Philologenverband zur aktuellen Situation am G8: Notmaßnahmen befristet tolerierbar

"Als zeitlich begrenzte Notmaßnahme ist das tolerierbar." Mit diesen Worten kommentiert der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes (bpv) Max Schmidt die heute von Kultusminister Schneider vorgestellten Regelungen zur Überbrückung der aktuellen Probleme an den bayerischen Gymnasien. Als "immer noch beste Lösung in dieser schwierigen Situation" bezeichnet der bpv-Vorsitzende insbesondere die Entscheidung, auf weitere generelle Stundenkürzungen und strukturelle Änderungen am G8 zu verzichten und den Gymnasien stattdessen finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen. Damit könne sich jetzt jede Schule gezielt nach Personal für ihren zentral nicht abdeckbaren Bedarf umschauen.

26.06.2007 Bayern Pressemeldung Bayerischer Philologenverband (bpv)

Neue G8-Oberstufe: gute Arbeitsbedingungen für Schüler und Lehrer gewährleisten

Als positives Zeichen bewertet der Vorsitzende auch, dass das Kultusministerium jetzt verstärkt die 2009 beginnende Oberstufe ins Visier nehme. "Dazu gehört aber nicht nur, dass man strukturelle und inhaltliche Fragen klärt. Es müssen auch vertretbare Arbeitsbedingungen für Schüler und Lehrer gewährleistet sein: Mehr als 15 Schüler in den Seminaren und 20 in Abiturfächern dürfen nicht sein", forderte Schmidt.

Lehrerversorgung: Blick über das kommende Schuljahr hinaus richten

Der bpv-Vorsitzende fordert die Staatsregierung überdies dazu auf, nicht nur das kommende Schuljahr im Blick zu haben. Schmidt erinnert daran, dass der auf 2.000 Lehrer zu beziffernde Personalmehrbedarf des G8 nicht 2011 erschöpft sei; das Kultusministerium rechne inzwischen mit weiter steigenden Schülerzahlen am Gymnasium bis wenigstens 2015. In Zahlen heißt das: Jede Schule braucht bis 2011 pro Jahr wenigstens einen Lehrer mehr, um den Status quo der Unterrichtsversorgung zu halten. Das kostet landesweit jährlich rund 15 Millionen Euro zusätzlich.
Das Problem des Lehrermangels müsse daher jetzt grundsätzlicher angegangen werden. "Wir brauchen wieder attraktive, konkurrenzfähige Rahmenbedingungen am Arbeitsplatz Gymnasium", forderte Schmidt, "damit sich genügend gute Studierende für den Beruf des Gymnasiallehrers entscheiden und die aktiven Kollegen nicht vorzeitig verschlissen werden." Dazu gehörten neben der baldmöglichsten Verkleinerung der Klassen die zügige Entlastung der Lehrkräfte von überbordenden Zusatzaufgaben: "Als Folge der G8-Einführung schieben Lehrer derzeit zahllose unbezahlte Zusatzstunden in der Verwaltung, der Betreuung, bei Aufsichten, Vertretungen und selbst bei der mittäglichen Essensausgabe. Diese Zeit wäre sinnvoller in die Vor- und Nachbereitung des Unterrichts investiert", betont Schmidt. Durch die Ausdehnung des G8 in den Nachmittag komme man auf Dauer nicht ohne zusätzliche Investitionen in Betreuungs- und pädagogisches Personal, eine kindgerechte Rhythmisierung des Unterrichtstages und zusätzliche Busverbindungen aus. Der Philologenverband fordert daher von Staat und Kommunen, die für einen vernünftigen Schulbetrieb und die Erfüllung des Bildungsauftrages benötigten Mittel verlässlich zur Verfügung zu stellen. "Die Politik sollte nicht riskieren, dass das Gymnasium zu einem bildungspolitischen Dauerärgernis wird. Das würde unserem Schulsystem, aber zuallererst unseren Schülern schaden", so Schmidt zur Begründung.


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