Thüringer Landeselternvertreter befürchten Tod des Faches Chemie in der gymnasialen Oberstufe durch beabsichtigte Reform der Sekundarstufe II
Das Thüringer Kultusministerium (TKM) arbeitet weiter mit Hochdruck an der dringend notwendigen Reform der gymnasialen Oberstufe, insbesondere der Sekundarstufe II (Sek II), die das Kurssystem in den Klassen 11 und 12 umfasst. Diese Reform setzt in erster Linie auf eine Stärkung der Allgemeinbildung. Daneben sind Stärkung der Sprachentwicklung und der naturwissenschaftlichen Bildung Kernpunkte der Reform. Nach ersten Diskussionen hat das TKM nun einen weiteren [Vorschlag zur Stundentafel für die Sek II](http://bildungsklick.de/datei-archiv/50343/thuer_gymnasiale_oberstufe_stand_23.oktober.2007-1.pdf) vorgelegt.
04.01.2008 Thüringen Pressemeldung Landeselternvertretung Thüringen (LEV)Dieser Vorschlag wird in weiten Teilen von der Thüringer Elternschaft, die an der Ausarbeitung beteiligt war, mitgetragen. Der Vorschlag hat aus Elternsicht jedoch einen erheblichen Pferdefuß: Die Verpflichtung, aus den naturwissenschaftlichen Fächern das Fach Physik wählen zu müssen, bedeutet den Tod des Faches Chemie in der Sek II. Wir schlagen daher vor: Die 3 klassischen Naturwissenschaften Physik, Chemie und Biologie sollen verpflichtend mit je 2 Wochenstunden belegt werden.
Weshalb fürchten wir um Chemie? Der derzeitige Vorschlag des TKM verpflichtet neben Physik zu einer weiteren Naturwissenschaft. Nach einer sehr aussagekräftigen Dokumentation des Thüringer Instituts für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien (ThILLM) wählen bislang mehr als 80% der zukünftigen Abiturienten Biologie als Naturwissenschaft. Wir gehen davon aus, dass sich dieses Wahlverhalten bei dem derzeit vorgeschlagenen Modell nicht grundlegend ändern wird. Es war bereits in der Vergangenheit festzustellen, dass Chemie-Kurse aufgrund zu geringer Schüleranmeldungen oft nicht zustande kamen. Durch die zu begrüßende Verbreiterung der jetzt zur Verfügung stehenden Auswahl an Fächern wird sich dieses Problem noch verstärken. Wir erwarten, dass dies kleinere Gymnasien besonders hart trifft. Hier wird möglicherweise gegen die Chancengleichheit verstoßen.
Was bringt unser Vorschlag? Die drei klassischen Naturwissenschaften werden hochwertig und gleich behandelt. Eine solche Lösung verwirklicht das Ziel einer breiten Allgemeinbildung. Nebenher bleibt ein "Basisklassenverband" erhalten, weil weitere 6 Stunden (neben 8 in Mathematik und Deutsch) gemeinsam gelernt würde. Diese Lösung ist zudem mit den Plöner Beschlüssen der Kultusministerkonferenz zur Anerkennung des Abiturs durch alle Bundesländer verträglich, so dass das Thüringer Abitur weiterhin bundesweit anerkannt würde.
Das Problem des befürchteten Sterbens von Chemie wurde am 17.12.2007 mit dem Kultusminister diskutiert. Obwohl das Problem anerkannt wird, sieht man derzeit keinen Änderungsbedarf. Allerdings wurde in Aussicht gestellt, dass die Ergebnisse der kommenden öffentlichen Diskussion des Vorschlags ein Umdenken des Ministeriums bewirken könnten.
Wir fordern daher alle Thüringer Bürger, Eltern und Schüler, insbesondere aber auch die Verbände auf, gegen die einseitige Verpflichtung zu Physik Stellung zu nehmen und den Vorschlag der Elternvertretung zu unterstützen, um das Ziel einer breiten Allgemeinbildung unser Gymnasiasten erreichen zu können.
Keine Kommentare vorhanden