Studie: Schüler erzielen erstaunliche Lesefortschritte im Programm "Niemanden zurücklassen - Lesen macht stark"

Schülerinnen und Schüler der 7. Jahrgangsstufe, die mit ihren Klassen an dem schleswig-holsteinischen Schulbegleitprojekt "Niemanden zurücklassen - Lesen macht stark" teilnehmen, konnten ihre Lesekompetenz deutlich verbessern. Das zeigen die neuesten Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung, die heute (11. November) auf der zweiten bundesweiten Fachtagung "Individuelle Förderung konkret: Niemanden zurücklassen - 'Lesen macht stark' und 'Mathe macht stark'" des Instituts für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH) in Kiel präsentiert wurden. Bildungsminister Ekkehard Klug hob die Bedeutung des Projektes hervor: "'Niemanden zurücklassen' ist das größte Leseförderprojekt in Deutschland. Rund 40.000 Schülerinnen und Schüler an nahezu allen weiterführenden Schulen in Schleswig-Holstein nehmen daran teil."

12.11.2009 Pressemeldung Ministerium für Schule und Berufsbildung des Landes Schleswig-Holstein

Ziel sei es, die Risikogruppe der leseschwachen Schülerinnen und Schüler innerhalb von drei Jahren deutlich zu verkleinern. Damit könne ein wichtiger Beitrag geleistet werden gegen Schulversagen und Jugendarbeitslosigkeit. "Die neuen Befunde der wissenschaftlichen Begleitung zeigen, wie erfolgreich das Projekt ist, sie zeigen aber auch, wie engagiert und kompetent die Lehrkräfte in Schleswig-Holstein arbeiten", lobte Minister Klug die beteiligten Schulen. Aufgrund der Mut machenden Ergebnisse der Säule "Lesen macht stark" sei das Projekt in diesem Schuljahr um eine zweite Säule "Mathe macht stark" für 7. und 8. Klassen erweitert worden. Denn auch in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern bestünde Handlungsbedarf, um die Schülerinnen und Schüler auf die Anforderungen der Arbeitswelt vorzubereiten. Die Schulen hätten dies erkannt. Das Interesse an "Mathe macht stark" sei sehr groß gewesen. Zunächst hätten 80 Schulen aufgenommen werden können.

Die wissenschaftliche Begleitung um Professor Olaf Köller, Institut für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen Berlin, bestätigte die Wirksamkeit von "Niemanden zurücklassen - Lesen macht stark". Für die Schülerinnen und Schüler der 7. Jahrgangsstufe, die auch schon in der 6. Jahrgangsstufe getestet worden waren, zeigen sich erhebliche Zuwächse in der Lesekompetenz. Die Größe des Zuwachses liegt dabei deutlich über dem der internationalen Schulleistungsstudien (PISA) und weist auf die Effizienz des Programms hin. Das Programm stößt insgesamt auf die Zustimmung der Lehrkräfte, aber auch bei Schulleitungen und der Schulaufsicht findet es eine hohe Akzeptanz. Die professionelle Beratung durch die externen Beraterinnen und Berater wird von den Schulleitungen und Schulen als kompetent bewertet. Die Tests sind gut geeignet, über Jahre hinweg Leistungszuwächse abzubilden und werden von vielen Lehrkräften für nützlich bei der Leseförderung gehalten. Die Materialien - hier besonders die Lesemappe - werden von den Schülerinnen und Schülern angenommen und von den Lehrkräften positiv bewertet. Optimierungsbedarf besteht bei einzelnen Materialien wie beim Lernplan oder der Lesewoche. Die Lesepatenschaften sind an den Schulen noch nicht hinreichend etabliert und zur Steigerung der Lesemotivation bedarf es weiterer Anstrengungen.

"Die Programmerfolge zeigen, dass es möglich und lohnenswert ist, Schülerinnen und Schüler individuell zu fördern, um sie so zu guten Leistungen zu führen", freute sich Dr. Thomas Riecke-Baulecke, Direktor des IQSH über die insgesamt positive Rückmeldung der Wissenschaft. Er sehe zwei Erfolgsfaktoren. Zum einen die Qualität des Unterrichts. Die Schüler hätten bei "Lesen macht stark" die Möglichkeit, selbstständig zu lernen, sich mit Mitschülern auszutauschen und die eigenen Lernfortschritte zu reflektieren. Zum anderen werde den Schulen ein "Rundum-Paket" zur Verfügung gestellt. Dazu gehörten die in Zusammenarbeit mit dem Cornelsen Verlag entwickelten qualitativ hochwertigen Materialien für Schüler und Lehrkräfte, eine externe professionelle Beratung der Schulleitungen sowie Aktionen, die das Programm ergänzen wie z.B. der erfolgreiche jährliche Rap-Wettbewerb auf der Krusenkoppel in Kiel, der inzwischen schon fast zu einer Tradition geworden sei. "Nun müssen wir Lösungsvorschläge für die von der Wissenschaft aufgezeigten Optimierungsnotwendigkeiten entwickeln", beschrieb er die "Hausaufgaben" für das IQSH. Gespannt sei er auf die für Juni 2010 geplanten Ergebnisse für die Säule "Mathe macht stark". Er sei allerdings optimistisch, dass auch hier Schülerinnen und Schüler in starkem Maße profitieren würden. Schließlich könne das IQSH auf die Projekterfahrungen aus "Lesen macht stark" zurückgreifen.

Der Bericht steht als pdf download im Internet zur Verfügung: nz.lernnetz.de/


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