Schulen sind kein Erziehungscamp
In der Debatte um die Bekämpfung der Jugendkriminalität warten einige Politiker und vermeintliche Experten gerade mit wohlfeilen Forderungen an die Schulen auf. "Doch Schule kann kein Reparaturbetrieb für elterliche Erziehungsdefizite und daraus resultierende jugendliche Gewalt sein", betont Ulrich Brambach, Vorsitzender des Realschullehrerverbandes NRW. Mehr Bildung kann nach Auffassung des RLV zweifellos zu weniger Jugendkriminalität beitragen, doch dies ist eine Aufgabe nicht nur für die Schulen, sondern vor allem für die Elternhäuser.
04.01.2008 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Realschullehrerverband NRW"Die Lehrerinnen und Lehrer an den Schulen tun, was sie können, aber wir können nicht gegen oder ohne die Eltern Erziehung betreiben", so Brambach. "Die Schulen sind schon oft genug mit den Problemen der Gesellschaft allein gelassen worden, man denke beispielsweise an die Integration von Migranten oder an die Vermittlung grundlegender Verhaltensregeln in unserer Gesellschaft."
Diese Grundlagen des menschlichen Miteinanders, wie Höflichkeit, Pünktlichkeit, Respekt voreinander, Disziplin und das Pflegen von Gemeinschaft durch Reden und Hinhören, müssen in den Elternhäusern gelegt werden. Gleiches gilt im Übrigen auch für PISA-relevante Tugenden wie Lesekompetenz.
"Die Begeisterung für das Lesen muss im Elternhaus geweckt und vorgelebt werden", unterstreicht Brambach. "Kinder, die zu Hause nur vor dem Fernseher oder dem Computer hängen und damit in Abhängigkeit zu elektronischen Medien geraten, werden das Lesen immer nur als lästige schulische Pflichtaufgabe wahrnehmen." Dadurch kommt es zwangsläufig zu Defiziten in der Lesekompetenz.
Ärgerlich wird es, wenn vermeintliche Experten die aktuelle Diskussion um Jugendkriminalität für ihre Einheitsschul-Visionen missbrauchen. "Die romantische Vorstellung, dass eine Einheitsschule alle sozialen Unterschiede nivelliert, war und ist ein Irrglaube", erklärt Brambach. "Soziale Unterschiede unter Kindern und Jugendlichen wird es immer geben. Wer das verhindern will, muss Eltern aus bildungsnahen Familien verbieten, ihren Söhnen und Töchtern Spaß an Zahlen und Worten, an Kultur und Leistung zu vermitteln." Soziale Ungleichheiten, die Einheitsschul-Verfechter immer wieder beklagen, seien nicht nur materieller Natur, so der RLV-Vorsitzende. "Sie haben auch damit zu tun, dass manche Eltern ihre Kinder fördern und sich mit ihnen beschäftigen, statt sie vor einem Bildschirm zu parken."
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