Bayerische Philologen

Mit flexiblem Brückenjahr den Bauplan des G8 erweitern!

Im Vorfeld der mit Spannung erwarteten Pressekonferenz von Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle und Kultusstaatssekretär Bernd Sibler "zur Entwicklung des bayerischen Gymnasiums" am Freitag hat der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes noch einmal die Position seines Verbandes in der Frage der gymnasialen Schulzeit verdeutlicht:

08.03.2012 Pressemeldung Bayerischer Philologenverband (bpv)

"Wir begrüßen die Diskussion um die Dauer der gymnasialen Schulzeit ausdrücklich. Schließlich war es der Bayerische Philologenverband, der an vorderster Front gegen die überstürzte Verkürzung des Gymnasiums gekämpft hat", erinnerte Schmidt an den Widerstand der bayerischen Gymnasiallehrerschaft gegen die Einführung des achtjährigen Bildungsgangs für alle Gymnasiasten. Die gerade hoch lodernde Debatte um neunjährige Gymnasialzweige sei "ein Zeichen dafür, dass es der Politik bis heute nicht gelungen ist, die Rahmenbedingungen für das achtjährige Gymnasium so positiv zu gestalten, dass alle Schüler, Eltern und Lehrer tatsächlich zufrieden sein können." Die Lehrerschaft verwahre sich zwar gegen das Zerrbild eines Gymnasiums, das acht Jahre lang einen angeblich nicht zu bewältigenden Druck auf seine Schüler ausübe. Dennoch, so Schmidt, "darf nicht übersehen werden, dass wir Schüler haben, die für ihre persönlichen Entwicklung von der Möglichkeit zu neun Jahren Gymnasium mehr profitieren würden."

bpv für Erweiterung des gymnasialen Zeitfensters und zusätzliche Fördermöglichkeiten

Der bpv plädiert dafür, für diese Schüler zusätzliche Zeitfenster am Gymnasium zu öffnen: Zwischen Mittel- und Oberstufe sollen Schüler Zusatzangebote wahrnehmen können, die je nach individueller Bedarfslage gestaltbar sind. Diese sollen schülerorientiert und damit nicht obligatorisch angeboten werden. Für manche Schüler könnte das bedeuten, ein zusätzliches Jahr als Brückenjahr in Anspruch zu nehmen, um auf den Stand der Dinge zu kommen, ohne dass dieses als Wiederholung zählte.

Eine solche flexible Vernetzung von Mittel- und Oberstufe würde viele Spielräume für ein Mehr an Förderung schaffen; Spielräume, um ganz gezielt auf die persönlichen Bedürfnisse je nach dem Entwicklungsstand einzugehen, um Kompetenzen zu stärken und Wissen zu festigen. Das Brückenjahr ist eine pädagogische Antwort auf die Herausforderungen des achtjährigen Gymnasiums und würde manchen Schülern helfen, den Anforderungen dieser Schulart gerecht werden zu können. Für andere Schüler wiederum könnte ein Brückenjahr die Chance eröffnen, ihre Stärken noch besser zu entwickeln, indem es die Annahme von Zusatzangeboten oder förderlichen Auslandsaufenthalten erleichtert.

Zudem könne durch das so entstehende Zeitfenster die angestrebte Erhöhung des Migranten- anteils unter den Abiturienten eher realisiert werden.

Mehr Fördermöglichkeiten erfordern mehr Personal, nicht mehr Mehrarbeit

Es führe allerdings kein Weg daran vorbei, zur Verbesserung der Fördermöglichkeiten auch die Personalausstattung zu verbessern. Schmidt: "Seit Wochen sorgt ein zweiteiliges kultusministerielles Schreiben an den Gymnasien für erheblichen Ärger. Darin wird zu kreativen Maßnahmen zur Senkung des laut neuester KM-Statistik an Gymnasien überdurchschnittlich hohen Unterrichtsausfalls animiert und die Möglichkeit aufgezeigt, wie Lehrkräfte notfalls mit Druck zur Übernahme von Mehrarbeit resp. zusätzlichen Präsenzen gebracht werden können. Das ist der falsche Weg!

Es gibt nur ein wirklich wirksames Instrument, das den Unterrichtsausfall langfristig begrenzen kann: die Bereitstellung einer kombinierten integrierten und mobilen Unterrichtsreserve im Umfang von rund 10 Prozent der jetzigen Planstellenzahl. Junge hochqualifizierte Lehrkräfte stehen in großer Anzahl auf der Straße und könnten sofort eingestellt werden!"

bpv - Brückenjahr schnell und problemlos in vorhandene Strukturen integrierbar

"Mit entsprechender Personalausstattung ist unser Modell eines Brückenjahres schneller und problemloser in die bestehenden Strukturen des Gymnasiums zu integrieren als die vermeintlich simple Idee, einfach wieder ein Jahr ans Gymnasium ´anzukleben´. Denn das Gymnasium ist von seiner Organisation und seinen Lehrplänen her eine hochkomplexe Schulart: Die Probleme bei der G8-Einführung haben gezeigt, dass man nicht einfach schnell mal ein Schuljahr abschneiden oder wieder anfügen kann", betonte der bpv-Vorsitzende.


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