"Richtige" Ganztagsschulen statt Mittagsbetreuung bis 16:00 Uhr!

Die von der GEW Bayern bereits 1999 als unprofessionelle Maßnahme kritisierte Mittagsbetreuung an bayerischen Grund- und Förderschulen wird zum kommenden Schuljahr weiter ausgebaut und bis mindestens 15:30 Uhr verlängert. Auch wenn der bisher jämmerliche staatliche Zuschuss auf 7.000 € pro Gruppe mehr als verdoppelt wird, lehnt die GEW Bayern diese Maßnahme ab, denn sie ist kontraproduktiv zur längst fälligen Einrichtung von "richtigen" Ganztagsschulen für alle Kinder.

10.07.2008 Bayern Pressemeldung GEW Bayern

Die billigere Mittagsbetreuung steht außerdem in Konkurrenz zu den pädagogischen Angeboten der Kinderhorte. "Allerdings ist sie für Eltern, die auch in Ferienzeiten auf eine gute pädagogische Betreuung ihrer Kinder angewiesen sind, keine Lösung", so Gele Neubäcker, Vorsitzende der GEW Bayern. "Die betroffenen Kinder müssen dann während der Ferien in Kindertagesstätten gehen und sich dort für kurze Zeit in neuen Bezugsgruppen zurechtfinden."

Im Gegensatz zu den Kindertagesstätten waren die fachlichen Standards in der Mittagsbetreuung bisher nicht gesichert und sind es auch künftig nicht. Es gelten alte Richtlinien von 1999, die bezüglich der Qualifikation des Personals (es reicht, irgendwie mit Schulkindern umgehen zu können), dem Personalschlüssel, den Räumlichkeiten und den pädagogischen Inhalten von Beliebigkeit geprägt sind.

Ein warmes Mittagessen, das den Anforderungen des bayerischen Kultusministeriums an anderer Stelle entspricht, ist keineswegs selbstverständlich. Das am 8. Juli gestartete "Landesprogramm gute gesunde Schule" und die Initiative "voll fit" werden ihren Erfolg auch an der Qualität der Mittagsverpflegung an Schulen messen lassen müssen.

Kosten von drei Euro und mehr sind zudem v. a. für Familien mit geringem Einkommen und solche, die auf Hartz IV angewiesen sind, völlig inakzeptabel. Der Tagessatz für Ernährung, der einem Schulkind nach Hartz IV zugestanden wird, liegt darunter! In bestehenden bayerischen Ganztagsklassen sind derzeit viele Kinder der entwürdigenden Situation ausgesetzt, nicht am gemeinsamen Mittagessen teilnehmen zu können, weil sie ihr Essensgeld nicht bezahlen konnten. Im Interesse einer sozialen Integration fordert die GEW daher für alle Kinder, die im kommenden Schuljahr an irgend einer Ganztagsmaßnahme teilnehmen, ein kostenloses Mittagessen mit guter Qualität. Dies ist z. B. in Finnland seit Jahrzehnten üblich, und so gut wie alle Schüler/innen nehmen es in Anspruch.

Arbeitsbedingungen und Bezahlung von Beschäftigten in der Mittagsbetreuung sind häufig prekär. Die Mehrzahl der Mitarbeiter/innen arbeitet auf 400-Euro-Basis oder als Honorarkraft, sogar Ein-Euro-Jobs sind üblich.

Träger ohne Tarifbindung nutzen die für Fachkräfte ungünstige Arbeitsmarktsituation aus. Da gute pädagogische Arbeit ohne berufliche Perspektiven nicht möglich ist, fordert Neubäcker unbefristete Arbeitsverträge und eine tarifliche Bezahlung auch für alle in der Mittagsbetreuung tätigen Kräfte.

Ansprechpartner

GEW Bayern

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