Offenheit und Transparenz: alle Schüler- und Klassenzahlen jetzt im Internet abrufbar

Kultusministerin Karin Wolff hat eindringlich an die Schulträger in Hessen appelliert, sich in den nächsten Monaten intensiv mit der Schulentwicklungsplanung zu befassen. "Die demographische Entwicklung lässt uns keine Wahl. Wir müssen die Zukunftsfähigkeit der regionalen Schullandschaft in Hessen aktiv sichern", sagte Wolff. An manchen Standorten sei eine vernünftige Unterrichtsorganisation schon heute kaum noch zu gewährleisten. "Damit wir nicht wie andere Länder in großem Umfang Schulen schließen müssen, ist ein behutsames und planvolles Handeln aller Verantwortlichen erforderlich." Die Ministerin verwies darauf, dass die Schülerzahlen in den kommenden Jahren mancherorts dramatisch zurückgehen werden.

18.03.2005 Hessen Pressemeldung Hessisches Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen

Vor dem Hintergrund der aktuellen Schüler- und Klassenzahlen im Schuljahr 2004/05 hat Wolff in dieser Woche den 32 Schulträgern in Hessen erneut die Unterstützung des Ministeriums beim Erstellen der Schulentwicklungspläne angeboten. Bereits im Dezember 2004 hatten alle Städte und Landkreise Übersichten der Schüler- und Klassenzahlen aller weiterführenden Schulen in ihren Schulträgerbereichen erhalten. Darin waren Schulen, die den Richtwert nach §144a des Hessischen Schulgesetzes unterschreiten, durch Fettdruck gekennzeichnet.

"Offenheit und Transparenz des Verfahrens sind für die Akzeptanz von großer Bedeutung", sagte die Ministerin und verwies darauf, dass die Übersicht mit allen Zahlen ab heute im Internet zu finden ist ( www.kultusministerium.hessen.de ). Danach erreichen in der Sekundarstufe I 38 von 314 Hauptschulen bzw. Hauptschulzweigen an Kooperativen Gesamtschulen (KGS) den Richtwert nicht; bei Realschulen und den entsprechenden Zweigen sind es 48 von 284; bei den Gymnasien sind es 3 von 109 und beim Gymnasialzweig der KGS 52 von 127. Unter den jeweiligen Richtwerten liegen ferner 3 der insgesamt 81 Integrierten Gesamtschulen, 65 der 196 Förderstufen und 9 der 162 gymnasialen Oberstufen. Konsequenzen für schulorganisatorische Veränderungen ließen sich daraus jetzt noch nicht ableiten, betonte Wolff: "Unter dem Richtwert heißt noch lange nicht Schulschließung!" Es liege an den Schulträgern, wie sie verantwortlich mit schrumpfenden Schülerzahlen und der schwindenden Auslastung von Schulen umgehen.

Die Ministerin betonte, dass die Unterrichtsversorgung für die Landesregierung höchste Priorität habe. Unter den Vorzeichen des demographischen Wandels bedeute dies: "Damit auch in Zukunft die Kinder in dünner besiedelten Regionen Hessens den gleichen Zugang zu guter Bildung haben wie Kinder in Ballungsräumen, müssen Schulstandorte aktiv gesichert werden." Alterung und Rückgang der Bevölkerung träfen die Städte und Kreise Hessens in unterschiedlichem Maße. "Manche werden auch in Zukunft noch wachsen, während andere deutliche Rückgänge der Einwohner- und Schülerzahlen hinnehmen müssen", so Wolff. Anhand der Richtwerte könnten die Schulträger ein leistungsfähiges, pädagogisch sinnvolles und Wahlmöglichkeiten bietendes Schulangebot für die Zukunft sichern. Richtwerte gelten für Schulen der Sekundarstufen I und II, ausdrücklich nicht für Grundschulen. Sie betragen 17 Schüler in der Hauptschule, 23 in der Realschule und 24 im Gymnasium. Für die Jahrgangsbreite in der Oberstufe gilt der Richtwert 50.

"Wir wollen mehr Verteilungsgerechtigkeit: Parallele Schulangebote in geringerer Entfernung, die jedes für sich seit Jahren kaum noch ausgelastet sind und sich zudem gegenseitig die Schüler wegnehmen, müssen besser geordnet werden", verdeutlichte Wolff. Sie unterstrich jedoch auch, dass ein ausgeglichenes Bildungsangebot und die Erreichbarkeit von Schulen in Flächenkreisen anders zu beurteilen ist als in Städten. "Daher müssen regionale Besonderheiten berücksichtigt werden", sagte die Ministerin. Ein Unterschreiten der Richtwerte sei dann zulässig, wenn der Besuch einer anderen Schule des Bildungsganges unter zumutbaren Bedingungen, insbesondere aufgrund der Entfernung, nicht möglich und ein regional ausgeglichenes Bildungsangebot nicht mehr gewährleistet ist.

Die Zahlen zeigten allerdings auch, dass die Effektivität der Schulorganisation keineswegs nur davon abhängt, ob eine Region dünner besiedelt ist oder nicht. Dass selbst unter vergleichbaren Bedingungen die Schulorganisation sehr unterschiedlich sei, verdeutlichte Wolff an einem Beispiel: In einer Hauptschulklasse im Werra-Meißner-Kreis sitzen im Durchschnitt 2,3 Schüler weniger als im Landesdurchschnitt (19,67 Schüler), während die Hauptschulklasse im Kreis Fulda 0,7 Schüler mehr als der Landesdurchschnitt aufnimmt. "Solche Zahlen zeigen, wie ungerecht teilweise die Ressourcen verteilt sind und dass auch daher Handlungsbedarf besteht", so die Ministerin. (Anmerkung: Ein Vergleich der durchschnittlichen Klassengrößen findet sich ebenfalls auf der Homepage www.kultusministerium.hessen.de ).

Die Schulträger hätten nunmehr die Chance, etwa durch Schülerlenkung oder Änderungen der Schulorganisation "der kleinen Schule vor Ort eine reelle Zukunftsperspektive zu geben". Wolff erneuerte das Angebot an die Verantwortlichen, im Prozess der Schulentwicklungsplanung Beratung durch das Ministerium in Anspruch zu nehmen. "Etliche Schulträger haben davon bereits Gebrauch gemacht, einige Schulentwicklungspläne sind inzwischen abgestimmt, viele weitere sind im Verfahren. Soweit das jetzt zu überblicken ist, ist die große Mehrheit der Schulträger zur konstruktiven Mitarbeit bereit", betonte sie.

Das Kultusministerium werde zum 1. Januar 2006 den Schulträgern erneut mitteilen, welche der heute genannten Schulen die Vorgaben noch immer nicht erfüllen. Zu einem etwaigen Verbot der Neuaufnahme von Klassen oder Kursen kann es erstmals zum Beginn des Schuljahres 2006/07 kommen. "Es wird sicher einige Umwandlungen der Schulform geben, auch organisatorische Zusammenfassungen zweier jetzt selbstständiger Schulen zu einer", sagte Wolff. Zu Schulschließungen werde es, wenn überhaupt, nur in ganz wenigen Fällen kommen.


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