Qualitätsoffensive Hauptschule

„Da die Landesregierung die Qualitätsoffensive immer wieder als zentrales Element ihrer Schulpolitik verkauft, muss sich zwischendurch auch immer wieder daran erinnert werden, dass diese Qualitätsoffensive sich nicht in der Umwandlung von Hauptschulen in Ganztagsschulen erschöpfen darf“, erklärt Udo Beckmann, Vorsitzender der Lehrergewerkschaft Verband Bildung und Erziehung (VBE NRW). „Der VBE vermisst ein Konzept der Landesregierung, mit dem sie den Fachlehrermangel an Hauptschulen beheben will.“

20.03.2006 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband NRW

Im aktuellen Schuljahr werden laut Statistik des Ministeriums 43,4% der Physikstunden an Hauptschulen fachfremd erteilt. An den Realschulen im Land sind es nur 20,4%. Auch in den Fächern Mathematik, Chemie und Englisch würden an vielen Schulen die Stundentafeln zusammenbrechen, wenn nicht Lehrerinnen und Lehrer Unterricht erteilen würden, ohne das jeweilige Fach studiert zu haben. 37,9 % der Chemiestunden an Hauptschulen werden von Lehrerinnen und Lehrer ohne fachlichen Abschluss erteilt, an den Realschulen sind es dagegen nur 4,7%. 35,7% des Englischunterrichts an den Hauptschulen wird fachfremd erteilt, an den Realschulen nur 5%. In Mathematik liegt der Anteil der fachfremd erteilten Stunden an den Hauptschulen bei 30,2%, an den Realschulen bei 16,7%.

„Zu einer Qualitätsoffensive Hauptschule gehört auch, dass der Arbeitsplatz Hauptschule für junge Lehrerinnen und Lehrer wieder an Attraktivität gewinnt“, so Beckmann weiter. „Wenn der Landesregierung die Bildung der Hauptschülerinnen und –schüler wirklich am Herzen liegt, sollte ihr auch die Arbeitssituation der Lehrerinnen und Lehrer am Herzen liegen.“

Gut ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer neigen dazu, die Hauptschule als möglichen Arbeitsplatz zu meiden. Das hat auch damit zu tun, dass ihre Aufstiegschancen hier weit geringer sind als an Realschulen oder Gymnasien. Beispielsweise liegt die Zahl der A 13- Beförderungsstellen an Realschulen bei 40%. An Hauptschulen sind es dagegen nur 10%, die noch nicht einmal voll ausgeschöpft werden.

„Das Problem ließe sich allerdings auch dadurch lösen, dass beispielsweise bei der Schaffung von Verbünden zwischen Haupt- und Realschulen, die angesichts der sinkenden Schülerzahlen ohnehin unverzichtbar sein werden, Fachlehrerinnen und Fachlehrer aus den Realschulen auch für den Hauptschulbildungsgang zuständig sein müssen und umgekehrt“, so Beckmann abschließend. „Das wäre ein Beitrag zur Qualitätsoffensive Hauptschule, den der VBE gerne mittragen würde.“


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