Hamburg

Sehr viele Schülerinnen und Schüler mit Mittlerem Schulabschluss

An den Prüfungen zum mittleren Schulabschluss nehmen fünf mal mehr Schüler teil als am Ersten Schulabschluss.

27.09.2016 Hamburg Pressemeldung Behörde für Schule und Berufsbildung (BSB)
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Der Trend zu hochwertigen Schulabschlüssen betrifft nicht nur das Abitur, sondern auch den Mittleren Schulabschluss (MSA). Immer weniger Hamburger Schülerinnen und Schüler geben sich mit dem Ersten Schulabschluss (ESA) zufrieden. Fünf mal mehr streben den MSA an, denn damit verbinden sich oft bessere Berufsperspektiven. Die Folge: Weil auch lernschwächere Schülerinnen und Schüler die deutlich schwereren MSA-Prüfungen absolvieren, gibt es dort auch schwächere Zensuren.

Die jetzt von der Schulbehörde veröffentlichten Zahlen belegen: Von den Schülerinnen und Schülern, die im Schuljahr 2014/2015 den 10. Jahrgang besucht haben, nahmen rund 5.460 an den MSA-Prüfungen (mittlerer Schulabschluss = früherer Realschulabschluss) teil, aber nur 1.091 absolvierten die ESA-Prüfungen (erster Schulabschluss = früherer Hauptschulabschluss). Das bedeutet, dass gut 83 % der Schülerinnen und Schüler, die kein Abitur anstreben, den MSA anstreben – fünf Mal mehr als den ESA. Hamburgs Schulsystem macht es möglich: Beide Prüfungen werden in der Regel nach der zehnten Klasse absolviert.

Die MSA-Prüfungen sind deutlich anspruchsvoller: Bei gleicher Leistung sind die Noten des MSA zwei Notenpunkte schlechter als die Noten des ESA. Ein MSA-Abschluss mit einem Notendurchschnitt von 3,4 entspricht deshalb einem ESA-Abschluss von 1,4. Zum MSA wird zugelassen, wer keine „Sechs“ hat und alle seine „Fünfen“ durch je eine „Zwei“ oder zwei „Dreien“ ausgleichen kann. Zudem darf es in den Kernfächern maximal eine „Fünf“ geben. Schulsenator Ties Rabe: „Wir ermöglichen auch lernschwächeren Schülerinnen und Schülern die Teilnahme an der MSA-Prüfung. Denn viele Berufe setzen den MSA voraus.“

Weil auch lernschwächere Schülerinnen und Schüler an den MSA-Prüfungen teilnehmen, gibt es bei den Ergebnissen Licht und Schatten. Erfreulich sind die Leistungen in Englisch, problematisch in Mathematik. Insgesamt erreichen die Prüflinge in den Kernfächern eine durchschnittliche schriftliche Note von 3,4. Auffällig ist, dass die mündlichen Noten in den Kernfächern mit einem Durchschnitt von 2,7 deutlich besser sind. Die schriftlichen Prüfungen sind zentral vorgegeben, die mündlichen werden dezentral in den Schulen organisiert. Schulsenator Rabe: „Offensichtlich fällt gerade lernschwächeren Schülerinnen und Schülern die schriftliche Darstellung schwerer als die mündliche.“

Besonders stark klaffen die Leistungen in Mathematik auseinander: So erzielen 64 % der Schüler in den schriftlichen MSA-Klausuren die Note 4 oder besser, aber der Notendurchschnitt aller Mathe-Klausuren liegt nur bei 4,0. In den mündlichen Mathematik-Prüfungen erzielen die Schülerinnen und Schüler dagegen einen Notendurchschnitt von 2,7 – hier schaffen 88 % die Note 4 oder besser. Senator Rabe: „Leistungsschwächere haben es erfahrungsgemäß gerade in Mathe schwer. Hier bleibt viel zu tun. Dennoch ist es gut, dass die zentral vorgegebenen schriftlichen Prüfungen für eine verlässliche Qualität sorgen. Wir wollen nicht, dass die MSA-Prüfungen leichter werden. Umgekehrt ist anzuerkennen, dass viele Schülerinnen und Schülern durch bessere Leistungen in anderen Fächern die schwachen Leistungen in Mathe ausgleichen und so einen MSA erlangen.“

Grund dafür sind vor allem die guten Leistungen in Englisch: Hier sind nicht nur die Durchschnittswerte gut, es gibt auch keinen Unterschied zwischen den schriftlichen und mündlichen Prüfungen. Die Schüler erreichen mit der gleichen Durchschnittsnote von 2,7 in den schriftlichen und den mündlichen Prüfungen einen guten MSA-Abschluss. 88% schaffen in der schriftlichen Prüfung die Note 4 oder besser, 89 % in der mündlichen Prüfung. Rabe: „Diese Werte sind beeindruckend, vor allem wenn man berücksichtigt, dass auch sehr viele lernschwächere Schülerinnen und Schüler die MSA-Prüfungen absolvieren.“ In Deutsch liegen die Leistungen im Mittelfeld: 80 % der Schüler erreichen in der schriftlichen Abschlussprüfung mindestens eine 4 (Notendurchschnitt: 3,6), in den mündlichen Prüfungen sind es 92 % (Notendurchschnitt: 2,5).

Schulsenator Ties Rabe: „Sicher wären die Durchschnittsnoten in den MSA- und auch in den ESA-Prüfungen besser, wenn Hamburg den Zugang zur MSA-Prüfung auf leistungsstärkere Schülerinnen und Schüler beschränken würde. Denn dann würden die Leistungsstärkeren den MSA absolvieren, zudem würden viele Schülerinnen und Schüler aus dem mittleren Leistungsspektrum am ESA teilnehmen und dort die Durchschnittsnoten heben. Doch es geht nicht nur um Durchschnittsnoten in den Prüfungen, sondern auch um erfolgreiche Teilnahmen. Wir müssen anerkennen, dass in der Lebensperspektive vieler Schülerinnen und Schüler heute ein schwächerer mittlerer Schulabschluss mehr Möglichkeiten eröffnet als ein etwas besserer Erster Schulabschluss. Das Hamburger System ermöglicht den Schülerinnen und Schülern diesen Schritt, auch um den Preis, dass nicht alle MSA-Prüfungen sehr gut ausfallen.“


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