Qualität nicht Quote opfern

Der Realschullehrerverband (RLV) NRW und die Landeselternschaft Realschulen (LERS) unterstützen ausdrücklich das Ziel, die Zahl der Sitzenbleiber zu senken, können jedoch die heute in Düsseldorf unterzeichnete Vereinbarung zur Reduzierung der Sitzenbleiberquote nicht mittragen.

29.04.2008 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Realschullehrerverband NRW

Bekanntlich möchte die Landesregierung die Zahl der Sitzenbleiber innerhalb von fünf Jahren um die Hälfte reduzieren, ohne das Leistungsniveau abzusenken. RLV und LERS sind sich allerdings einig, dass dieses im Grundsatz löbliche Ziel unter den gegebenen Rahmenbedingungen nicht erreichbar ist. Denn die Umsetzung bleibt in erster Linie an den Schulen und an der LandesschülerInnenvertretung NRW hängen.

Das Land stellt lediglich 100 Lehrerstellen zur Verfügung. Das macht bei 300 Schulen, die sich an dem Projekt beteiligen können, 0,3 Lehrerstellen pro Schule. "Das ist einfach zu wenig, zumal diese zusätzlichen Lehrerstellenanteile ohnehin nur personell unterdurchschnittlich besetzten Schulen gewährt werden", betont RLV-Vorsitzender Ulrich Brambach.

Gerade unter den schlechten Rahmenbedingungen an den von der Politik seit Jahren vernachlässigten Realschulen ist die Senkung der Sitzenbleiberquote mit dem vom Ministerium vorgelegten Konzept nicht möglich. "Uns erreichen regelmäßig Klagen von Eltern, die uns auf die teils dramatische Unterversorgung der Realschulen mit Lehrkräften hinweisen", berichtet LERS-Vorsitzender Andre Ruhl. "Einige Realschulen haben größte Mühe, die reguläre Stundentafel zu erfüllen." Vor diesem Hintergrund kann eine Reduzierung der Sitzenbleiberquote nur mit erheblichen Qualitätsverlusten erkauft werden. So droht das Projekt in populistischer Notenkosmetik zu enden.

"Wir brauchen Qualität", erklären die beiden Verbandsvorsitzenden Brambach und Ruhl unisono. "Qualität ist das Markenzeichen der Realschulen. Sie ist die Basis für den sehr guten Ruf, den Realschul-Absolventen in der Wirtschaft genießen. Dieses Markenzeichen werden wir pflegen und nicht leichtfertig aufs Spiel setzen. Wir dürfen Qualität nicht Quote opfern."

Über den Realschullehrerverband NRW:

Der RLV NRW vertritt als landesweit einziger Lehrerverband dezidiert die Interessen der Lehrkräfte an den über 550 Realschulen in NRW, die mit rund 340.000 Schülerinnen und Schülern eine starke, intakte Schulform und eine Säule des Schulsystems bilden. Unter dem Dach des Deutschen Beamtenbundes (dbb) tritt der RLV NRW für ein vielgliedriges Schulsystem in öffentlicher und privater Trägerschaft ein.

Über die Landeselternschaft Realschulen:

Die Landeselternschaft der Realschulen (LERS) in NRW vertritt die Interessen der Eltern von 340.000 Realschülern in NRW auf Landesebene, z.B. gegenüber dem Schulministerium, dem Landtag und den Schulaufsichtsbehörden. Außerdem unterstützt und berät sie Realschuleltern bei ihrer Bildungs- und Erziehungsarbeit, insbesondere im schulischen Bereich. Die LERS vertritt darüber hinaus die nordrhein-westfälischen Realschulen auf Bundesebene. Sie muss ihre Arbeit ausschließlich durch die freiwilligen Beiträge der Elternschaft finanzieren, da das Schulministerium - anders als in den meisten übrigen Bundesländern - keine finanziellen Mittel für die gesetzliche Mitwirkungsarbeit der Elternverbände zur Verfügung stellt.

Gemeinsame Pressemitteilung des Realschullehrerverbandes NRW und der Landeselternschaft Realschulen


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