"Mit der Ganztagsschule ernst machen!"
Die GEW Bayern lädt am 20. Mai 2006 unter dem Titel "Mit der Ganztagsschule ernst machen!" zu einer Fachtagung in die Hauptschule in der Soldnerstraße in Fürth ein. Die Veranstaltung ist hochrangig besetzt: Bildungsexperten und GEW-Vertreter erörtern mit dem Bayerischen Kultusministerium, Lehrkräften, Eltern, Schülerinnen und Schülern sowie Mitgliedern des Bayerischen Landtags den Ausbaustand und die Konzeption von Ganztagsschulen.
16.05.2006 Bayern Pressemeldung GEW BayernAuch die aktuelle Auseinandersetzung um die wachsende Gewaltbereitschaft von Kindern und Jugendlichen wird auf der Fachtagung eine Rolle spielen. Oskar Brückner, Vorsitzender der GEW Bayern: "Entscheidend ist, nach den Ursachen von Gewalt zu fragen. Mit Verboten, Ausgrenzung und Stigmatisierung betreibt man einseitige Schuldzuweisungen ohne an den Ursachen etwas zu ändern." Die GEW sieht in der zunehmenden Perspektivlosigkeit und dem Gefühl vieler junger Menschen des nicht gebraucht Werdens einen entscheidenden Grund der Eskala-tion von Gewalt. Die Schulen müssen über Konzepte, organisatorische, finanzielle und personelle Ressourcen verfügen, um die Schüler zu selbstbewussten und stabilen Menschen mit umfassender Bildung erziehen zu können. Die Ganztagsschule bietet für dieses Ziel beste Voraussetzungen und trägt darüber hinaus den veränderten Strukturen in Gesellschaft und Familie Rechnung.
´Echte´ Ganztagsschulen statt Rumpfmodelle
"Bislang ignoriert die Bayerische Staatsregierung aber in fahrlässiger Weise die Notwendigkeit des flächendeckenden Ausbaus von Ganztagsschulen mit pädagogischen Konzepten", so Oskar Brückner. Dass die CSU und die Bayerische Staatsregierung die gestiegene Bedeutung von Ganztagsschulen noch immer nicht wahrhaben wollen, zeigt die lange Liste an Versäumnissen und Billiglösungen:
- Im Flächenstaat Bayern gab es bis 2002 nur zwei staatliche Ganztagsschulen.
- Die Definition von Ganztagsschulen wurde völlig verwässert, wodurch jede Schule, die ein paar Stunden (kostenpflichtiger) Hausaufgabenbetreuung anbietet, zur Ganztagsschule wurde. So kam es über Nacht zu einer wundersamen Vermehrung von 2 auf rund 350 ´Ganztagsschulen´!
- Neben diesen ´Pseudo´-Ganztagsschulen mit additiven Nachmittagsangeboten, gibt es auch Schulen mit Ganztagsklassen, aber immer nur maximal einen Ganztagszug in den Klassen 5 bis 9. In einer solchen ´Rumpf´-Ganztagsschule lassen sich die vielen Vorteile einer vollständigen, rhythmisierten Ganztagesorganisation mit vielen Wahl- und Neigungsangeboten für die Schülerinnen und Schüler nur sehr begrenzt umsetzen.
- Bayern hat nach wie vor viel zu wenig Ganztagsangebote. Es wird zwar immer von einem "bedarfsgerechten" Ausbau gesprochen, der wird allerdings allein vom Finanzminister bestimmt. Der tatsächliche nachgewiesene Bedarf spielt keine Rolle.
- Rund drei Viertel der Fördergelder des Bundes für den Ausbau von Ganztagsschulen wurden in diesem Schuljahr für die Finanzierung des G 8 missbraucht. Bis auf wenige Ausnahmen hatten die Baumaßnahmen beim achtjährigen Gymnasium überhaupt nichts mit pädagogischen Ganztagskonzepten zu tun. Bei Hauptschulen wurden dagegen konzeptionell begründete Ganztagsschulanträge gekürzt oder abgelehnt. Auch der Bundesrechnungshof kritisierte, dass für die Vergabe dieser Gelder keinerlei Kontrollen vorgesehen sind.
- Diese bereits äußerst eingeschränkten Bedingungen für erfolgreiche Ganztagsschulen sollen im nächsten Schuljahr noch mehr erschwert werden. In den Ganztags-Hauptschulen werden die zusätzlichen Lehrerstunden von 19 auf 12 gekürzt. In Ganztags-Grundschulen stehen sogar nur noch 7 zusätzliche Stunden zur Verfügung
Oskar Brückner: "Ganztagsschulen – das gilt international unter Experten als unstrittig – sind ein Erfolg versprechender Weg zur nachhaltigen Verbesserung des Bildungssystems und damit der Verbesserung gleicher Chancen für alle Kinder und Jugendlichen. Wir wollen mit unserer Fachtagung die Bayerische Staatsregierung auffordern, endlich ernst zu machen mit einer flächendeckenden und pädagogisch abgesicherten ´echten´ Ganztagsschule."
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