Flüchtlingspolitik

Schulische Integration und Förderung von Flüchtlingskindern ist dauerhafte Mammutaufgabe der Bildungspolitik

(red/pm) Mit Blick auf die Beschulung von Flüchtlingskindern hat der DPhV-Vorsitzende Heinz-Peter Meidinger darauf aufmerksam gemacht, dass die schulische Förderung und gesellschaftliche Integration von Flüchtlingskindern eine enorm große, langfristige bildungspolitische Herausforderung sei, die weit über die jetzt notwendige Einrichtung von Hunderten und Tausenden zusätzlicher Willkommens- und Sprachlernklassen hinausgehe.

08.09.2015 Pressemeldung Deutscher Philologenverband (DPhV)

Meidinger warnte davor, diese Herausforderung zu unterschätzen und die Versäumnisse und Fehler der Vergangenheit zu wiederholen, die dazu geführt hätten, dass z.B. viele Kinder der zweiten und dritten Generation von Familien mit Migrationshintergrund in Deutschland heute schlechter dastünden als die der ersten Einwanderungsgeneration.

"Wenn man davon ausgeht, dass mindestens die Hälfte der allein in diesem Jahr nach Deutschland gekommenen 200.000 – 250.000 schulpflichtigen Flüchtlingskinder dauerhaft in Deutschland bleiben wird, erfordert dies auch im Hinblick auf eine weiter anhaltende Einwanderungswelle zusätzliche Investitionen ins Bildungssystem in zweistelliger Milliardenhöhe, die weit über das hinausgehen, was für das nächste Jahr den Ländern vom Bund zugesagt worden ist. Auch nach der Integration der Flüchtlingskinder aus den Willkommensklassen in den regulären Schulunterricht werden für viele Jahre zusätzliche Fördermaßnahmen und eine sprachliche Frühförderung für noch nicht schulpflichtige Flüchtlingskinder unabdingbar sein," betonte der DPhV-Vorsitzende. Dies könnten nach Ansicht des Deutschen Philologenverbandes viele Länder ohne dauerhafte Hilfe des Bundes nicht stemmen.

"Die gesellschaftliche Integration von Flüchtlingskindern ist eine nationale Aufgabe, damit ist der Bildungsföderalismus überfordert. Ohne zusätzliche Mittel drohen Verschlechterungen bei allen anderen Bildungsprojekten, angefangen von dem verstärkten Ausbau von Ganztagsschulen, der verbesserten individuellen Förderung bis hin zur Inklusion", bekräftigte Meidinger.

Kurzfristig forderte der Verbandsvorsitzende die Einstellung von rund 3.000 – 4.000 jungen Lehrkräften mit der Lehrbefähigung Deutsch, die derzeit bundesweit noch keine Anstellung gefunden hätten, und deren anschließende berufsbegleitende Weiterqualifikation in "Deutsch als Zweitsprache". Es sei kaum nachvollziehbar, dass man bestqualifizierte Deutsch- und Englischlehrkräfte arbeitslos auf der Straße stehen lasse, während sie gleichzeitig dringend für die Beschulung von Flüchtlingskindern gebraucht würden, sagte Meidinger.


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