Pädagogische Wunschliste an Beckstein
Mit einer pädagogischen Wunschliste hat der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes, Klaus Wenzel, seine Glückwünsche für den neuen bayerischen Ministerpräsidenten, Günther Beckstein, verbunden: Bessere Lern- und Arbeitsbedingungen, mehr Lehrer und Fachpersonal für die individuelle Förderung von Schülern, kleinere Klassen und deutlich mehr Geld - das steht ganz oben auf der Wunschliste des BLLV.
10.10.2007 Bayern Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.Dagegen darf es entschieden weniger an Bürokratie und Verwal-tungsaufwand sein. Die unselige Kategorisierung des Lern- und Arbeits-verhaltens von Grundschulkindern nach den Buchstaben A bis D muss genauso vom Tisch wie das Büchergeld. "Das stundenlange Ausfüllen sog. Beobachtungsbögen lässt Grundschullehrer/innen immer noch verzweifeln, zumal sich der Sinn nicht erschließt: den sorgfältig erstellten Bewertungen folgen keinerlei pädagogische Konsequenzen", erklärte Wenzel, der sich auch ein offenes Ohr des künftigen Ministers für die Gleichwertigkeit aller Schulen und Lehrämter erhofft. Eine zentrale Aufgabe der Staatsregierung muss künftig auch darin liegen, wohnortnahe Schulen zu erhalten. "Das eröffnet Chancen für neue Schulmodelle", betonte Wenzel.
Das flächendeckende Angebot von Hauptschulen ist längst zusammengebro-chen, die Schülerzahlen sinken dramatisch. Grenznahe Regionen werden in den nächsten 16 Jahren bis zu 30 Prozent weniger Schüler haben. Während in Städ-ten ein hoch differenziertes Schulangebot wohnortnah vorgehalten werden kann, drohen auf dem Land weitere Schulauflösungen und immer längere Schulwege. Fakt ist, dass bis zum Jahr 2023 die Zahl der 6 -16 jährigen um 18% abnimmt, in einigen Regionen sogar bis zu 29%. Dazu kommt eine massive Veränderung der Schülerströme, wobei sich die Schülerzahlen in einzelnen Regionen äußerst unterschiedlich entwickeln.
Der Kampf um Schulen ist voll entbrannt. Seit der Einführung der sechsstufigen Realschule wurden 634 Teilhauptschulen und 59 Hauptschulen aufgelöst. Weite-re Schließungen drohen, besonders gefährdet sind einzügige Hauptschulen. Wenzel: "Noch immer herrscht Unklarheit darüber, mit welchen schulischen Organisations- und Gestaltungsformen die dramatische demografische Entwicklung beantwortet werden könnte. Der BLLV beschäftigt sich seit Anfang der 80er Jahre mit Alternativen - vor allem aus pädagogischer und regionalpolitischer Verant wortung. "Das ist kein Widerspruch zu den aktuellen Reformplänen für die Haupt-schule, denn die Politik steht in der Pflicht, allen Schülern, die jetzt die Hauptschule besuchen, faire Chancen zu eröffnen", erklärte Wenzel. "Künftig muss es aber möglich sein, über sinnvolle Alternativen nachzudenken, mit denen Standorte erhalten werden können. Eine Antwort sieht der BLLV in der regionalen Schul-entwicklung, die es erlaubt, passgenaue Schulkonzepte zu entwickeln." Mit dem Wunsch nach besseren Lern- und Arbeitsbedingungen verbindet der BLLV deutlich kleinere Klassen und die Möglichkeit, in kleinen Gruppen und aus-gestattet mit entsprechendem Fachpersonal, Schüler individuell und gezielt för-dern zu können. Vor allem die Schulsozialarbeit muss stärker ausgebaut werden. Überfällig ist der Abbau von Bürokratie und Verwaltungsaufgaben, die viele Leh-rer oft stundenlang beschäftigen. Die rund 5500 Schulleiter in Bayern brauchen deutlich mehr Leitungszeit. "Ihre Tätigkeit ist keine bloße Zugabe zum Lehrerberuf. Schulleitung ist vielmehr ein Hauptamt", erklärte Wenzel. Es definiert sich inzwischen als eigenes Berufsbild. Das Gelingen von Schule hängt entscheidend von der pädagogischen Gestaltungskompetenz der Schulleitungen, von ihren Arbeitsbedingungen und von ihrem dienstlichen Status ab. Daher muss ihre professionelle Kompetenz gestärkt werden.
Als probates Mittel gegen den chronischen Lehrermangel in Bayern empfahl Wenzel den Einsatz von Stufenlehrern. Sie unterrichten nach Vorstellungen des BLLV alle Schüler der Jahrgangsstufen 5 bis 10 und sind flexibel einsetzbar. "Alle Lehrer sind Lehrer", erklärte Wenzel. "Aus dieser simplen Tatsache heraus ergibt sich auch die Forderung nach gleicher Bezahlung. Sollte die Dauer des Studiums jedoch die entscheidende Rolle bei der Festlegung der Besoldung spielen, könn-te im Rahmen des Bologna-Prozesses dafür gesorgt werden, dass von allen Lehramtsstudenten die gleiche Anzahl an "Credits" verlangt wird, dass allen Studierenden die gleiche Mindeststudiendauer angeboten wird und dass alle mit dem gleichen Grad (z.B. Master of Education) abschließen können", erklärte Wenzel. Die Folge wäre ein für eine demokratische Gesellschaft völlig normaler Prozess: "Alle Lehrerinnen und Lehrer würden bezüglich Eingangsbesoldung, Arbeitszeit und Beförderungsmöglichkeiten gleich behandelt."
Deutlich mehr Geld wünscht sich der BLLV für den Elementar- und Primarbe-reich. "Jeder Euro, der frühzeitig in Bildung investiert wird, zahlt sich aus." Die im Zukunftsprogramm ´Bayern 2020´ für die nächsten vier Jahre vorgesehenen 1,5 Milliarden Euro für die Bereiche Kinder, Bildung und Arbeitsplätze, sind entschieden zu wenig. Diese Summe bräuchten wir jedes Jahr - und zwar allein für den Bildungsbereich."
Keine Kommentare vorhanden