Protest gegen "pornografische" Pflichtlektüre
(red) Dass das Buch "Selam Berlin" von Yadé Karas in Niedersachsen zur Pflichtlektüre in den zehnten Klassen an Integrierten Gesamtschulen gehört, stößt nicht unbedingt auf Begeisterung. Ein Deutschlehrer hat jetzt etliche anstößige Textstellen aus dem Buch zusammengetragen und der Vorsitzende des Philologenverbands Heinz-Peter Meidinger äußert sich irritiert über die Auswahl von "Selam Berlin" zur Pflichtlektüre.
16.08.2010 Artikel"Platter geht es nicht. In diesem Buch reiht sich Klischee an Klischee. Und es werden Grenzen zur Pornografie überschritten", so das Fazit des Deutschlehrers in der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ). Seine Einschätzung belegt er damit, dass "genüsslich zwischen den Beinen gekratzt", onaniert und derbe über primäre weibliche Geschlechtsorgane gesprochen werde, wobei es nicht beim Begriff "Muschi" bleibe.
Der Roman der türkischen Autorin Yadé Kara wurde 2004 mit dem Deutschen Bücherpreis für das beste Debüt ausgezeichnet und ist im Schuljahr 2010/2011 verbindlicher Lesestoff im 10. Schuljahrgang der Integrierten Gesamtschulen. Klagen über das Buch seien im niedersächsischen Kultusministerium bislang aber nicht zu Ohren gekommen, wird eine Sprecherin des Ministeriums in der Zeitung zitiert.
Eine so umstrittene Lektüre wie "Selam Berlin" verpflichtend zu machen und Schüler mit dem Roman zu konfrontieren, entspreche nicht dem Bildungsauftrag der Schule, erklärte der Vorsitzende des Philologenverbands Heinz-Peter Meidinger gegenüber der NOZ. "Ich würde das Buch aufgrund bestimmter Passagen nicht als verpflichtenden Lehrstoff vorschreiben", so Meidinger weiter.
Weiterführende Links
- NOZ: Mauerfall und Muschis
- NOZ: Pflichtlektüre: Was ein Lehrer zum Buch „Selam Berlin“ schreibt
- Philologenverband: „Selam Berlin“ sollte nicht verpflichtende Lektüre sein
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