Schulportrait und Lehrkräfteversorgung – viel Arbeit für heiße Luft!
Seit Monaten wartet die Öffentlichkeit auf die Zahlen des Bildungssenators zur tatsächlichen Aus¬stattung der Berliner Schulen mit Personal. Das Versprechen von Senator Böger von April 2005, die Zahlen laufend zu aktualisieren und damit Transparenz herzustellen, wurde bald darauf zurückge¬nommen. Eltern, Beschäftigte der Schulen, Medien und Gewerkschaften wurden vertröstet auf den 15. 12. 2005. An diesem Tag wurden tatsächlich für einige Bezirke die aktuellen Zahlen eingestellt, und zwar im "Schulportrait" der Einzelschulen. Am nächsten Tag waren sie allerdings schon wieder verschwunden. Sie seien falsch, hieß aus dem Haus der Bildungsverwaltung; die korrekten Zahlen würde man nun am 20.12.2005 veröffentlichen.
16.12.2005 Berlin Pressemeldung GEW BerlinDie Vorsitzende der GEW BERLIN, Rose-Marie Seggelke: "Die Halbwertzeit der Bögerschen Aussagen wird immer kürzer. Offensichtlich waren die Zahlen vom 15. 12 weit von der Reali¬tät entfernt. So wurde zum Beispiel für den Bezirk Mitte eine Gesamtausstattung von 104,6% angegeben. Die Beschäftigten der Schulen dieses Bezirkes, die am gleichen Tag ihre Perso¬nalversammlung hatten, konnten das nur mit ungläubigem Kopfschütteln registrieren: Ihre Berichte über Unterrichtsausfall, zunehmenden Vertretungsunterricht, Wegfall von Teilungs- und Förderunterricht etc. ergaben ein anderes Bild!"
Ein weiteres Beispiel für die angebliche Transparenz: Noch immer sind in den Schulportraits für sämtliche berufsbildenden Schulen die Schülerzahlen von 2004/05 eingestellt. Wie man auf dieser Grundlage die Unterrichtsausstattung für das folgende Schuljahr errechnen will, wird wohl das Ge¬heimnis der Bildungsverwaltung bleiben.
Die Zweifel an den veröffentlichten und wieder zurückgezogenen Daten werden auch geteilt von den in der GEW organisierten Schulleitungen. In einem Brief von ihnen an den Senator heißt es u.a.: "Die jetzt veröffentlichten Daten – insbesondere zur Unterrichtsversorgung und Ausstattung mit Fachlehrkräften – entsprechen jedoch nicht den tatsächlichen Bedingungen an den ein¬zelnen Schulen. Wir erwarten, dass der Zugang zu den Portraits gesperrt wird, bis alle fehler¬haften Darstellungen korrigiert sind. Ferner müssen alle Daten, die von der Senatsverwaltung veröffentlicht werden, zuvor mit den Außenstellen und den Schulen abgestimmt werden. Sollte dies nicht geschehen, werden wir als Schulleitung mit korrekten Informationen, die unsere Schulen betreffen, selbst an die Öffentlichkeit gehen."
Rose-Marie Seggelke: "Wir brauchen endlich ein ungeschminktes Bild von der tatsächlichen Lage. Anstatt auf Sylt zu wandern und dort über eine weitere Amtsperiode nachzudenken, sollte sich Senator Böger endlich der Tatsache stellen, dass die Berliner Schulen unteraus¬gestattet sind und dass er, auch gegen den Finanzsenator, für die nötige Zahl von Neuein¬stellungen, auch zum Schulhalbjahr, kämpfen muss!"
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