Philologenverband sieht sich durch IGLU-Ergebnisse bestätigt: Frühe Sprachförderung in gegliedertem Schulsystem alternativlos
Der Bayerische Philologenverband sieht sich durch die heute veröffentlichten Ergebnisse der neuen IGLU-Studie in seiner Forderung nach einer verstärkten Frühförderung von Kindern bestätigt. "Der erfreuliche Trend bei den deutschen IGLU-Ergebnissen bestätiget wieder, welch zentrale Bedeutung der frühen Förderung der Sprach- und Lesekompetenzen zukommt." Gleichzeitig warnte der bpv-Vorsitzende Max Schmidt davor, aus dem relativ guten Abschneiden bei IGLU die falschen Schlüsse zu ziehen: "Die IGLU-Ergebnisse dürfen uns nicht über die weiter bestehenden Defizite in der Förderung von Kindern hinwegtäuschen. Gerade in der Sprach- und Leseförderung gibt es viel zu tun." In diesem wichtigen Bereich breche den Schulen zunehmend die Unterstützung aus den Elternhäusern weg. Zum Beleg zitierte Schmidt eine erst vor wenigen Tagen vorgestellte Umfrage des Allensbach-Instituts. Danach lesen 42 Prozent der Eltern ihren Klein- und Grundschulkindern nur unregelmäßig oder gar nicht mehr vor, bei türkischen Eltern betrage dieser Anteil sogar 80 Prozent.
28.11.2007 Bayern Pressemeldung Bayerischer Philologenverband (bpv)Wissenschaftlich belegt: Sprachkenntnisse entscheiden über Schullaufbahn
"Dabei ist die mündliche und sprachliche Kompetenz der Dreh- und Angelpunkt für die weitere schulische Laufbahn", so Schmidt. So stelle die jüngste Auswertung der PISA-Studie fest, dass die Chancen etwa von Schülern mit Migrationshintergrund auf eine höhere Schulbildung "primär davon abhängen, wie gut sie die deutsche Sprache beherrschen." Für Bayern forderte Schmidt daher verpflichtende Sprachstandtests für Vierjährige nach dem Vorbild Nordrhein-Westfalens und Hessens mit erforderlichenfalls anschließender qualifizierter Förderung. Dazu sei aber eine größere Zahl hervorragend qualifizierter Erzieher und Lehrkräfte für diese Altersstufe vonnöten. Denn es kristallisiert sich als übereinstimmendes Ergebnis deutscher und anglo-amerikanischer Studien immer eindeutiger heraus, dass für die Lern- und Entwicklungsfortschritte von Schülern fachlich, didaktisch und pädagogisch-psychologisch versierte Lehrkräfte entscheidend sind. "Dieser Tatsache muss die Erzieher- und Grundschullehrerausbildung in Bayern zukünftig mehr Rechnung tragen", betonte der bpv-Vorsitzende.
Wissenschaftlich belegt: Gesamtschulen sind Entwicklungsbremsen für Schüler
Als "konstruiert und an den Haaren herbeigezogen" bezeichnete Schmidt dagegen Behauptungen, die IGLU-Studie liefere den Beleg für die Notwendigkeit eines Systemswechsels zur Gesamtschule. "Die Beweislage aus mehreren wissenschaftlichen Studien der vergangenen Jahre ist für mich von überwältigender Eindeutigkeit: In Gesamtschulen können Schüler ihre Potenziale nur schlecht entfalten. Nach sechs Schuljahren wurden bei ansonsten gleich befähigten Gesamtschülern Leistungsrückstände von bis zu drei Jahren gegenüber Gymnasiasten dokumentiert. Als Entwicklungsbremsen für Schüler müsste man Gesamtschulen daher eigentlich mit einem Warnhinweis versehen", so Schmidt abschließend.
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