Neue Ganztagshauptschulen, mehr Lehrerplanstellen

100 neue gebundene Ganztagshauptschulen, 600 neue Planstellen für Lehrkräfte, zusätzliche Mittel in Höhe von 600 Lehrerstellen und zahlreiche Maßnahmen, um die Durchlässigkeit des bayerischen Schulwesens weiter auszubauen - diese und zahlreiche weitere wichtige Neuerungen zum Schuljahr 2007/2008 stellte Bayerns Kultusminister Siegfried Schneider heute in München vor Vertretern der Presse vor.

10.09.2007 Bayern Pressemeldung Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus

Gegenwärtig besuchen in Bayern 1,87 Millionen Kinder und Jugendliche die Schule, davon 1,45 Millionen die allgemein bildenden Schulen. 4154 Lehrkräfte hat Bayern zum Schuljahr 2007/2008 neu eingestellt. Minister Schneider entwickelt die Hauptschule zu einer berufsvorbereitenden Schule weiter. Die Schulen erhalten mit den neuen Schulordnungen für Gymnasium und Realschule mehr Eigenverantwortung.

Minister Schneider unterstrich die Grundprinzipien für seine Entscheidungen in der Bildungspolitik: "Wir müssen alle Talente fördern. Es darf keinen Abschluss ohne Anschlussmöglichkeiten geben. Schule darf nicht nur Wissen und Können vermitteln, sie muss ganzheitlich erziehen und bilden (Art. 131 der Bayerischen Verfassung)."

4154 Lehrer wurden eingestellt

4154 Lehrkräfte wurden zum Schuljahr 2007/2008 eingestellt, davon 779 für die Grundschule und 320 für die Hauptschule, ferner 168 Fachlehrer und 46 Förderlehrer für die Volksschulen insgesamt. Im November 2007 werden für die Volksschulen weitere 150 Bewerber als Mobile Reserven beschäftigt. Für die Förderschulen stellt der Freistaat 495 Lehrkräfte an, für die Realschulen 604 Lehrkräfte und 40 Fachlehrer, für die Gymnasien 985 Lehrkräfte und für die Beruflichen Schulen 567 Lehrkräfte.

Durch die Zuweisung von Mitteln im Umfang von 154 Lehrerstellen sollen die Klassen über 34 Schüler vollständig abgebaut werden. Minister Schneider will die Obergrenze an Schülern weiter absenken.

In einzelnen Fächern wie Mathematik und Physik ständen derzeit je nach Schulart nicht so viele Bewerber um eine Stelle zur Verfügung, wie eingestellt werden könnten.

Mobile Reserven werden aufgestockt

Die Mobile Reserve wird an Volks-, Förder- und Realschulen erhöht.

Zeitpunkt der Einstellung Mobile Reserven an Volksschulen
Ganzjährig 1900
Ab November 2007 150
Ab Januar 2008 80
Ab 15. Februar 50
Insgesamt 2180



Den Realschulen, Gymnasien und Beruflichen Schulen stellt das Kultusministerium zusätzliche Mittel für den Unterricht und für den Auf- und Ausbau von Pools für Vertretungslehrkräfte zur Verfügung und zwar in Höhe von 450 Lehrerstellen. Mit dem Geld suchen die Schulen eigenverantwortlich am regionalen Arbeitsmarkt nach Vertretungspersonal.

Ganztagsangebote massiv verstärkt

"Zum Schuljahr 2007/2008 haben wir die Ganztagsangebote an Bayerischen Schulen deutlich ausgeweitet, um die Schülerinnen und Schüler je nach Talent und Bedarf besser zu fördern", so Minister Schneider. Allein die Anzahl der gebundenen Ganztagsschulen sei um 100 erweitert worden, die der gebundenen Ganztagsgrundschulen um 30.
Bis zum Schuljahr 2012/2013 wolle Bayern die gebundenen Ganztagshauptschulen bedarfsgerecht und flächendeckend überall dort anbieten, wo der Sachaufwandsträger einen Antrag stellt.

