Wirtschaftswissen als fester Bestandteil schulischer Bildung
Ein Unterricht, der sich an der Lebensrealität junger Menschen orientiert und sie auf ein selbstbestimmtes Leben vorbereitet – das ist Leitgedanke der saarländischen Bildungspolitik. Wirtschaftliche und finanzielle Themen spielen dabei eine zentrale Rolle.
02.12.2025 Saarland Pressemeldung Ministerium für Bildung und Kultur SaarlandWirtschaftliche und finanzielle Themen helfen Schülerinnen und Schülern, den Alltag zu verstehen, Verantwortung zu übernehmen und reflektierte Entscheidungen zu treffen – ob beim ersten Gehalt, beim Umgang mit Geld oder beim Einstieg ins Berufsleben.
Bildungs- und Kulturministerin Christine Streichert-Clivot: „Finanzwissen ist Lebenswissen. Wer versteht, wie Wirtschaft funktioniert, kann sein Leben selbstbestimmt gestalten – im Alltag, im Beruf und in unserer Demokratie. Ökonomische Bildung vermittelt nicht nur Zahlen und Begriffe, sondern stärkt Urteilskraft, Verantwortungsbewusstsein und Selbstvertrauen. Sie befähigt junge Menschen, Chancen zu erkennen, Risiken abzuschätzen und mitzugestalten, wie unsere Gesellschaft wirtschaftet und wächst. Deshalb wollen wir ökonomische Bildung nicht als Spezialwissen für wenige verstehen, sondern als Teil einer modernen Allgemeinbildung für alle Kinder und Jugendlichen im Saarland. So machen wir unsere Schulen zu Orten, an denen Zukunftskompetenzen entstehen.“
Im Rahmen der Novellierung der Gemeinschaftsschulverordnung wurde der Bereich der Ökonomischen Bildung in den Gemeinschaftsschulen systematisch verankert. Das lehrplanergänzende Kompendium „Ökonomische Bildung / Wirtschaft“ für die Klassen 7 bis 10 greift zentrale Themen wie Finanzen, Haushaltsführung, Verbraucherschutz, Marktordnung und ökonomisches Handeln auf und bietet Lehrkräften praxisorientierte Anleitungen zur Umsetzung im Fach Gesellschaftswissenschaften oder im Rahmen fächerübergreifender Projekte. Einige Gemeinschaftsschulen setzen im Profilfach auf Bildung für nachhaltige Entwicklung und verknüpfen dabei ökologische und ökonomische Fragestellungen.
In den saarländischen Gymnasien begleitet ökonomische Bildung Schülerinnen und Schüler von Beginn an. Wirtschaftliche und gesellschaftliche Themen sind ab Klasse 5 in Politik und Erdkunde verankert. Im Mathematikunterricht werden zentrale Kompetenzen – etwa Prozentrechnung, Zinsrechnung und Gleichungssysteme – an praxisnahen Finanzszenarien vermittelt. In der gymnasialen Oberstufe vertieft das Fach Wirtschaftslehre das Wissen zu Finanz- und Wirtschaftsthemen. Schülerbetriebspraktika und Schülerfirmen ermöglichen zudem praktische Erfahrungen.
An den beruflichen Schulen wird Wirtschaft in gelebter Praxis erfahrbar. Jugendliche lernen, wirtschaftliche Entscheidungen im Alltag umzusetzen – sei es beim Haushaltsplan, beim Umgang mit Einkommen oder bei Fragen der sozialen Absicherung. Kooperationen mit Partnern aus der Praxis – von Sparkassen über Verbraucherzentralen bis zu Kammern – machen wirtschaftliche Zusammenhänge anschaulich. Projekte wie „Steuern machen Schule“ oder das Planspiel Börse bieten zusätzliche Einblicke in wirtschaftliche Abläufe.
Starke Kooperationen bilden auch die Basis der neuen Fachoberschule Wirtschaft mit der Fachrichtung Steuern und Finanzen. Der Bildungsgang, der in Zusammenarbeit mit dem Ministerium der Finanzen und für Wissenschaft an den Standorten Saarbrücken und Saarlouis entstanden ist, verbindet fundierte ökonomische Grundlagen mit einer ausgeprägten Praxisorientierung. Die Schülerinnen und Schüler erwerben vertiefte Kenntnisse in Betriebswirtschaft, Rechnungswesen, Steuerlehre und Finanzdienstleistungen. Nicht nur die saarländischen Finanzämter, auch die beteiligten Partner, darunter die Steuerberaterkammer des Saarlandes, der Sparkassenverband, bieten praxisnahe Einblicke, etwa durch fachbezogene Workshops und eine große Zahl an geeigneten Praktikumsplätzen. So führt die neue Fachrichtung systematisch an zentrale Berufsfelder der Steuer- und Finanzwelt heran und eröffnet klare Perspektiven für ein duales Studium oder eine Ausbildung.
Finanz- und Wissenschaftsminister Jakob von Weizsäcker: „Mit der neuen Fachoberschule Steuern und Finanzen schaffen wir ein attraktives und alltagstaugliches Angebot. Wer versteht, wie Steuern funktionieren, wie man ein Budget plant oder welche Rolle der Staat für wirtschaftliche Stabilität spielt, gewinnt nicht nur berufliche Chancen, sondern auch Selbstvertrauen und Orientierung im Alltag. Insgesamt ist unser Ziel, finanzielle und wirtschaftliche Bildung zu einem selbstverständlichen Bestandteil moderner Allgemeinbildung zu machen: praxisnah, alltagsrelevant und für alle Schülerinnen und Schüler zugänglich“
Das Ministerium für Bildung und Kultur arbeitet eng mit Partnern wie Alwis Saarland e.V., Deutsche Bundesbank, Sparkassen, Fairtrade-Schools, Schülergenossenschaften, Schule Wirtschaft Saarland, Stiftung Warentest und der Arbeitskammer zusammen. Gemeinsam werden Workshops, Projekte und Unterrichtsmaterialien zu Budgetplanung, Schuldenmanagement, Altersvorsorge, Verbraucherschutz, nachhaltigem Konsum und digitaler Verbraucherbildung angeboten. Praxisorientierte Lernszenarien – etwa Planspiele, Schülerfirmen, Projektwochen oder der FREI DAY – fördern selbstbestimmtes Handeln. Eine Workshopreihe mit der Verbraucherzentrale behandelt zusätzlich Schuldenvermeidung, eigene Wohnung, Fallstricke im Netz, Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Lehrkräfte werden durch Fortbildungen des Bildungscampus Saarland qualifiziert.
Ein besonderes Anliegen bleibt es, Mädchen und junge Frauen für wirtschaftliche Themen zu gewinnen. Initiativen wie der Girls’ Day, die Praktikumswoche Saarland sowie die Arbeit an MINT-freundlichen und digitalen Schulen eröffnen neue Zugänge und zeigen: Ökonomische Bildung ist kein Spezialthema, sondern ein Schlüssel zu Selbstbestimmung, Gleichberechtigung und gesellschaftlicher Teilhabe.
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