Schulen sehen in der Projektprüfung eine Riesenchance für Schülerinnen und Schüler

"Die Projektprüfung an den Hauptschulen hat eine Dynamik entfaltet, die ich in dieser Intensität nicht erwartet hätte." Mit diesen Worten hat Kultusministerin Karin Wolff heute die Arbeit der Schulen gewürdigt, die das für Hessen neuartige Prüfungsverfahren im Frühjahr 2004 auf Anhieb zum Erfolg geführt haben und dies auch bescheinigen.

21.05.2004 Hessen Pressemeldung Hessisches Kultusministerium

Das zeigen die Ergebnisse einer Erhebung, die das Ministerium zu der erstmals landesweit verbindlichen Projektprüfung im Bildungsgang Hauptschule durchgeführt hat. Danach sieht eine Mehrheit von über 80 Prozent der Lehrkräfte und 90 Prozent der Schulleitungen von der Projektprüfung positive Impulse für die Schülermotivation und die Unterrichtsentwicklung ausgehen. Mehr als zwei Drittel der Lehrkräfte gibt an, schon in der Vorbereitungsphase und in der Projektprüfung selbst Qualifikationen der Jugendlichen erkannt zu haben, die ihnen vorher unbekannt waren. "Die Projektarbeit kann zur Ausbildungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler einen positiven Beitrag leisten" sagen 98 Prozent der Schulleitungen.

"Die Rückmeldungen sind eine solide Ausgangslage für unsere Landesprüfungen insgesamt", sagte Wolff. Danach werden 47.300 Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen an allen Haupt- und Realschulen sowie an den entsprechenden Bildungsgängen der Gesamtschulen nächste Woche (24. bis 28. Mai) die schriftlichen Prüfungen schreiben. "Die Landesprüfungen sind ein weiterer konsequenter Schritt auf dem Weg der Qualitätsentwicklung in unseren Schulen", sagte Wolff. Die Ergebnisse der Prüfungen würden Aufschlüsse über die Leistungsfähigkeit des Bildungswesens auf regionaler und landesweiter Ebene ermöglichen.

Erster Bestandteil der Hauptschul-Prüfung ist die Projektprüfung, die Wolff als "Herzstück" des neuen Abschlussverfahrens bezeichnete. Ferner werden schriftlichen Prüfungen in Deutsch und Mathematik verlangt. Für den qualifizierenden Hauptschulabschluss ist zudem eine schriftliche Prüfung in Englisch abzulegen. Der Realschulabschluss beinhaltet schriftliche Prüfungen in Deutsch, Mathematik und der ersten Fremdsprache; hinzu kommt hier wahlweise eine Hausarbeit mit Präsentation oder eine mündliche Prüfung in einem vierten Fach. Nach einem Kompromiss mit dem Landeselternbeirat können in der ersten Runde 2003/04 die Prüfungsleistungen unberücksichtigt bleiben, wenn die Schülerin oder der Schüler dies wünscht. Wolff zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass die überwiegende Mehrheit der Jugendlichen schon jetzt Wert darauf legen wird, dass die Prüfung im Abschlusszeugnis dokumentiert wird.

"Die Prüfungen gewährleisten eine neue Vergleichbarkeit, Berechenbarkeit und Transparenz der Abschlüsse", sagte Wolff. Wie bedeutend standardisierte Prüfungsverfahren sind, habe zuletzt die PISA-Studie deutlich gemacht. "Wenn wir überprüfen wollen, ob Bildungsstandards eingehalten werden, brauchen wir Vergleichsarbeiten und Abschlussprüfungen", verdeutlichte Wolff. Die Prüfung werde zeigen, dass der Schüler das Ziel des Bildungsgangs erreicht hat. "Und sie wird die Wertigkeit von Haupt- und Realschulabschlüssen nachhaltig erhöhen", erklärte die Ministerin. Die zentral vorgegebenen Aufgabenstellungen seien durchaus anspruchsvoll. "Die Schülerinnen und Schüler können sich jedoch stets auf Fairness verlassen", so Wolff.

Für die Erhebung wurden in einer Stichprobe 68 Schulen zu ersten Erfahrungen und Ergebnissen im Rahmen der Projektprüfung befragt. Dem vorliegenden Bericht liegt damit die Auswertung von 2.450 Schülerfragebögen, 368 Lehrerfragebögen und 68 Schulleiterfragebögen zugrunde. Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Schulleitungen wurden gebeten, sich zur Vorbereitung und zur Durchführung der Projektprüfung zu äußern und die neue Prüfungsform zu bewerten. "Die Auswertung lässt einen äußerst erfreulichen Trend erkennen", sagte Wolff.

Zur Frage, ob sie bereits vor der Durchführung über die Projektprüfung informiert waren, geben jeweils mehr als 90 Prozent der Schülerinnen und Schüler, der Lehrkräfte und Schulleitungen an, dass dies voll bzw. eher zutrifft. Ein fast eben so hohes Maß an Übereinstimmung ist in der positiven Gesamteinschätzung der Projektprüfung festzustellen. 87 Prozent der Schülerinnen und Schüler sind der Meinung, dass sie über das gewählte Thema viel dazu gelernt haben und 74 Prozent geben an, dass es ihnen nun leichter fällt, einen Vortrag zu halten.

Parallelen zur Auswertung der Projektprüfung weist eine Umfrage zu den Präsentationsprüfungen im Bildungsgang Realschule aus, die auf den Internetseiten des Bildungsservers veröffentlicht ist. Hier können Lehrkräfte ihre Erfahrungen und Einschätzungen zur ersten offiziellen Prüfung der Präsentation der Hausarbeit eingeben; ein Angebot, von dem überraschend viel Gebrauch gemacht wird. Auf die Frage, ob sie über den Ablauf der Präsentationsprüfung gut informiert waren, geben 91 Prozent der Lehrkräfte an, dass dies voll bzw. eher zutreffe. 84 Prozent sind der Meinung, dass von der Präsentationsprüfung positive Impulse für die Motivation der Schülerinnen und Schüler ausgehen und 75 Prozent bescheinigen positive Einflüsse auf die Unterrichtsentwicklung.

Erläuterung: Bei der Projektprüfung setzt sich jeweils eine Gruppe von drei bis vier Schülerinnen und Schülern eine Woche lang mit einem selbst gewählten Thema auseinander und präsentiert anschließend die Ergebnisse vor einer Prüfungskommission. Ziel ist, fächerübergreifend unterschiedlichen Fach- und Sachverstand in der Projektarbeit zu berücksichtigen. In allen Phasen - von der Vorbereitung über die Durchführung bis hin zu einer Präsentation mit einem Abschlussgespräch - werden die Teams von Lehrkräften begleitet. Am Ende wird die Mitarbeit der einzelnen Schülerinnen und Schüler separat bewertet. Dabei stehen vor allem die Übernahme von Verantwortung, die Bereitschaft zur Teamarbeit, Selbstständigkeit, Kreativität und die Anwendung von angemessenen Arbeitsmethoden im Vordergrund - eine Vorgehensweise, die auch in der beruflichen Ausbildung einen besonderen Stellenwert hat.

Eine Übersicht über die Auswertung der Umfrage zu den Projektprüfungen finden sie unter www.kultusministerium.hessen.de


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