Gebundene Ganztagsschulen in Bayern

2006/2007 2007/2008 Veränderung
Grundschulen 10 40 + 30
Hauptschulen 62 162 + 100
Realschulen 6 10 + 4
Gymnasien 12 12 0



Die offenen Ganztagsangebote wurden zum neuen Schuljahr in weiterführenden Schulen um durchschnittlich 25 Prozent ausgeweitet, am stärksten im Bereich der Hauptschulen.

Offene Ganztagsschulen im Freistaat

2006/2007 2007/2008 Veränderung
Hauptschulen 426 561 + 135
Realschulen 124 136 + 12
Gymnasien 148 176 + 28
Insgesamt 698 875 + 177



Der Freistaat erweitert die Mittagsbetreuung an Volks- und Förderschulen bedarfsgerecht um 3.500 Plätze auf künftig rund 55.000 Plätze.

Hauptschule wird weiterentwickelt

"Die Hauptschule möchte ich zu einer stark berufsorientierten Schule weiterentwickeln", unterstrich Minister Schneider. Möglichst alle Schüler sollen künftig die Hauptschule mit der Ausbildungsreife verlassen. Die Hauptschule wird in Bayern von rund einem Drittel der Schüler besucht. Im Rahmen der Hauptschulinitiative entwickeln gegenwärtig 23 Schulen Modelle, um die Inhalte der Fächer Mathematik und Deutsch, Musik und Kunst sowie Soziales Lernen in Module aufzuteilen. Im neuen Schuljahr wird Englisch in die Modulbildung einbezogen.

Unmittelbar vor den Sommerferien 2007 hatte Minister Schneider mit den Kammern und der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft einen Pakt zur Ausbildungsfähigkeit unterzeichnet. Die Vertreter der Wirtschaft sichern darin zu, dass sie den Schülerinnen und Schülern mit Ausbildungsgreife Ausbildungsstellen anbieten werden.

Zum neuen Schuljahr entwickeln 21 Pilotschulen in Jahrgangsstufe 7 zusammen Konzepte zur Profilbildung und zusätzliche Inhalte für das Lernfeld Arbeit-Wirtschaft-Technik. An der Hauptschule wird es die Profilbereiche Technik und Handwerk, Wirtschaft, Handel und Dienstleistung sowie Gesundheit, Soziales und Hauswirtschaft geben.

Berufliche Oberschule auf dem Weg

"Unter dem Dach der Beruflichen Oberschule wird an Fachoberschule (FOS) und Berufsoberschule (BOS) ein bis zu dreijähriger Bildungsgang als gleichwertige Alternative zur gymnasialen Oberstufe geschaffen", so Minister Schneider. Dafür seien weitere konkrete Maßnahmen erfolgt: Der Schulversuch FOS 13 könne nun um 26 Klassen auf dann 46 Klassen erweitert werden.
Schüler der Realschule werden besser auf die FOS vorbereitet.

Kinder mit Migrationshintergrund sprachlich fördern

Das Kultusministerium fördert weiterhin Kinder mit Migrationshintergrund umfassend sprachlich.

Kinder, die am Vorkurs zum Spracherwerb teilnehmen

Schuljahr Zahl der Vorkurse Kinder in Vorkursen
2006/2007 1681 13572
2007/2008 Zahlen ab Herbst Zahlen ab Herbst



In Vorkursen unterrichten Erzieherinnen und Grundschullehrerinnen im Kindergarten 160 Stunden in Deutsch.
Ferner gibt es Deutschlerngruppen, -förderkurse und Übergangsklassen an Schulen. Im aktuellen Schuljahr wendet das Kultusministerium für Maßnahmen zur Sprachförderung rd. 19.200 Lehrerwochenstunden auf.

Neuerungen am Gymnasium

Das achtjährige Gymnasium tritt in diesem Schuljahr in die Jahrgangsstufe 9 ein.

