Philologen-Verband warnt vor grünem Schulexperiment

Im Rahmen einer Landtagsanhörung zur Schulstruktur in Nordrhein-Westfalen am heutigen Tag wirbt die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN erneut für ihr Konzept einer völligen Neugestaltung des bestehenden Schulsystems in Nordrhein-Westfalen.

13.01.2010 Pressemeldung Philologenverband NRW (PhV NRW)

Für den Philologen-Verband ist dies ein Horrorkabinett schulideologischer Reformpläne. Mit Verweis auf das Land Kanada plädieren DIE GRÜNEN für die Weiterentwicklung der aktuellen Schulstrukturen zu "einer gemeinsamen Schule aller Kinder".

Der Vorsitzende des nordrhein-westfälischen Philologen-Verbandes, Peter Silbernagel, warf den Grünen im Rahmen der Anhörung eine völlig verzerrte und unseriöse Darstellung der nordrhein-westfälischen Schul-wirklichkeit vor. Die Umgestaltungsvorhaben bauten auf unbewiesenen Behauptungen, Unterstellungen und Vorurteilen. "Die Partei BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN kündigen mit der Zerschlagung aller Schulformen den Elternwillen auf. Bereits vor fünf Jahren beschlossen sie eine Einheitsschulaufsicht, die den Weg zur Einheitsschule ebnen sollte. Die bestehenden unterschiedlichen Bildungsangebote nun zu opfern, differenzierte Bildungsziele zu vereinheitlichen, unterschiedliche didaktisch-methodische Schwerpunktsetzungen zu nivellieren und beispielsweise verschiedene Formen der Berufsbezogenheit abzuschaffen, ist für Eltern wie für Schülerinnen und Schüler unzumutbar und unverantwortlich!"

Die Migrationspolitik Kanadas als Idealbild vorzustellen, verkennt die unterschiedliche Situation der Migranten in den einzelnen Zuwanderungsländern. Zur redlichen Argumentation gehört es, nicht zu verschweigen, dass anders als in Deutschland die Migranten beispielsweise in den Ländern Kanada, Australien und Neuseeland einen Sozialstatus besitzen, der dem der einheimischen Bevölkerung entspricht. Insofern sind die Ausgangssituationen in Nordrhein-Westfalen und in Kanada völlig unterschiedliche. Während bis 2005 die Maßnahmen zur Migrantenförderung in NRW insgesamt unzureichend und letztlich weitgehend ineffektiv waren, hat die Landesregierung mit der verpflichtenden frühen Sprachförderung einen entscheidenden Schritt zu einer besseren Förderung der Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund geleistet. Darüber hinaus ist es wichtig, das Bewusstsein für den Wert von Bildung in allen Bevölkerungsschichten zu verstärken. Dies ist nicht nur eine schulpolitische, sondern mehr noch eine gesellschaftspolitische Aufgabe.

"Halbwahrheiten helfen uns in der schulpolitischen Auseinandersetzung nicht weiter. Sie setzen auf Unkenntnis und streuen den Menschen Sand in die Augen. Der Philologen-Verband unterstützt nach wie vor ein differenziertes Schulformangebot, das auf der Leitidee der Wertschätzung aller Kinder und Jugendlichen basiert", so Peter Silbernagel.


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