Schulbuch ade – her mit dem Laptop?
Inzwischen sind nahezu alle Schulen im Netz, stehen Computer in vielen Klassenzimmern und auf dem häuslichen Schülerschreibtisch. In spanischen und amerikanischen Modellklassen wird bereits nur noch digital und ganz ohne Buch gelernt. Bekommen die traditionellen Medien wie Schulbücher und Workbooks die rote Karte?
09.01.2006 ArtikelNein – sagen zumindest die Verantwortlichen der Schulbuchverlage.„Alle Erfahrungen in den letzten Jahren zeigen, dass die elektronischen Medien das Buch nicht annähernd so stark substituieren, wie dies früher einmal angenommen wurde. Wir gehen deshalb davon aus, dass das Buch weiterhin das Leitmedium für das schulische Lernen bleibt“, so Martin Bergmann vom Dudenverlag.
Zustimmung auch aus den anderen Verlagen: „Die Erfahrungen haben gezeigt, dass das Schulbuch weiterhin eine zentrale Stellung im Unterricht einnimmt. Es kann aber Sinn machen, das Schulbuch um die Vorzüge der interaktiven Medien zu ergänzen“, meint Rüdiger Feldmann vom Cornelsen Verlag. Und das heißt: Die Anbieter setzen weiterhin aufs Buch, aber nicht ausschließlich. „Wir gehen davon aus, dass Buch, Arbeitsheft, CD-ROM und Internet mit ihren jeweiligen Vorteilen im Unterricht eingesetzt werden“, so Ulrike Jürgens vom Bildungshaus Schulbuchverlage aus Braunschweig. Das Resümee von Thomas Baumann vom Stuttgarter Klett-Verlag: „Keines der drei Medien wird auf der Strecke bleiben.“
Selbst einer, der vom Siegeszug der neuen Medien überzeugt sein müsste, möchte nicht den Abschied vom Buch propagieren. Denn welches Medium zum Einsatz komme, so Dr. Dirk Frank von Schulen ans Netz, werde durch die Ziele und die übrigen Parameter des Unterrichts bestimmt: „Ein nicht zu unterschätzendes Planungskriterium ist dabei die Abwägung von Aufwand und Ertrag.“
Wenn die Technik nicht mitspielt
Und da ziehen die neuen Medien mitunter den Kürzeren. Wenn nämlich ein Großteil der Unterrichtszeit für die Abwicklung technischer Probleme draufgeht, weil Soft- und Hardware nicht so funktionieren, wie der Lehrer sich das vorgestellt hat. „Natürlich sind noch längst nicht alle Lehrkräfte ausreichend geschult, noch längst nicht fühlen sich alle sicher genug für den Einsatz der neuen Medien. Und natürlich gibt es nicht zuletzt auch organisatorische und technische Hindernisse, die es oftmals in der Praxis zu überwinden gilt“, weiß Frank aus Erfahrung.
Lehrer entdecken Vorteile
Das könnte sich nach und nach ändern, denn immer mehr Lehrer schätzen die neuen Medien als Hilfe für die Vorbereitung des Unterrichts und greifen auf Software und aufs Internet zurück. Eine Nachfrage, die die Schulbuchverlage bislang mit diversen Printmedien bedient haben. Jetzt setzen sie auch hier zusätzlich auf CD-ROM und Internet. Steigende Zugriffe auf ihre Angebote verzeichnen auch die Lehrerplattformen von Schulen ans Netz.
Also werden die neuen Medien doch bald die Nase vorn haben? Im Schulalltag wird sich eine einfache Formel durchsetzen: Nimmt man das Medium, das am besten zu den Lerninhalten, den Lernenden und den Lehrenden passt, werden auch gute Lernerfolge zu erwarten sein. Da kann – bei stark heterogenen Gruppen etwa – der Computer bessere Dienste leisten als ein Schulbuch, weil die verschiedenen Lerntypen von der Software berücksichtigt werden. Es kann also individueller gelernt werden. Auch für den grenzübergreifenden Austausch, so Frank, können mit Computer und Internet ganz neue Akzente gesetzt werden.
In anderen Situationen hingegen ist das Schulbuch besser geeignet, weil die Informationen schnell und unkompliziert verfügbar sind. Oder wie Prof. Dr. Gerd Schweizer von der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg es treffend formuliert hat: „Der Einsatz des Schulbuches ist weder an Ort noch an Zeit gebunden, man kann im Pausenhof, im Wartehäuschen und im Bus kurz noch etwas nachblättern. Zudem weist dieses Lernmittel keinerlei Störanfälligkeit im Vergleich zu den technischen Medien auf und ist darüber hinaus noch relativ preisgünstig.“ Auf absehbare Zeit wird es deshalb ein „friedliches“ Neben- und Miteinander der verschiedenen Medienformen geben, das möglichst produktiv für die Lerner wirken soll.
Weiterführende Links
- 'Laptop' und 'Unterricht'
- Schulen ans Netz
- Cornelsen Verlag
- Duden Verlag
- Klett Verlag
- Westermann Schulbuchverlag
- Homepage Prof. Dr. Gerd Schweizer
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