Müller, die auch beim Live-Call dabei ist, erprobt dort mit den Schüler die Unterrichtsmaterialien von ESERO. „Wir wollen die Materialien so gestalten, dass sich die Schüler davon angesprochen fühlen und sie anschaulich sind, aber gleichzeitig zum Curriculum jedes Bundeslandes passen“, erklärt Rienow. Dazu gibt ihm Müller Feedback.
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