Plenum stellt Weichen für künftige Arbeit der HRK

Über drei wichtige Grundsatzentscheidungen bezüglich künftiger Aufgaben und Struktur der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) hat die HRK-Plenarversammlung sich am 21. Februar in Bayreuth verständigt.

21.02.2006 Pressemeldung Hochschulrektorenkonferenz

Es bestand Einvernehmen darüber, dass die HRK als Stimme aller Hochschulen in der gesamten Bundesrepublik dringend notwendig ist und ihr in der künftigen Hochschulpolitik unter den Vorzeichen neuer föderaler Strukturen eine noch wachsende Bedeutung zukommen wird. In dieser Situation habe die Hochschulrektorenkonferenz die dringende Aufgabe, ein koordiniertes Vorgehen der Länder einzufordern, konstruktiv an Lösungswegen mit zu arbeiten, Fehlentwicklungen aufzuzeigen und die Gesamtinteressen der deutschen Hochschulen zu artikulieren. Dazu bedürfe es u. a. einer Intensivierung der Zusammenarbeit mit der Kultusministerkonferenz und den Landesrektorenkonferenzen, aber auch mit dem Bund in seinen neuen Zuständigkeitsbereichen.

Die Plenarteilnehmer zeigten sich einig, dass intern auf die weiter zunehmende Diversifizierung zwischen den Hochschulen reagiert werden sollte. Dazu gehöre es, unterschiedliche Meinungen und Interessenlagen innerhalb der HRK auszudiskutieren und sich auf angemessene Verfahren der Meinungsäußerung für Situationen zu verständigen, in denen ein Konsens nicht erreichbar ist bzw. sinnvoll erscheint.

Es wurde eine Kommission eingesetzt, die Vorschläge für strukturelle Änderungen angesichts dieser neuen Entwicklungen in den externen wie internen Aufgabenstellungen entwickeln soll. Hierzu wurden konkrete Aufgaben und Fragestellung benannt, die im Plenum vordiskutiert wurden.

Weiter wurde beschlossen, dass die HRK-Mitgliedshochschulen durch eine Umlage auch die Finanzierung eines(r) hauptamtlichen Präsidenten/in, wie es die HRK-Ordnung für die Amtsführung schon vorsieht, sicherstellen wollen. Grund ist, dass es keine verbindliche Vereinbarung mit den Bundesländern gibt, Amtsinhaber, die nicht bereits pensioniert/emeritiert sind, trotz Beurlaubung aus dem Landesamt weiter zu finanzieren.

Die Nominationsfrist zur Wahl eines neuen Präsidenten oder einer neuen Präsidentin wurde angesichts der geklärten Rahmenbedingungen auf den 3. März verschoben. Kandidat(inn)en soll eine angemessene Zeitspanne gegeben werden, eine Kandidatur zu erwägen. Andernfalls hätte die Nominationsfrist bereits einen Tag nach dem Plenum geendet.

Exzellenz-Förderung nicht auf Kosten der bestehenden Hochschulfinanzierung

Auf Signale aus einigen Ländern, dass für die Exzellenzinitiative kein zusätzliches Geld zur Verfügung stehen wird, hat das Plenum der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) am 21. Februar in Bayreuth mit Protest reagiert. 25 Prozent der Kosten für die geförderten Projekte müssen jeweils vom Sitzland der Hochschule aufgebracht werden. Dies darf auf keinen Fall aus den besehenden Haushaltsansätzen zu Lasten anderer geplanter Maßnahmen gehen.

"Wenn Länder für ihren Finanzanteil kein zusätzliches Geld freimachen, ist die Geschäftsgrundlage gefährdet, auf der die Hochschulen die Initiative begrüßt und unterstützt haben", erläuterte der amtierende HRK-Präsident, Professor Dr. Burkhard Rauhut, im Anschluss an die Plenarversammlung. "Es ist vollkommen klar, dass wir es uns in der derzeitigen Situation nicht leisten können, Geld aus anderen Hochschulen abzuziehen. Bei der Exzellenzinitiative geht es darum, Spitze zu fördern und internationale Reputation zu fördern. Die gute Idee würde ad absurdum geführt, wenn die Finanzierung der Spitzenuniversitäten zu Lasten der anderen Hochschulen erfolgte."

Lehramtsausbildung mit den Bologna-Strukturen neu gestalten!

Die Hochschulen wollen den Bologna-Prozess nutzen, um die Lehramtsausbildung konsequent auf den Qualifizierungsbedarf künftiger Lehrerinnen und Lehrer auszurichten. Dies geht aus einem Beschluss des Plenums der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) hervor, das am 21. Februar in Bayreuth tagte.

