Notebook-Klassen: Schüler lernen selbstständiger
(bikl/idw) Schüler lernen in Notebook-Klassen selbstständiger, der Unterricht macht gerade jüngeren Schülern Spaß und motiviert sie zum Lernen. Lehrer in Notebook-Klassen nutzen stärker offene Unterrichtsformen und schlüpfen in eine neue Rolle, nämlich in die eines Beraters. Und: Schüler in Notebook-Klassen üben sich mehr in Problemlösefähigkeit, in sozialer Kompetenz wie beispielsweise Teamfähigkeit sowie in Medienkompetenz. Zu diesen Ergebnissen kommt eine wissenschaftliche Untersuchung der Augsburger Medienpädagogin und e-learning-Expertin Prof. Dr. Gabi Reinmann.
26.07.2006 ArtikelHauptschule besonders gut geeignet
Ein Jahr lang haben die Wissenschaftler die Arbeit in drei Klassen im Mittlere-Reife-Zug der Hauptschule Geretsried unter die Lupe genommen. "Die Hauptschule bietet für die Einrichtung von Notebook-Klassen besonders gute Voraussetzungen. Der Einsatz des Computers ist in vielen Unterrichtsfächern schon sehr lange im Lehrplan verankert, ebenso wie fächerübergreifender und projektorientierter Unterricht. Das Klassenleitersystem erleichtert das Arbeiten in einer Notebook- Klasse, weil kein strikter 45-Minuten-Takt vorgegeben ist und der Lehrer die Schüler in mehreren Fächern unterrichtet", sagt Susanne Fiedler, Klassenleiterin einer Notebook-Klasse an der Hauptschule Geretsried. Vor vier Jahren hat sie die Notebook-Klassen an der Hauptschule Geretsried eingeführt.
In Bayern gibt es insgesamt 50 Notebook-Klassen, davon 40 im Rahmen des Projektes "i lern" der Stiftung Bildungspakt Bayern. Vor dreieinhalb Jahren fiel der Startschuss zu "i lern". "Wir wollten wissen, in welchen Bereichen es sinnvoll ist, Notebooks im Unterricht einzusetzen", betont Regina Pötke, Geschäftsführerin der Stiftung Bildungspakt Bayern.
Nicht als Spielzeug eingesetzt
Durch die Arbeit mit den Notebooks können die Schüler Informationen besser recherchieren, diese klarer strukturieren und präsentieren. Notebooke-Einsatz führt aber nicht automatisch zu besseren Noten. "Erfreulich ist, dass die fachlichen Leistungen konstant bleiben und gleichzeitig andere Fertigkeiten wie Problemlösen und Informationsmanagement verbessert werden", erklärt Gabi Reinmann. Auch hat sich im Rahmen der einjährigen Einzelfallstudie gezeigt, dass der Vorwurf, Schüler von Notebook-Klassen würden die Geräte nachmittags ausschließlich für Computer-Spiele gebrauchen, falsch ist. Vielmehr setzen sie den Rechner stärker für Hausaufgaben ein als die Vergleichsklasse.
Entscheidend: Professionalität des Lehrers
Wesentlich für den Erfolg ist laut Reinmanns Studie neben der Professionalität des Lehrers und seiner Auffassung von Unterricht die Unterstützung der Schulleitung, des Kollegiums und der Eltern, denn der Notebook-Unterricht wird nicht per se besser bewertet oder mit mehr Interesse verfolgt. Ist der Unterricht aber abwechslungsreich und gut vorbereitet, zeigen sich die Schüler zufrieden - speziell, wenn die Art des Lernens mit den Prüfungsanforderungen übereinstimmt. "Die Lehrkräfte brauchen dazu praktikable Konzepte und Materialien für den Laptop-Unterricht. Davon gibt es leider noch zu wenig", so Reinmann. Die Stiftung Bildungspakt Bayern unterstützt seit zwei Jahren den Aufbau einer Datenbank mit Unterrichtsmaterialien.
Im Rahmen von "i lern" besitzt jeder Schüler einer Klasse ein eigenes Notebook, das er überall nutzen kann. Für soziale Härtefälle wurde bei der Stiftung ein Fonds eingerichtet, der 55 Prozent der Anschaffungssumme übernimmt.
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