Umfrage

Ökonomische Bildung ist Allgemeinbildung

Schulabgänger wissen am Ende ihrer Schulzeit nur wenig über die Soziale Marktwirtschaft. Nicht nur Wirtschaftsverbände, auch die Schüler selbst machen auf dieses Defizit aufmerksam: In einer Umfrage des Bankenverbandes sprachen sich 74 Prozent der Jugendlichen für ein Schulfach "Wirtschaft" aus.

18.11.2010 Pressemeldung DIHK - Deutscher Industrie- und Handelskammertag

In der Schule wird ökonomische Bildung nur bruchstückhaft vermittelt. So finden sich Wirtschaftsthemen verteilt auf unterschiedliche Fächer – Preiskalkulation in Mathematik, Globalisierung in Deutsch, Wirtschaftsgeografie in Erdkunde. Ein systematischer Überblick und ein ausreichendes Rüstzeug, das ein "mündiger Wirtschaftsbürger" letztlich braucht, sind damit kaum möglich. Zumal die Lehrkräfte oftmals selbst wenig von Wirtschaft verstehen.

Wirtschaft schlägt Bildungsstandards für ökonomische Bildung vor Der DIHK hat gemeinsam mit anderen Wirtschaftsverbänden nun Bildungsstandards für die ökonomische Bildung in der Schule entwickelt und der Politik vorgestellt:

1. Standards für die Schulbildung

Die Bildungsstandards beschreiben Kompetenzen, die Jugendliche am Ende ihrer Schulzeit erworben haben sollen, um kompetent und reflektiert wirtschaftliche Entscheidungen treffen und ökonomische Entwicklungen bewerten zu können. Das Neue daran ist die Kompetenzorientierung. Das heißt, Schüler lernen nicht mehr einzelne Wirtschaftsthemen, sondern sie lernen, verschiedene Rollen im Wirtschaftssystem einzunehmen: die Rolle des Verbrauchers ebenso wie die Rolle des Unternehmers, des Arbeitnehmers und des Wirtschaftsbürgers.

  • Beispiel 1: Immer wieder wird in den Medien darüber berichtet, dass sich Jugendliche schon frühzeitig hoch verschulden. Im Wirtschaftsunterricht könnten sie lernen, rationale Konsumentscheidungen zu treffen.
  • Beispiel 2: In der Finanz- und Wirtschaftskrise sank das Vertrauen in die Soziale Marktwirtschaft. In einem professionellen Wirtschaftsunterricht könnten die Schüler lernen, die Ursachen einer Wirtschaftskrise besser zu verstehen und die Handlungsweisen der Wirtschaftsakteure zu bewerten. Welche Aufgabe hat der Staat in einer Krise? Was können Unternehmer tun, die unter schwierigen Bedingungen ihre Fachkräfte halten wollen? Wie kann man sich selbst besser über Anlagerisiken informieren?

2. Standards für die Lehrerbildung

Um den Jugendlichen diese Kompetenzen professionell zu vermitteln, braucht es entsprechend qualifizierte Ökonomielehrer. Die Standards sehen eine fundierte Ausbildung in Volks- und Betriebswirtschaftslehre, Wirtschaftspolitik und Finanzwissenschaft sowie in der Pädagogik vor. Zudem sollte mehr Wert auf eine professionelle Fachdidaktik gelegt werden: Es kommt auch darauf an, wie ökonomisches Wissen vermittelt und Unterricht gestaltet wird. Dieser Teil der Ausbildung von Wirtschaftslehrern wird bisher besonders vernachlässigt. Ergänzt werden muss das wissenschaftliche Studium um Praxisphasen in Schulen wie auch in Unternehmen.

DIHK fordert zügige Umsetzung

Die Wirtschaft bietet den Kultusministern mit den Bildungsstandards eine wissenschaftliche Basis für die Neukonzeption der ökonomischen und unternehmerischen Bildung in der Schule an. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag fordert deshalb:

  • eine zügige Umsetzung der Bildungsstandards in die Lehrpläne,
  • eine systematische und anspruchsvolle Platzierung der ökonomischen Bildung im Fächerkanon,
  • eine Neugestaltung der Ökonomielehrerbildung mit einem professionellen Verständnis der Ökonomie als wissenschaftliche Disziplin sowie
  • einen Ausbau der Wirtschaftsdidaktik an den Hochschulen

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