Schulerfolg nur mit ´dickem Geldbeutel´

"Das selektive Schulsystem in Bayern ist nicht nur pädagogisch längst überholt – es setzt auch ganz selbstverständlich voraus, dass die Eltern erhebliche Mittel aufwenden müssen, um dessen Mängel und Versäumnisse in Form von privater Nachhilfe auszugleichen", erklärt Oskar Brückner, Vorsitzender der GEW Bayern, zur Umfrage der Landes-Eltern-Vereinigung der Gymnasien in Bayern (LEV).

29.03.2007 Bayern Pressemeldung GEW Bayern

Die LEV hatte in einer repräsentativen Umfrage ermittelt, dass 25 Prozent der Eltern regelmäßige Nachhilfe für ihre Kinder bezahlen. Nach Ansicht der GEW ist damit nicht nur das ´G8´ gescheitert, weil der Befund zeigt, dass die enorme Leistungsverdichtung an Gymnasien Schüler um ein Vielfaches mehr belastet. Zudem wird durch diese finanziellen Aufwendungen die soziale Ungerechtigkeit des bayerischen Schulsystems weiter verschärft. Für Eltern aus bildungsfernen und sozial schwachen Schichten sind Nachhilfeangebote in dieser Größenordnung schlichtweg nicht bezahlbar.

Oskar Brückner: "Die Schule ist für den Lernerfolg der Kinder und Jugendlichen verantwortlich. Stellt sich dieser Erfolg aufgrund struktureller Missstände nicht ein, muss die Schule – respektive der Staat – für die Finanzierung entsprechender Maßnahmen sorgen. In Ländern mit einem integrativen Schulsystem ist dies selbstverständlich und führt zu signifikant besseren schulischen Ergebnissen und größerer sozialer Gerechtigkeit."

Die heute vom Kultusministerium angekündigte zusätzliche Förderung am neunjährigen Gymnasium zeigt doch, auch das Kultusministerium weiß, dass Klassenwiederholungen vermeidbar sind. Aber warum nur für die neunte Jahrgangsstufe und nicht für alle Jahrgangstufen und Schularten. Denn die Wiederholer kosten den Freistaat jährlich etwa 250 Millionen Euro. Mit diesem Geld könnte man beginnen, ein institutionelles und wirkungsvolles Unterstützungs- und Fördersystem an allen Schulen aufzubauen. Geringe Zahl von Studienberechtigten aufgrund früher Selektion Die ´Eine Schule für alle´ bietet neben der eindeutig besseren pädagogischen Arbeit auch genügend Freiraum zur individuellen, vom Einkommen der Eltern unabhängigen, Förderung. So lange dieses bessere Schulsystem aber nicht umgesetzt wird, werden auch künftig Akademiker aus anderen Bundesländern nach Bayern ´importiert´ werden müssen. Denn ´G8´ und die hohe Selektivität des bayerischen Schulsystems sorgen für die bundesweit niedrigste Zahl von Abiturienten. Oskar Brückner: "Ohne Institutionalisierung der Förderung im Rahmen der ´Einen Schule für alle´ bleibt Bayern weiterhin ´schulpolitisches Entwicklungsland´".

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GEW Bayern

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