Eltern und Schüler erhalten im Schuljahr 2007/2008 umfassende Informationen u.a. über den Lehrplan des achtjährigen Bayerischen Gymnasiums. Es wurden Maßnahmen getroffen, um beim Lehrplan des Bayerischen Gymnasiums die ,Pflicht' von der ,Kür' noch klarer zu unterscheiden:

  • Das Kultusministerium veröffentlicht einen tabellarischen Überblick über den Aufbau und die Schwerpunkte der einzelnen Fächer von der Jahrgangsstufe 5 bis zur Jahrgangsstufe 12.
  • Der Lehrplan wird bei Klassen- oder Jahrgangsstufenkonferenzen der Schulen und an Elternabenden besprochen.
  • Das Kultusministerium legt eine Broschüre "Das bayerische Gymnasium" vor, um Eltern über den Anspruch gymnasialer Bildung im nationalen und internationalen Kontext sowie den bayerischen Weg zu informieren.
  • Es werden Fortbildungen angeboten.

Der Lehrplan für die Oberstufe des achtjährigen Gymnasiums ist genehmigt und wird in Kürze veröffentlicht. Er dient den Lehrkräften, Schülern und Eltern als verlässliche Zielmarke für den Unterricht in den vorausgehenden Schuljahren.
Mitte Oktober 2007 beginnt eine landesweite dreistufige Fortbildungsinitiative zur Oberstufe des achtjährigen Gymnasiums.

Für den doppelten Abiturjahrgang 2010/2011 wurden die nötigen Entscheidungen getroffen, etwa dass die Prüfungen an zwei verschiedenen Terminen stattfinden.

Naturwissenschaften werden gefördert

Um der Bedeutung von Naturwissenschaften und Technik für die Gesellschaft gerecht zu werden, fördert das Ministerium über den Unterricht hinaus das Interesse und die Fähigkeit der Schüler darin. Diese erfolgt z.B. durch das SINUS-Programm, SINUS-Bayern und das SINUS-Transferprogramm ebenso wie durch Modellversuche wie GribS oder Fächer wie "Natur und Technik". Im Jahr 2008 ist ein Fachkongress "Technik" vorgesehen.

Mehr Bewegung und gesunde Ernährung

Regelmäßige aktive Bewegung und gesunde Ernährung fördern, so Minister Schneider, die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit. Deshalb entwickeln 27 Grundschulen bei der Initiative "Voll in Form: täglich bewegen - gesund essen - leichter lernen" Konzepte für mehr Bewegung und gesunde Ernährung.
Ab diesem Schuljahr unterstützt das Ministerium mit dem Projekt "Schülermentoren Sport nach 1" Schüler dabei, sich gesund zu halten und ihre Persönlichkeit weiterzuentwickeln.

Modelle für die Zusammenarbeit von Lehrern und Eltern

Mit dem Projekt "Vertrauen in Partnerschaft - VIP" werden innovative Formen der Elternarbeit erprobt, um eine echte Erziehungspartnerschaft zu realisieren. Dazu gehören das "Dreiergespräch" - ein Gespräch zwischen Lehrkraft, Eltern und Schülerin bzw. Schüler, regelmäßige Themenabende auf Wunsch der Eltern und der Migrantenbeirat.

Schüler bekommen landesweite Interessenvertretung

Im Januar 2008 werden sich erstmals eine Landesschülerkonferenz - bestehend aus 43 Mitgliedern - und ein sechsköpfiger Landesschülerrat konstituieren. Die Gremien setzen sich aus Vertretern aller weiterführenden Schularten zusammen. Sie werden den Erfahrungsaustausch fördern, werden Anregungen beim Ministerium einbringen und dienen den Schülerinnen und Schülern als eine landesweite Vertretung.

Viele neue Initiativen konnte Minister Schneider nur beispielhaft ansprechen, etwa eine Initiative zur Werteerziehung und Persönlichkeitsbildung, Projekte, um Vorurteile gegenüber behinderten Menschen abzubauen. Auch neue Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung führte Minister Schneider auf.


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