"Der Bologna-Prozess erfordert die Orientierung der Studiengänge an Qualifikationszielen und Kompetenzprofilen. Dies, ist eine große Chance auch für die Lehrerbildung", erläuterte der kommissarische Präsident der HRK, Prof. Burkhard Rauhut, nach der Sitzung. "Die Hochschulen müssen die Studiengänge reformieren und ihre Bestandteile besser aufeinander abstimmen. Ziel muss es sein, dass sich die Hochschulen mit den Kultusministerien auf Ziele der Lehrerbildung einigen und dann bei der Akkreditierung prüfen lassen, ob sie in den Studiengängen der Hochschulen wirklich erreicht werden." Die inhaltliche Ausgestaltung der Studiengänge liegt in der Verantwortung der Hochschulen.

Die HRK fordert, die Schulministerien als Arbeitgebervertreter an diesen Verfahren zu beteiligen. Allerdings sollte dies in der in anderen Bereichen üblichen Rolle geschehen und nicht mit einem Vetorecht, wie dies die KMK im vergangenen Jahr beschlossen hat. Eine der Grundlagen, an denen sich die Studiengänge messen lassen müssten, seien die Ziele und Standards, die die Kultusminister für die Lehrerbildung gemeinsam mit der Wissenschaft entwickeln wollen. Auf dieser Basis könnten im Studium Fachwissenschaften, Fachdidaktiken und Bildungswissenschaften im Zusammenspiel stärker auf die Bedürfnisse künftiger Lehrerinnen und Lehrer zugeschnitten werden.

Welche Kompetenzen die Schule heute und in Zukunft fordert und wie sie am sinnvollsten zu vermitteln sind, müsse dringend stärker erforscht werden, betonte Rauhut. "Wir brauchen eine hochwertige Lehre, aber auch Schul- und Lehrerbildungsforschung", sagte er an die Politik gerichtet. Klar sei aber auch, dass die Hochschule nicht alles vermitteln könne, was ein Lehrer oder eine Lehrerin im Berufsleben benötigen. "Zur Lehrerbildung gehören neben dem Hochschulstudium der Vorbereitungsdienst, die Fort- und Weiterbildung, aber auch die Personalentwicklung in den Schulen."

Den viel beschworenen Widerspruch zwischen einer zielorientierten Lehrerbildung und der so genannten Polyvalenz der Bachelor-Studiengänge sieht Rauhut nicht: "Die lehramtsbefähigenden Bachelor-Programme müssen auch andere Perspektiven als den Lehrerberuf bieten. Niemand kennt die Beschäftigungschancen im Schuldienst am Ende des Studiums. Und viele Studierende erleben im Studium, dass ihr ursprüngliches Berufsziel doch nicht zu ihnen passt." Schon jetzt gebe es überzeugende Wege, die Studierenden frühzeitig an das Berufsfeld heranzuführen und dennoch alternative Studien- und Berufsperspektiven zu eröffnen.

Die Diskussion über die Lehrerbildung hatte, ausgelöst durch die Ereignisse der Pisa-Studie vor einigen Jahren, zu einer weit reichenden Einigkeit über die notwendigen Reformen geführt und großes Echo gefunden. In der oftmals formal erscheinenden Diskussion um die Einführung der Bachelor- und Masterabschlüsse in der Lehrerbildung stellt die HRK mit ihrer Empfehlung nun erneut die inhaltlichen Reformziele in den Mittelpunkt. Die Hochschulen haben inzwischen vielfältige Konzepte gestufter Lehrerbildung entwickelt. Ihre Chancen und Probleme haben Vertreter von Hochschulen, Ministerien und Schulen kürzlich im Rahmen einer Tagung der HRK und des Stifterverbandes für die Deutsche Wirtschaft am 26. Januar 2006 in Berlin diskutiert

HRK-Termine

28.2.2006, Konferenz "Hochschulreform in Japan und Deutschland - Bilanz und Ausblick", Tokio
20.3.2006, Sitzungen der HRK-Mitgliedergruppen Universitäten und Fachhochschulen (Wahlen der Sprecher/innen)
21.3.2006, HRK-Plenum (Wahl des/der neuen HRK-Präsidenten/in), Bonn (Pressekonferenz am 21. oder 22.3.)
4./5.5.2006, HRK-Jahresversammlung (Thema: Deutsche Hochschulen zwischen Bundesländern und Europa), Greifswald
(Pressekonferenz am 4.5.)


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