Schwerpunktsetzung auf weitere Verbesserung der Bildungschancen im Saarland
Im Zentrum eines intensiven Meinungsaustausches zwischen Bildungsminister Klaus Kessler und der Arbeitskammer standen die für das Jahr 2011 geplanten Bildungsausgaben sowie die Gemeinschaftsschule. Angesichts der Haushaltslage des Landes und der über Jahrzehnte hinweg angehäuften Probleme befürwortet die Arbeitskammer eine differenzierte Betrachtung der Bildungsausgaben. Die geplante Gemeinschaftsschule als gleichwertiges Angebot zusammen mit dem Gymnasium könnte nachhaltig zu besseren Bildungschancen im Saarland beitragen. Angesichts dieser Option appelliert die Kammer an alle im Landtag vertretenen Fraktionen, parteitaktische Überlegungen in den Hintergrund zu stellen und sich ernsthaft darum zu bemühen, die Gemeinschaftsschule auf einen guten Weg zu bringen.
21.12.2010 Pressemeldung Ministerium für Bildung und Kultur SaarlandBildungsminister Kessler und Arbeitskammer stimmten in der Bewertung überein, dass die Landesregierung im Jahr 2011 mit einem absoluten Zuwachs von mehr als 12 Millionen Euro die "demografische Rendite" tatsächlich im Bildungsbereich belassen will. Dies bedeutet, selbst bei rückläufigen Schülerzahlen weiterhin verstärkt in Bildung zu investieren. Somit nähert sich die Landesregierung der Zielsetzung, den Anteil der Ausgaben für Bildung und Wissenschaft auf 30Prozent des Landeshaushaltes zu steigern. Dazu Arbeitskammer-Vorstandvorsitzender Hans Peter Kurtz: "Sicherlich könnten absoluter und prozentualer Zuwachs angesichts der gegebenen Herausforderungen noch deutlicher ausfallen. Andererseits ist anzuerkennen, dass die Ausgaben für Bildung trotz des Schülerrückganges nicht nur gehalten, sondern sogar erhöht werden sollen. Das muss in Anbetracht der Haushaltslage und der Diskussion um die Schuldenbremse positiv gewürdigt werden, weil der Nachholbedarf des Saarlandes in Sachen Bildung noch immer ausgeprägt ist."
Die Gesprächspartner sahen übereinstimmend die Notwendigkeit, trotz gestiegener Bildungsausgaben Lehrerstellen je nach Dringlichkeit zwischen einzelnen Schulformen neu aufzuteilen. So etwa kann es die Arbeitskammer nachvollziehen, wenn auf der Basis zurückgehender Schülerzahlen an der Schulform "Erweiterte Realschule" rund 50 frei werdende Lehrerstellen nicht mehr besetzt werden, da diese dringlicher im Bereich der beruflichen Bildung benötigt werden. Die dort vorhandenen Probleme mit der Lehrerversorgung sind als Schwerpunkt vordringlich anzugehen. Darüber hinaus muss der jetzt beginnende Ausbau gebundener Ganztagsschulen – also mit Unterrichtsanteilen am Nachmittag – personalisiert bzw. finanziert werden.
Bezüglich der Absenkung der Eingangsbesoldung für kommende Lehrer/innen nahmen Bildungsminister und Arbeitskammer unterschiedliche Standpunkte ein.
Übereinstimmung gab es darin, dass mit der geplanten Gemeinschaftsschule neue Perspektiven zur Verbesserung der Bildungschancen im Saarland entstehen können. Dies gilt, wenn sie alle Bildungsabschlüsse anbieten kann und sie als gleichwertige Säule neben dem Gymnasium eingerichtet wird sowie für Schüler/innen an Gemeinschaftsschulen das Abitur ohne Schulformwechsel erreichbar ist (dort nach 9, am Gymnasium nach 8 Jahren).
Durch Gemeinschaftsschulen erwartet die Arbeitskammer eine deutliche Verbesserung der Bildungschancen für Kinder aus Arbeitnehmerfamilien. Ob nach der Grundschule ein Gymnasium oder eine Gemeinschaftsschule besucht wird, ist dann nicht mehr – wie bislang häufig – eine Art "Schicksalsentscheidung". Die Bildungschancen im Saarland könnten so stärker von der sozialen Herkunft entkoppelt werden.
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