Studie

Neue Lehrkraft, neue Chance?

Fleiß und Interesse der Schülerinnen und Schüler sind davon abhängig, welche Lehrkraft sie unterrichtet, so die gängige Meinung. Wechselt diese, können sich innerhalb einer Klasse auch der Fleiß Einzelner und ihr Interesse am Unterricht verändern. Im Extremfall werden aus Musterschülern plötzlich Arbeitsverweigerer und umgekehrt. Aber ist das wirklich so?

26.06.2019 Bundesweit Pressemeldung Universität Tübingen, Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung
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Bislang fehlte es an aussagekräftigen Studien, die überprüft haben, wie stark sich innerhalb von Klassen nach einem Wechsel der Lehrkräfte die „Rangliste“ der Persönlichkeitsmerkmale in Punkto Fleiß, Interesse oder Selbstkonzept verändert. Genau das haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Tübingen, Illinois und Maryland untersucht und herausgefunden, dass sich bei einem Wechsel der Lehrkraft die Anstrengungsbereitschaft in den Fächern Deutsch und Englisch am meisten veränderte. Im Fach Mathematik hingegen änderte sich nichts. Ein Lehrerwechsel scheint also in der Tat Chancen und Risiken für die Schülerinnen und Schüler darzustellen, wenn auch die Effekte weniger stark sein dürften, als deren Berichte und Erinnerungen nahe legen. Die Ergebnisse sind im Journal of Personality erschienen.

Anhand von Daten zu rund 5.600 Schülerinnen und Schüler der 9. und 10. Klasse aus der PISA-Studie und rund 2.500 Schülerinnen und Schülern der 7. und 8. Klassen der Langzeitstudie TRAIN untersuchte das Team, wie sich ein neuer Lehrer oder eine neue Lehrerin auf Anstrengungsbereitschaft, Interesse und weitere Merkmale der Schülerinnen und Schüler auswirkte. Dabei verglichen sie die Selbsteinschätzungen derjenigen, die eine neue Lehrkraft erhielten und derjenigen, die ihre Lehrkräfte beibehielten. Die Anstrengungsbereitschaft in Deutsch oder Englisch in Klassen mit Lehrkraftwechsel veränderte sich erwartungsgemäß mehr  als in Klassen, die ihre Lehrkraft behielten. „Ob die Chemie zwischen Lehrer und Schüler stimmt, scheint also tatsächlich einen spürbaren Effekt zu haben“, kommentiert Ulrich Trautwein, Direktor des Hector-Instituts für Empirische Bildungsforschung an der Universität Tübingen, den Befund. Für das Interesse in Deutsch und Englisch zeigten die Ergebnisse in dieselbe Richtung, erwiesen sich aber nicht als statistisch signifikant. Merkmale, die sich auf das Fach Mathematik bezogen, veränderten sich hingegen grundsätzlich nicht.

Die Ergebnisse sind aus wissenschaftlicher und praktischer Sicht von großem Interesse und werfen weitere Fragen auf, denen die Studienautoren nachgehen wollen: Wie kommt es, dass bestimmte Lehrkräfte offenbar besser passen für manche Schülerinnen und Schüler? Welche Mechanismen werden bei einem Lehrkraftwechsel in Gang gesetzt? Und: Lässt es sich vermeiden, dass die Anstrengungsbereitschaft bestimmter Schüler nach einem Wechsel nachlässt, beispielsweise durch eine bessere Absprache der Lehrkräfte untereinander?


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