Schulwechsel

Tipps für Fünftklässler beim Wechsel ans Gymnasium

Wenn am Dienstag das neue Schuljahr in Bayern beginnt, sind besonders die Schülerinnen und Schüler der kommenden fünften Jahrgangsstufe aufgeregt. Knapp 40 Prozent der Viertklässler treten auf die 431 staatlichen und privaten Gymnasien im Freistaat über.

06.09.2019 Bayern Pressemeldung Bayerischer Philologenverband (bpv)
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„Der Wechsel an eine neue Schule ist ein Einschnitt. Die Kinder verlassen den überschaubaren Raum der Grundschule und sind nun an einem meist viel größeren Gymnasium, in dem sie zunächst ‚die Kleinen‘ sind“, erläutert Michael Schwägerl, der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbands (bpv), der die Lehrkräfte an Gymnasien und Beruflichen Oberschulen vertritt. 

Gerade in den ersten Wochen des neuen Schuljahrs geht es darum, sich an die neuen Gegebenheiten zu gewöhnen. Der bpv rät Eltern, den häufig längeren neuen Schulweg mit den Kindern intensiv einzuüben. Auch ältere Schüler aus der gleichen Straße oder dem gleichen Ort können helfen. Der Verband weist darauf hin, dass die Schüler den Schulweg relativ rasch selbst bewältigen sollen. „Mit dem elterlichen Auto zur Schule zu kommen, sollte die Ausnahme sein, wenn öffentliche Verkehrsmittel nicht zur Verfügung stehen. Die Eigenverantwortung der Kinder und Jugendlichen beginnt nicht erst auf dem Schulhof“, betont Schwägerl.

Auch die Pflege sozialer Kontakte braucht Zeit und Aufmerksamkeit. Eine neue Schule bedeutet immer, neue Bekanntschaften zu knüpfen, aber auch alte Beziehungen hinter sich zu lassen. Die Kinder müssen ihren Platz in der Klassengemeinschaft und der Gruppe finden und behaupten. „Wenn ein Schüler sich in den ersten Wochen schwertut mit neuen Freundschaften, ist das noch kein Grund zur Sorge. Eltern sollten nachfragen, Interesse zeigen und bei Bedarf das Selbstwertgefühl ihres Kindes stärken“, rät Schwägerl. Auch die Beziehung zu den Lehrkräften wird sich ändern: Da am Gymnasium das Fachlehrerprinzip gilt, ist der Kontakt zur einzelnen Lehrkraft weniger intensiv, dafür gibt es mehr Vielfalt an Lehrpersonen und -methoden, was viele Schüler als bereichernd empfinden. Gerade die Buben werden sich auch freuen, mehr männliche Lehrer zu haben. 

Insbesondere am Gymnasium kann es in den ersten Monaten auch zu Unsicherheiten bei der Leistung kommen. Schüler, die in der Grundschule mit wenig Aufwand gute Noten schreiben konnten, müssen sich oft erst an regelmäßiges Lernen gewöhnen. Auch erste schlechtere Noten sind vielleicht zu verarbeiten. Generell rät der Lehrerverband hier zur Gelassenheit. Wenn die ersten Schulaufgaben und Stegreifaufgaben nicht wie erwartet ausfallen, ist das noch kein Alarmsignal. Das Lerntempo am Gymnasium ist höher als in der Grundschule und die Stoffdichte nimmt zu. Daran gewöhnen sich Kinder unterschiedlich schnell. Druck von den Eltern wäre daher verkehrt: Wichtig ist es, das Kind auch bei kleinen Lernerfolgen positiv zu bestärken und bei der Organisation des eigenen Lernens zu unterstützen. Viele Schulen helfen dabei mit Kursen zum „Lernen lernen“.

Schwägerl erläutert: „Bei der größeren Anzahl an Fächern und Unterrichtsstunden spielt die häusliche Selbstorganisation eine wichtige Rolle. Eltern können bei der Planung des Lernens und der Hausaufgaben unterstützen und gerade am Anfang vielleicht auch die Hefte kontrollieren. Inhaltlich bei den Hausaufgaben helfen sollten sie aber nur ausnahmsweise und auf Nachfrage. Besser ist es, dem Kind zu zeigen, wo und wie es selbstständig recherchieren kann. Wenn Nachhilfe erforderlich scheint, empfiehlt sich die Kontaktaufnahme mit Klassen- und Fachlehrer.“ 

Der Verband empfiehlt außerdem einen guten Ausgleich zwischen Schule und Freizeit. Die Schule wird einen größeren Raum im Leben der Kinder einnehmen als bisher, allein durch mehr Wochenstunden, Wahlfächer oder einen längeren Schulweg. Dennoch sollte genug Zeit außerhalb der Schule bleiben, auch zur Pflege alter und neuer Freundschaften. Schwägerl fasst zusammen: „Schule muss in erster Linie mit positiven Gefühlen verbunden sein und ein Ort, an dem sich das Kind gerne aufhält. Dafür müssen Eltern und Lehrkräfte gemeinsam sorgen.“


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