Schuljahr beginnt mit Plus an Lehrerstunden

Im Schuljahr 2008/2009 stehen erstmals wesentlich mehr Lehrer zur Verfügung, als je zu vor. Grund dafür ist nicht ein überraschender demografischer Einbruch, sondern einfach ein Gerichtsentscheid, die Verbeamtungen in Teilzeit als verfassungswidrig erklärt. Für Unmut sorgt dabei die starre Haltung des Kultusministeriums zur Frage der Teilzeitbeschäftigten.

20.08.2008 Thüringen Pressemeldung GEW Thüringen

Schon am 2.3.2000 hatte das Bundesverwaltungsgericht in einer Entscheidung die Zwangsteilzeit für Beamte als verfassungswidrig eingeschätzt, wenn diese nicht auch die Antragsmöglichkeit auf Vollzeitbeschäftigung hatten (BVerwG Az.: 2 C 1.99). Im Dezember 2006 hatte das Verwaltungsgericht dies für Thüringen bestätigt und im Februar 2008 hat die Landesregierung die Revision gegen das Urteil zurückgezogen. Die Dummen sind nun die angestellten Floatinglehrer, für die der Haushalt keine Anhebung ihrer Teilzeitbeschäftigung übrig hat, jedoch genügend Geld für Investitionen zur Verfügung steht. Teilzeitbeschäftigte Angestellte erwarten, dass sie nicht allein die Last des Schülerrückgangs tragen und sind auch bereit, dafür Aktionen zu starten!

Lehrerstunden für Arbeit mit Schülern einsetzen

In den Schulen wird derzeit versucht, den durch die 100% Verbeamtung entstandenen Überhang vernünftig zu verteilen. Dabei fordert die GEW, vorrangig schülerorientierte Angebote, wie z.B. Hausaufgabenbetreuung, Ganztagesangebote, Förderunterricht oder Klassenteilungen vorzunehmen. Der Überhang an Lehrerstunden muss auch direkt bei den Kindern ankommen. Das verstärkte Verteilen von Abminderungsstunden für neu geschaffene Posten und Pöstchen lehnt die GEW ab. Die lang geforderte Klassenleiterstunde muss aber jetzt möglich sein. Als positiv bewertet die GEW , wenn z. B. an Regelschulen Abminderungsstunden für die Betreuung von Facharbeiten vergeben werden und verpflichtender Förderunterricht eingeführt wird bzw. wenn an Gymnasien kleine Kurse z.B. in Naturwissenschaften eingerichtet werden.

Zahlreiche Provisorien

Der Start ins Schuljahr ist indes gespickt mit etlichen Provisorien, wie sie die Lehrerinnen und Lehrer schon seit Jahren kennen:

  • kurzfristige Abordnungen
  • Beginn der neuen gymnasialen Oberstufe in Klasse 10, ohne das allen Lehrern überarbeitete Lehrpläne zur Verfügung stehen
  • entsprechende Änderungen im Thüringer Schulgesetz und in der Schulordnung noch nicht vorgenommen sind, obwohl sie für Juli 2008 angekündigt waren.

Ansprechpartner

GEW Thüringen

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