Philologenverband

Skepsis über Aussagewert mancher Bildungsumfragen

Skeptisch hat sich der Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger, angesichts der neuen Emnid-Umfrage zur Bildung über den Erkenntnisgewinn und den Aussagewert mancher dort publizierter Befragungsergebnisse geäußert.

06.09.2012 Pressemeldung Deutscher Philologenverband (DPhV)

"Welche Handlungsoptionen soll eine Politik aus Umfragen herauslesen, in denen 79 Prozent der befragten Eltern für ein neunjähriges Gymnasium sind, aber 60 Prozent der Befragten für eine längere Grundschulzeit? Ist eigentlich niemandem aufgefallen, dass sich die Erfüllung beider Mehrheitsmeinungen gegenseitig ausschließt?", fragte er.

Ähnlich verhalte es sich auch mit der Tatsache, dass eine Mehrheit der Eltern für Inklusion sei, aber gleichzeitig 70 Prozent der Befragten glauben, dass behinderte Kinder an Förderschulen besser aufgehoben seien.

Den Grund für diese Widersprüche sieht der Verbandsvorsitzende zum Teil bereits in den Fragestellungen angelegt, die Zusammenhänge eher verschleiern als aufdecken.

Der Politik riet Meidinger, gerade in der Bildungspolitik bei Reformen behutsam vorzugehen, möglichst alle Betroffenen mitzunehmen und sich nicht von wechselnden Umfrageergebnissen leiten zu lassen. Dies gelte insbesondere auch für die Umsetzung einer verstärkten Inklusion behinderter Kinder. Wie nicht zuletzt die überstürzte Einführung des G 8, aber auch der Hamburger Volksentscheid gezeigt habe, kann man gerade bei Schulstruktureingriffen sehr schnell das Vertrauen der Bevölkerungsmehrheit verlieren.

"An diesem Vertrauensverlust leidet die Schulpolitik in vielen Bundesländern noch heute. Viele Bildungsreformen der letzten 10 Jahre haben den Schulen und damit auch Schülern, Lehrern und Eltern mehr geschadet als genutzt!", so Meidinger.


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