Schulanfangsphase 2005/06: Kein pädagogisches Konzept in Sicht, aber schon Steinbruch für Finanzsenator Sarrazin?

In nur 5 Monaten soll zum 1. August 2005 eines der Kernstücke des neuen Berliner Schulgesetzes umgesetzt werden. Bisher nicht schulpflichtige, 5 1/2-jährige Kinder werden mit schulpflichtigen Kindern bis zum Ende der 2. Klasse zusammengefasst und unterrichtet. Bis heute ist offen, nach welchem organisatorisch-pädagogischen Konzept dies erfolgen soll, obwohl die Planungen für das kommende Schuljahr längst im Gange sind.

04.03.2005 Berlin Pressemeldung GEW Berlin

Dieser unhaltbare Zustand hat inzwischen dazu geführt, dass sowohl betroffene Schulleitungen als auch Vorklassenleiterinnen an Grundschulen, die sich speziell um die Belange bisher nicht schulpflichtiger 5 1/2-jähriger oder zurück gestellter Schüler gekümmert haben, bei Bildungssenator Böger - ein kompromissloser Befürworter der Abschaffung der bisherigen Vorklassen - eine klare Aussage dahingehend angemahnt haben, wie denn mit dieser Schülergruppe umzugehen sein wird. Staatssekretär Härtel hatte hierzu auf einer GEW-Veranstaltung am 7. Dezember 2004 zur Zukunft der Vorklassenleiterinnen eingeräumt, dass es hier Versäumnisse der Bildungsverwaltung gegeben habe. Diese bestehen fort.

Unabhängig davon ist jetzt bekannt geworden, dass bereits ein Finanzgeschacher zwischen der Bildungs- und der Finanzverwaltung im Gange ist, um angeblich nicht mehr vertretbare "Gehaltsvorsprünge" der scheinbar nicht mehr benötigten Vorklassenleiterinnen zu beseitigen. Die Bildungsverwaltung, die sich an den tariflichen Bestandsschutz halten will, stößt auf den erbitterten Widerstand des Finanzsenators, der die "Gehaltsvorsprünge" bei Vorklassenleiterinnen, die diese Tätigkeit bereits seit mehr als 10 Jahren ausüben, nur noch für 5 Jahre fortzahlen will. Diejenigen, die weniger als 10 Jahre in der Vorklasse gearbeitet haben, sollen nur eine einmalige Abfindung erhalten.

Hierzu Ilse Schaad, Tarifexpertin der GEW BERLIN: "Die Absicht des Finanzsenators ist eindeutig tarifwidrig. Staatssekretär Härtel hat den Vorklassenleiterinnen in einer öffentlichen Veranstaltung zugesichert, dass es keine Änderungskündigungen geben wird."

Ulrich Thöne, Vorsitzender der GEW BERLIN erklärte: "Die GEW BERLIN wird ihre Mitglieder vor diesem ungeheuerlichen Angriff schützen und gegen jede Kündigung arbeitsgerichtlich vorgehen. Darüber hinaus ist es pädagogisch völlig unsinnig, die in der Unterrichtung und Betreuung dieser Kinder erfahrenen Beschäftigten aus dem Unterrichtsbereich zu verdrängen statt sich deren jahrelange Erfahrung und zusätzlich erworbene Qualifikation im Interesse der Schülerinnen und Schüler und der Bildungsqualität zunutze zu machen."

Aufgrund eines Gutachtens eines renommierten Fachanwalts sieht die GEW BERLIN eventuellen Rechtsstreitigkeiten mit einiger Gelassenheit entgegen. Sie wird ihren Mitgliedern unter jedem Aspekt Rechtschutz gewähren.

Ansprechpartner

GEW Berlin

Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden