Sprache und Integration: Neues Modellprojekt startete am 10. November 2006

- Integrationsfähigkeit junger Menschen mit Migrationshintergrund auf dem Ausbildungs– und Arbeitsmarkt erhöhen - Start eines hessenweiten Modellprojekts mit 15 Schülerinnen und Schüler der Kestnerschule Wetzlar

20.11.2006 Hessen Pressemeldung Hessisches Kultusministerium

Nicht alle jungen Menschen haben bei der Ausbildungsplatzsuche die gleichen Chancen – schulische Defizite, fehlende Sprachkenntnisse und mangelnde soziale Kompetenzen können die Erfolgsaussichten bei der Suche nach einem Arbeitgeber beieinträchtigen. Gerade Hauptschülerinnen und -schüler haben es dabei immer schwerer.

Damit dies nicht so bleibt, haben das Hessische Kultusministerium, die Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit und die Staatlichen Schulämter gemeinsam das Modellprojekt "Sprache und Integration" ins Leben gerufen. Ein neunmonatiges Sprach-, Sozial- und Methodentraining soll Jugendliche an 16 hessischen Hauptschulen oder Hauptschulzweigen kooperativer Gesamtschulen noch während ihrer Schulzeit fördern.

Das Pilotprojekt startete am 10. November in der Kestnerschule Wetzlar. 15 Schülerinnen und Schüler mit Sprachdefiziten und/oder Migrationshintergrund nehmen an diesem zusätzlichen Angebot teil. Die anderen 15 hessischen Schulen werden in den kommenden Wochen folgen.

"Wir wollen und dürfen nicht länger zulassen, dass gerade Schülerinnen und Schüler an den Hauptschulen bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz auf der Strecke bleiben. Gerade Sie brauchen eine besondere Ansprache und eine gezielte Unterstützung und Förderung, damit ihre Integrationschancen steigen. Mit diesem Modellprojekt wollen wir Ihnen Angebote machen und neue Perspektiven aufzeigen", so Angelika Berbuir, die Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit in Wetzlar.

Das Angebot richtet sich in erster Linie an Schülerinnen und Schüler der achten Klassen. Die Teilnahme ist freiwillig. "Nur so können wir junge Menschen dazu bringen, motiviert und mit der nötigen Lernbereitschaft die neun Monate des Projektes auch wirklich durchzustehen", erläuterte Regierungsdirektor Klaus Beier, zuständiger Referatsleiter im Hessischen Kultusministerium.

Und in der Tat reicht das Angebot dieses zusätzlichen Unterrichts nicht aus, um die Nachfrage der Kestner-Schüler zu befriedigen. Nach Aussage von Schulleiterin Uta Schmidt-Frenzl wurde das Angebot auf Seiten der Jugendlichen und Eltern so positiv aufgenommen, dass wegen der Begrenzung auf 20 Plätze bereits eine Warteliste für Schülerinnen und Schüler erstellt worden ist.

Maßgebliche Unterstützung erfuhr das Projekt durch das Staatliche Schulamt für den Lahn-Dill-Kreis und den Landkreis Limburg-Weilburg.

Im Einzelnen sieht das Projekt "Sprache und Integration" folgende Schritte vor:

  • Schritt 1: Die Auswahl der Teilnehmer/innen erfolgt durch die Schule.

  • Schritt 2: Teilnahme der Schüler/innen an einem Testverfahren der Agentur, welches den tat-sächlichen Lernstand in den Fächern Deutsch und Mathematik erfasst, um eine gezielte Förderung ansetzen zu können.

  • Schritt 3: Insgesamt finden für die ausgewählten Jugendlichen in der 8. Klasse 160 Stunden zusätzlicher Sprach- und Mathematikunterricht sowie Sozial- und Methodentraining statt. Ergänzt wird dieses Angebot durch berufsfeldbezogene Assessment-Center und Berufswahltests.

  • Schritt 4: Der zusätzliche Unterricht soll in der neunten Klasse durch Betriebspraktika und Be-werbungscoachings ergänzt werden.

  • Schritt 5: Die Berufsberaterin der Agentur für Arbeit bietet den Jugendlichen Berufsorientierung an und ergänzt dieses Angebot durch die berufliche Einzelberatung.

Für die Durchführung von "Sprache und Integration" konnte mit dem Bildungswerk der hessischen Wirtschaft ein Bildungsträger gewonnen werden, der auf langjährige Erfahrung im Bereich der jugendbezogenen Berufsbildung verfügt. Durch die Verlagerung der pädagogischen Arbeit an nichtschulisches Personal wird eine zusätzliche Motivation der Teilnehmer erreicht. Auch ist beabsichtigt, Teile der Qualifizierungen außerhalb der Schule zu vermitteln.

Nur durch eine enge Verzahnung von Schule, Bildungsträger und Berufsberatung kann das Ziel erreicht werden, die Integrationsfähigkeit der künftigen Ausbildungsplatzbewerber zu fördern.

Die Evaluation von "Sprache und Integration" erfolgt durch den Psychologischen Dienst der Agentur für Arbeit sowie das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit.

Sollte das Modellprojekt den gewünschten Erfolg zeitigen, ist eine landesweite Einführung beabsichtigt.

Finanziert wird dieses Projekt der vertieften Berufsorientierung jeweils zur Hälfte aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) und aus Mitteln der Bundesagentur für Arbeit.

Alle Beteiligten konstatierten, dass es ohne das konstruktive und unbürokratische Zusammenwirken aller Akteure nicht möglich gewesen wäre, dieses kurz vor den Herbstferien entstandene Konzept so zeitnah umzusetzen.


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