RLV nimmt den Kampf um die Realschulen an

Der Realschullehrerverband NRW wertet den jüngsten Kurswechsel der FDP als Angriff auf das dreigliedrige Schulsystem und auf die 550 Realschulen in Nordrhein-Westfalen. "Der RLV wird ein solch hanebüchenes Zwei-Säulen-Modell, wie es die FDP gerade propagiert, mit aller Entschlossenheit bekämpfen", kündigte RLV-Vorsitzender Ulrich Brambach auf dem 40. Mülheimer Kongress an.

16.11.2007 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Realschullehrerverband NRW

Unter den Teilnehmern des Kongresses, der als bedeutendstes bildungswissenschaftliches Forum zum Thema Realschule in NRW gilt, herrschte eine ebenso empörte wie kämpferische Stimmung. Von Mülheim geht in eindrucksvoller Geschlossenheit das Signal aus, dass die Realschulen mit ihren 330.000 Schülern das stabilisierende Rückgrat des dreigliedrigen Schulsystems bleiben müssen. Die Realschule ist ein Erfolgsmodell, das mehreren Schülergenerationen einen optimalen Berufseinstieg bereitet hat und dies auch in Zukunft leisten wird. Der RLV hängt nicht an überholten Traditionen, unterstreicht Brambach. "Wir sind bereit, den Bildungsgang Realschule weiterzuentwickeln, aber wir sind nicht bereit, ihn für eine unausgegorene Einheitsschule zu opfern."

Die von der FDP ins Gespräch gebrachte regionale Mittelschule "zwingt zusammen, was nicht zusammen gehört", erklärt der RLV-Vorsitzende. Dieses absurde Konglomerat übertrage die Probleme der Haupt- und Gesamtschulen auf die Realschulen. Die Folge sei ein eklatanter Qualitätsverlust.

"Dem so genannten Innovationsminister Pinkwart gehen offensichtlich die Ideen aus", so Brambach. "Anders kann ich mir nicht erklären, warum er ohne Not ein miserables Einheitsschul-Konzept aus Rheinland-Pfalz abkupfert."

Noch größere und unübersichtlichere Lernanstalten zu schaffen, könne keine Antwort auf den demografischen Wandel sein, betont Brambach. Rückläufige Schülerzahlen böten stattdessen enorme Chancen im Hinblick auf die landauf, landab gepredigte individuelle Förderung: "Selbst wenn die Schülerzahlen um 20 Prozent zurückgehen sollten, würde das rein rechnerisch bedeuten, dass die Klassengrößen von durchschnittlich 32 Schülerinnen und Schülern auf knapp 26 absinken. Und selbst das ist noch zuviel."

Mit Nachdruck mahnte Brambach bessere Rahmenbedingungen für die Realschulen an. Gemessen an dem, was nordrhein-westfälische Landesregierungen jeglicher politischer Couleur den Realschulen an Geld und Engagement versagt haben und was sie dafür im Gegenzug an Leistung zurückerhalten haben, kann man nur sagen: Die Realschule ist die effektivste Schulform überhaupt.

"Fakt ist nämlich, dass die Schülerinnen und Schüler nirgendwo bildungspolitisch derart vernachlässigt werden wie an Realschulen", so Brambach. "Die Realschule ist die am schlechtesten ausgestattete Schulform. Sie hat die höchste Schüler-Lehrer-Relation und gleichzeitig die höchste Lehrerpflichtstundenzahl. Dass sie unter diesen Rahmenbedingungen eine solch anerkannt hohe Qualität abliefert, ist eine Leistung, die bisher auf fast schon skandalöse Weise unbeachtet geblieben ist. Damit muss Schluss sein!"

Als zentrale RLV-Forderungen zur Sicherung des hohen Standards der Realschulen benannte Brambach in diesem Zusammenhang:

  • Wir brauchen kleinere Klassen, um individuelle Förderung besser umsetzen zu können.
  • Wir brauchen vermehrt Ganztagsbetrieb, vor allem in sozialen Brennpunkten und zur Standortsicherung
  • Wir brauchen mehr Entlastung in den Kollegien. Darum fordern wir den Zweiten Realschulkonrektor für alle Realschulen, unabhängig von der Schülerzahl.
  • Wir brauchen Beförderungsmöglichkeiten zur Motivation und als Anreiz zur Gewinnung von qualifiziertem Nachwuchs.
  • Wir brauchen einen Lehrstuhl für Realschulpädagogik und -didaktik nach dem Vorbild Bayerns, das gerade einen solchen Lehrstuhl eingerichtet hat
  • Wir brauchen, kurz gesagt: Finanzielle und personelle Zuwendungen für einen Motivationsschub an den Realschulen.

16.11.2007 Jochen Smets, Pressesprecher Über den Realschullehrerverband NRW:
Der RLV NRW vertritt als landesweit einziger Lehrerverband dezidiert die Interessen der Lehrkräfte an den über 550 Realschulen in NRW, die mit rund 330.000 Schülerinnen und Schülern eine starke, intakte Schulform und eine Säule des Schulsystems bilden. Unter dem Dach des Deutschen Beamtenbundes (dbb) tritt der RLV NRW für ein vielgliedriges Schulsystem in öffentlicher und privater Trägerschaft ein.


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